Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Lange Nacht: Tanzmusik und Doppeltalent

Lange Nacht der Kultur in der Fotowerkstatt mit der Band Hot Spots : Dieter Hüge (Gitarre), Frank Schattner (Bass), Marita Runge
Lange Nacht der Kultur in der Fotowerkstatt mit der Band Hot Spots : Dieter Hüge (Gitarre), Frank Schattner (Bass), Marita Runge (Gesang) und Hans Hörhammer(Gitarre, Gesang)..

Es kam einiges zusammen in dieser 20. „Langen Nacht der Kultur“: Das Jubiläum, die Vorfreude und das facettenreiche Programm vom stillen Foto bis zur deftigen Live-Musik.

Die Live-Musik war ganz besonders stark vertreten, sowohl in Sachen Vielfalt als auch bezüglich der Qualität. Dann mal kopfüber hinein in diese musikalisch besondere und besonders lange Nacht ...

Musik, Musik, Musik – gefühlt in jeder Straße der City. Was soll man ansteuern, wo anfangen? Am besten klein und in der Nähe des Epizentrums, der Fruchthalle: Auf der Werkstattbühne des Pfalztheaters spielen recht früh an diesem Abend Pony & Kleid. Klein ist dabei aber nur die Besetzung, groß dagegen allein schon durch die gesanglichen Fähigkeiten von Julia „Djulia“ Jung die Präsentation der ungewöhnlich arrangierten, oft zum intensiveren Nachspüren anregenden Rock- und Pop-Titel.

Schülerband und Musikverein

Viel Zeit dazu bleibt nicht – die Nacht ist noch lang. Raus aus dem Theater-Areal also und weiter in Richtung Altstadt. Von der Bühne auf dem Unionsplatz herunter ertönt gerade „Eye of the Tiger“ bei einem Schülerband-Wettbewerb der Musikschule. Nicht schlecht. Wenn das auf die Zukunft der lokalen Musikszene hindeutet, müssen wir uns um selbige keine Sorgen machen.

Vorbei geht es an der Martinskirche, wo der Musikverein Kaiserslautern und der Kirchenchor des Gotteshauses gerade mit geistlicher Musik Momente der Kontemplation in die streckenweise an Altstadtfest-Zeiten erinnernde Betriebsamkeit ringsum bringen. Etwas weiter oben, in der Scheune des Theodor-Zink-Museums, fügen derweil die Hörspiel-Community Kaiserslautern und Pianist Harry Muly anspruchsvolle Texte und positivistische Titel wie „Don’t Worry, Be Happy“ in einer nicht alltäglichen Symbiose zusammen. Das hat was.

Salsa und Samba

Auch der Tanz gehört zur Musik. Auf dem Stiftsplatz findet gerade eine nicht allzu große, aber intensiv gefeierte „Party Latino“ mit viel Salsa-Musik und ausgelassen tanzenden Paaren statt. Direkt daneben, in der voll besetzten Stiftskirche, spielt das Ensemble Assana traditionelle irische (Tanz-) Musik – hier zwar ohne Tanz, aber immerhin zum Füßewippen animierend. Nochmals etwas weiter, im Lokal „Cocacabana“ im Fuchsbau, hört man schon von Weitem den Sound einer feurigen Club-Latina-Show inklusive Samba-Tänzerinnen. Da ging das große Publikum bei jeder Nummer ordentlich mit.

Überhaupt schien die Besucherschar dieser „Langen Nacht der Kultur“ mit Angebot und Gelegenheit gleichermaßen zufrieden zu sein. Viele studierten das gedruckte Programm sogar intensiv im Gehen, äußerten sich vernehmlich positiv über das Erlebte oder noch zu Besuchende.

Oldies und Fotos

Drei weitere Hotspots sind im südlichen Stadtbereich auszumachen. Im Kulturclub Salon Schmitt in der Pirmasenser Straße etwa hat man sich von der kleinen Innen-Bühne gelöst und sich nach draußen in den jetzt prall gefüllten Innenhof begeben. Hier spielen nun nicht nur bekannte Größen wie Albert Koch und Hausherr Michael Halberstadt erstklassig interpretierte Oldies („Heart of Gold“), sondern auch fähige und willige Amateure. Auch die kommen gut an. Ein guter Spontan-Pianist etwa erhält für seine Version von „Puttin’ on the Ritz“ verdient ordentlich Applaus.

Nur ein paar Meter weiter gibt’s gleich das nächste Highlight: In der Fotowerkstatt Kaiserslautern zeigt Matthias Kehrer sein Doppeltalent als Schlagzeuger und als Fotograf (in seiner Ausstellung mit beeindruckenden Wildpark-Bildern). In der Gruppe Hot Spots spielt er hier zusammen mit Marita Runge, Hans Hörhammer (beide Gesang und Gitarre), Dieter Hügel (Gitarre) und dem neu hinzu gekommenen Bassisten Frank Schattner knackige Songs aus einem halben Jahrhundert Rock- und Pop-Geschichte. Dabei wurden bei Vielen wohl allerlei Erinnerungen wach.

Wittek und Waschbrett

A propos Erinnerungen: Die kamen erst recht beim Konzert der Gruppe Ketti W. im bestens besuchten Hof neben dem Lauter Atelier. Die auf die erfolgreiche frühere Band Wittek gründende Gruppe lässt angenehm an frühere Auftritte zurückdenken, beeindruckt auch an diesem Abend mit frisch arrangierten, noch immer tief unter die Haut gehenden Liedern aus der Rock- und Liedermacher-Szene der DDR.

Und noch ein weiteres Mal: Erinnerungen. Diesmal in der Gaustraße, wo Ina Bartenschläger und Annette Coen von der Belleville Wort Werk Stadt eigene Texte über das Konzerthaus „Waschbrett“ lesen und passende historische Bilder projizieren - unweit des Ortes, an dem bis 1981 das berühmte Lokal seine Musik- und Kabarett-Bühnen hatte. Besonders bemerkenswert: Auch die Ex-Frau des inzwischen verstorbenen Waschbrett-Gründers Henning Peycke ist eigens angereist. Berührende Worte, emotionale Bilder, starke Erinnerungen. Ein würdiger Abschluss einer besonderen Nacht ....

Lange Nacht der Kultur im Salon Schmitt mit Michael Halberstadt und Michelle Nadia.
Lange Nacht der Kultur im Salon Schmitt mit Michael Halberstadt und Michelle Nadia.
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