Kaiserslautern Lachen ist Trumpf

Der Schlussbeifall wollte fast kein Ende nehmen. In der bis auf den letzten Platz besetzten Stiftskirche feierte das Musical „Tim Thaler“ nach Motiven von James Krüss am Sonntagnachmittag einen großartigen Erfolg. Auf die Bühne gebracht hatten es die Evangelische Singschule, zusammen mit dem Kinderchor Erlenbach, in Kooperation mit dem Rittersberggymnasium. Musik und Text stammen von Markus Lücke, stellvertretender Schulleiter und Chef der Rittersberg-Bigband.
Es ist das alte Märchen, in eine moderne Fassung gebracht: Ein Mädchen, hier Timothea Thaler, verkauft seine Seele an den Teufel (Baron Louis Lefuet). Grund: der schnöde Mammon. Ausgerechnet Tim Thaler mit ihrem fröhlichen, ansteckenden Lachen hat sich der mächtige Boss eines Weltkonzerns ausgesucht, um sich ihr Lachen zu erkaufen. Mit ihrem bezauberndem Lachen verspricht er sich die Welt noch mehr umschmeicheln und betrügen zu können. Nach dem tragischen Tod ihres Vaters steht die Familie vor dem finanziellen Ruin, und in ihrer Verzweiflung lässt sich Tim auf das Geschäft mit dem Baron ein. Im Gegenzug für ihr Lachen erhält sie die Fähigkeit, jede Wette zu gewinnen und wird dadurch unermesslich reich. Bald sind nicht nur ihre Mutter und ihre Freundinnen ratlos, weil Tim nur noch streitet und giftet, auch sie selbst merkt – zu spät –, dass sie mit dem Lachen ihre Seele verloren hat. Aktuelle Parallelen von jungen Financiers, die durch geschickte Manipulationen an der Börse in kurzer Zeit zu Riesenvermögen gekommen sind, aber bald wegen Burnout aussteigen mussten, gibt es genug. Nahe liegt auch der Gedanke an die berüchtigten und skrupellosen „Heuschrecken“, die Firmen aufkaufen, auseinandernehmen und schließlich vernichten, wobei zahllose Angestellte ihren Arbeitsplatz verlieren. Schauspielerisch und gesanglich großartig schlüpft Svenja Klamroth in die Rolle der Tim Thaler, die zwischen Frohsinn, Niedergeschlagenheit und Schwermut die ganze Achterbahn der Gefühle zum Ausdruck zu bringen weiß. Zum Glück findet Tim in der Nonne Agathe (Elisabeth Matzke), dem Steward Johnny (Leo Verlage) und dem weisen Selek Bei (Anna Sender) gute Freunde, die sie bei der Wiederfindung ihres Lachens ganz toll, wenn es sein muss handgreiflich unterstützen. Auch spielen und singen sie sehr eindrucksvoll. Jonathan Hartzendorf hat in dem Baron die ideale Rolle gefunden, ebenso wie Katja Müller in dessen Assistentin Sinistra Anatol. Rhythmisch mitreißend singen sie den „Vertrags-Rap“. Total unter die Haut geht Tims sehr innig und ausdrucksvoll vorgetragene Arie „Vater, Vater, ich vermisse dich so sehr!“ Sie übt einen ebenso unmittelbaren Eindruck auf die Zuhörer aus wie das Lied von Tims Mutter (Julia Verlage) „Ratlos“, wo sie sich fragt, was mit ihrer Tochter los ist. Die bewegte Handlung ist eingebettet in eine Fülle von bewegten Bildern, und Markus Lücke gelingt es meisterlich, die einzelnen Typen der Handlung in seiner Musik zu treffen. Treffend sind auch seine Songtexte. Aber das Erstaunlichste an diesem Musical ist, wie die drei Ebenen Schauspiel, Gesang und Tanz (herausragend: Tims Freundinnen Lea Driesang, Anna Driesang und Lea Bergkemper sowie die „Show-Girls“ Charlotte Schwarzer, Birte Tullius, Catharina Kraayvanger, Fee Kock) ganz ungezwungen, ganz nahtlos ineinander übergehen. Ein ganz großes Kompliment weiter an den Kinderchor Erlenbach und die Singschule Kaiserslautern unter Leitung von Beate Stinski-Bergmann und Eva Klamroth, die hochmotiviert und -konzentriert bei der Sache waren, sowie an den Trompeter Gabriel Haselbach, den Schlagzeuger Christian Matzke und den Keyboarder Jonas Klamroth. Saskia Rahm und Claudia Schnurpfeil (Bühnenfassung und Regie), Silke Heller-Gonzales (Tänze), Oliver Lang (Technik) sowie Carmen Lossen und Kirsten von Freymann (Kostüme) hatten ganze Arbeit geleistet. Von der Bühnenwirksamkeit her insgesamt ein starker Wurf.