Kaiserslautern
Kunstaktion zum Beuys-Geburtstag
Es ist ein bisschen, wie die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen: Vier Eichen wurden in diesen Tagen in Kaiserslautern und Umgebung gepflanzt. Mitten in einem der größten geschlossenen Waldgebiete Europas. Der ebenso sprichwörtliche Sack Reis, der in China umfällt also, diese Meldung?
Nicht ganz. Denn der Hintergrund der Pflanzaktion lässt aufhorchen. Zur siebten Ausgabe der Kasseler Kunstschau documenta 1982 dachte sich der Aktionskünstler Joseph Beuys eine ganz besondere Großplastik aus: „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ nannte er seine Arbeit. Der Künstler hatte dazu 7000 Bäume an verschiedenen Standorten in Kassel gepflanzt. Trotz zahlreicher Helfer hatte die Aktion mehrere Jahre dauert. An jedem Standort stellte er einen begleitenden Basaltstein auf.
Anfangs heftig umstritten
Beuys wollte mit dem Landschaftskunstwerk, das er selbst „soziale Plastik“ nannte, auf die zunehmende Verstädterung aufmerksam machen sowie den urbanen Lebensraum künstlerisch und ökologisch beeinflussen. Anfangs in der Bevölkerung umstritten, hat sich das Projekt inzwischen zu einem stadtbildprägenden Bestandteil des öffentlichen Raums der Stadt Kassel entwickelt.
Heute kommen zur Frage der Gestaltung von Städten weitere wichtige Aspekte hinzu: Einmal ist dies der Umgang mit unserer Natur, insbesondere mit dem Wald. Damit zusammenhängend drängt sich das Klimathema in den Vordergrund. Für die Pfalzgaleristen der Ansatzpunkt ihrer Jubiläumsaktion.
Keine Kopie geplant
Man wolle Beuys’ Idee nicht kopieren, sondern „erneut manifestieren“, so Pfalzgaleristin Svenja Kriebel, die die Aktion maßgeblich vorantreibt. Unterstützung hat sie sich nicht nur bei ihren Kollegen im Museum und allen voran bei der scheidenden Museumschefin Britta Buhlmann gesichert. Mit im Boot sind vielmehr noch die Bau AG, das Forstamt, der Steinbruch Carl Picard, das Gymnasium am Rittersberg und die Technischen Universität.
Und so wurden die Eichen in den letzten Tagen bereits gepflanzt – auf dem Gelände der Bau AG (Paul-Münch-Brunnen) gegenüber der Hochschule, im Steinbruch Picard, auf dem Gelände der Technischen Universität am Gebäude 48 und auf dem Oberstufen-Schulhof des Rittersberg-Gymnasiums. Alle vier Orte seien vor dem Hintergrund ausgewählt worden, dass dort junge Menschen zusammenkämen, studiert und diskutiert werde, so Kriebel weiter. Versehen wurden die Bäume, die das Forstamt beisteuerte, mit Sandsteinfindlingen aus dem Steinbruch der Picards im Schweinstal. Auf den Steinen sind erläuternde Tafeln angebracht.
So aktuell wie nie
Beuys’ Idee also erneut in die Öffentlichkeit zu tragen, ist also das Ziel der Kaiserslauterer Hommage zum runden Geburtstag des Aktionskünstlers. Dass viele seiner Ansichten heute noch mehr Gewicht haben als vor Jahrzehnten, kommt dabei ans Tageslicht. Eine Aktion mit Nachhall und Mehrwert also.