Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kunstinstallation im „Café Vielfalter“

„Das Ego im Spiegel des Anderen“ nennt Hamdy Reda sein interaktives Werk; hier die Besucherinnen Stephanie (vorn) und Tamara.
»Das Ego im Spiegel des Anderen« nennt Hamdy Reda sein interaktives Werk; hier die Besucherinnen Stephanie (vorn) und Tamara.

Bundesweit läuft derzeit die Interkulturelle Woche. Auch Kaiserslautern nimmt unter dem Internet-Schlagwort „#offen geht“ mit 13 Aktionen teil. Eine von ihnen hat der bildende Künstler Hamdy Reda im „Café Vielfalter“ initiiert: eine interaktive Installation mit dem Titel „Das Ego im Spiegel des Anderen“.

Diese Überschrift lässt grübeln. Mein Ego? Im Spiegel eines Anderen? So jemand müsste mich doch kennen, oder? Bekannt? Verwandt? Wer dann im Café steht, sieht nicht mehr als einen doppelseitigen Spiegel an zwei Seilen baumeln, davor beiderseits ein Stuhl.

Erneut Fragen. Wie soll das gehen, dass mein Ego auf der anderen Seite im Spiegel des Anderen erscheint? Nichts von alledem passiert. Mit seiner Sitzgruppe verführt Hamdy Reda zwei Personen, sich zu unterhalten, ohne einander zu sehen. Stattdessen nur sich selbst. Ganz nah. In allen Details. Porentief.

Tamara (26) und Stephanie (45) trauen sich. Sie kennen einander nicht, treffen zufällig zeitgleich ein. Sie beginnen mit verlegenem Lächeln, zurechtgerücktem Sitzen und sorgfältig gefalteten Händen auf dem Schoß. Sie wirken irritiert. Die Köpfe zögern, neigen sich kurz seitwärts. Sie probieren zu reden. Beginnen mit Floskeln. „Was machst Du eigentlich?“ Kurz darauf kommt das Reden in Fluss. Richtig redselig tauschen sich die beiden Frauen aus. Mit Mimik, mit Gestik und entspanntem Körper.

„Das Ego im Spiegel des Anderen“

Es war holprig, dahin zu kommen, gestehen beide. Sich gegenüber zu sitzen und nicht in Gesichtern lesen zu können - das irritiere. Das störe. Stephanie beschreibt, wie sie die eigene Wirkung, die Details ihrer Mimik, die Ordnung des Gesichts überprüft hat: „Mich beschäftigte eine ganze Weile mein Körpergefühl. Ich fühlte mich auf mich selbst zurückgeworfen, obwohl mein Gegenüber es ja gar nicht sehen konnte. Für mich eine duale Konfrontation.“

Auch die akustische Teilhabe fordert Konzentration. Die übliche Neugier, wer da sitzt, verhindert einen Abbruch. „Zu anregend“, meint Tamara, obwohl eine „visuelle Übereinkunft“ fehle. Die Absprache, sich in einem Café an einem gemeinsamen Tisch zu treffen, werde von Redas Installation konterkariert.

Weil sich das gewohnte Lesen im Gegenüber verschiebt, begleitet das Gespräch ein sich selbst kontrollierendes Denken. Am Ende jedoch wirken beide Teilnehmerinnen belebt und bestätigten ein nachhaltiges Erlebnis.

Anderen Paarungen ergeht es ähnlich. Manchen auch gegenteilig, wenn das Kommunizieren stockt. Themensuche. Einander die Garderoben beschreiben? Die per Spiegel separierten Erfahrungen reichen von Distanz und Nähe bis bekannt oder befremdend. Diese Kluft zwischen Menschen hat Hamdy Reda 2019 in Plovdiv beobachtet, Kulturhauptstadt Europas und Bulgariens zweitgrößter Metropole. Er weilte dort als „Artist in Residence“.

„Jung und Alt, Mann und Frau, Arm und Reich, Akademiker und Hilfsarbeiter“, sagt Reda, „alle wirkten so separat, so distanziert.“ In Kaiserslautern fand er mit Omar Sufi einen Mitstreiter. Das Vorstandsmitglied des „Vielfalter“-Vereins vermittelte die Teilnahme an der Interkulturellen Woche.

Die Erfahrungen aller sind ebenso individuell, wie sie von der jeweiligen Herkunftskultur geprägt sind. So entsteht eine spannende Gratwanderung, sich Fremden zu nähern. Den Teilnehmern bereitet’s Freude.

Info

Die interaktive Installation wird am kommenden Wochenende im Lauterer „Café Vielfalter“, Pirmasenser Straße 20a, jeweils von 15 bis 18 Uhr fortgesetzt. Der Eintritt ist frei.

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