Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kritik an maskenfreiem Unterricht: „Über die Hälfte des Kollegiums ist noch nicht geimpft“

Kritisiert, dass die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben ist, obwohl viele Lehrer noch nicht geimpft sind: Schulleiter Ulrich
Kritisiert, dass die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben ist, obwohl viele Lehrer noch nicht geimpft sind: Schulleiter Ulrich Becker.

Seit einer Woche ist die Maskenpflicht an den Schulen während des Unterrichts aufgehoben. Was für die einen Grund zur Freude ist, weckt bei den anderen Sorge und Unverständnis. „An die Lehrkräfte hat bei dieser Entscheidung niemand gedacht“, kritisierte Ulrich Becker, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums – und beschwerte sich bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).

Ulrich Becker gehen die Lockerungen an den Schulen derzeit viel zu schnell. Seit zwei Wochen sind die Schüler in voller Klassenstärke zurück, seit einer Woche können sie während des Unterrichts die Masken absetzen. Aus Sicht des Schulleiters ist letzteres ein unnötiges Risiko für alle Beteiligten: die Schüler, die Lehrer, die Angestellten der Schule, die Eltern und die Geschwisterkinder der Schüler. „Über die Hälfte meines Lehrerkollegiums ist noch nicht geimpft“, schildert Becker. Im Vergleich zu Hessen oder Baden-Württemberg seien in Rheinland-Pfalz die Lehrer erst sehr spät bei den Impfungen berücksichtigt worden. Viele hätten noch nicht die Chance gehabt, sich impfen zu lassen und sehen sich nun einem Risiko ausgesetzt. Zwar seien die Inzidenzwerte derzeit niedrig, dennoch gebe es viele Kollegen, die kein gutes Gefühl dabei hätten, vor einer Klasse voller Schüler zu stehen, die keinen Mundschutz tragen.

„Ich fühle mich hier von meinem Dienstherrn im Stich gelassen“, kritisiert Becker, dem dies während der Corona-Pandemie nicht zum ersten Mal so geht. Er hat sich in einem Schreiben an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) gewendet und Folgendes vorgeschlagen: In Abstimmung mit der Schulgemeinschaft sollte es möglich sein, die Schüler zum Tragen der Maske zu verpflichten.

Hygieneplan mit klaren Vorgaben

Diesem Vorschlag beschied die ADD eine klare Absage, da er „im Widerspruch zur Vorgabe des Hygieneplans, der eindeutig formuliert, dass ,im Freien und während des Unterrichts am Platz keine Verpflichtung besteht, eine Maske zu tragen’“ stehe. Das Recht der einzelnen Schüler auf einen Unterricht ohne Maske könne nicht durch einen Beschluss der schulischen Gremien ausgehebelt werden. Allerdings sei es möglich, die Schüler darum zu bitten, während des Unterrichts die Masken zu tragen.

Für diese Haltung fehlt Becker das Verständnis – die Entscheidung zwinge Lehrer dazu, zu Bittstellern gegenüber ihren Schülern zu werden. Sollten sich diese weigern, gebe es von Seiten der Lehrkräfte keine Handhabe dagegen und dadurch auch keine Möglichkeit, sich selbst zu schützen.

Die ADD wiederum verweist auf die Vorgaben des Landes: „Liegt in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen unter 35, so gilt die Maskenpflicht für alle Personen im gesamten Schulgebäude, bis der Platz im Klassenraum, im Lehrerzimmer oder im Büro erreicht ist. Im Freien und während des Unterrichts am Platz besteht keine Verpflichtung, eine Maske zu tragen.“

Schüler können freiwillig Maske tragen

Die Maskenpflicht sei nicht vollständig aufgehoben worden, betont die ADD: Auf dem Weg zur Schule im Bus oder Zug gelte sie weiterhin genauso, wie im Schulgebäude selbst. „Damit ist die Zahl der möglichen maskenlosen Innenraumkontakte auf die Klassengemeinschaft beschränkt“, so die ADD. Zudem testeten sich die Schüler zweimal die Woche. Ab einer Inzidenz von über 35 gelte automatisch wieder die Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände und im Unterricht.

Aus Kaiserslautern selbst liegen der ADD keine Anfragen zur Maskenpflicht vor, dafür habe es vereinzelte Rückmeldungen aus Trier dazu gegeben. An einigen Schulen sei darum gebeten worden, die Masken freiwillig weiterzutragen, woran sich die meisten Schüler auch halten würden. Diese Erfahrung hat mittlerweile auch die Schulgemeinschaft des Heinrich-Heine-Gymnasiums gemacht. Auf der Homepage der Schule wird darum gebeten, die Masken zum Schutz aller auch weiterhin im Unterricht zu tragen. „Die Bitte hat gefruchtet“, resümiert Becker.

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