Lauterer Lexikon L wie Lohnkutscher
Der Lohnkutscherei-Unternehmer Christian Fuchs erkannte anlässlich der 4. Pfälzischen Gewerbe- und Industrieausstellung vom 1. Juni bis 30. September 1905 eine Gelegenheit, Geld zu verdienen. Er kaufte in München einen gebrauchten Pferdeomnibus und kutschierte die Besucher regelmäßig vom Hauptbahnhof zur Ausstellung bei der Landesgewerbeanstalt, der heutigen Pfalzgalerie. Weil die Geschäfte gut liefen, kaufte sich August Fuchs, der Bruder von Christian, ebenfalls in München einen alten Pferdeomnibus und beteiligte sich am lukrativen Pendelverkehr zwischen der Ausstellung und dem Bahnhof.
Die Kutschen konnten mit bis zu vier Personen besetzt werden. Die beiden Kutscher waren jetzt Unternehmer und die Kutscher bekamen Uniformen. Der „Kutschplan“ war exakt auf den Fahrplan der Eisenbahn abgestimmt. Überregionale Touren waren auch möglich. Die beiden Personenkutscher fuhren auf Bestellung Leute, die in Geschäften in umliegenden Dörfern tun hatten. Fahrten zum „Hohenecker Weiher“, nach Johanniskreuz oder zu Jagdausflügen wurden häufig gebucht. Die Gebrüder Fuchs stellten 1907 die regelmäßige Kutscherei ein. Sie fuhren nur noch auf Bestellung. Das „Friedhofsgeschäft“ im November soll am besten gelaufen sein.
Vor den erfolgreichen Kutscherei-Unternehmern Fuchs waren bereits drei Projekte, innerstädtische Verkehrsmittel einzusetzen, gescheitert: 1894 das Straßenbahnprojekt von Oskar Miller, im Jahr 1900 das des Ingenieurs Kreyfeld aus Halle a. d. Saale und 1904 der „Straßenbahnplan“ der Firma Hecker & Co. Erst ab 19. Dezember 1916, vor 105 Jahren, lief in Kaiserslautern eine Straßenbahn. Sie wurde ab 1. Juli 1935 durch Dieselbusse ersetzt. Übrigens: Eine Straßenbahn kann in Kaiserslautern zunächst nicht wieder angeschafft werden: Am 1. August 2014 war die von König Ludwig III am 31. Juli 1914 auf 100 Jahre erteilte Erlaubnis zum Betrieb einer elektrischen Straßenbahn abgelaufen.