Neuerscheinung RHEINPFALZ Plus Artikel Krimiautorin Monika Geier stellt neunten Band der Bettina-Boll-Reihe vor

Monika Geier während der Lesung.
Monika Geier während der Lesung.

Fluch oder Aberglaube – eines von beidem verursacht den Tod eines jungen Inhaftierten in Monika Geiers neuntem Boll-Band „Antoniusfeuer“. Am Sonntag stellte die Pfälzer Krimi-Autorin ihr neuestes Werk in Kaiserslautern vor – vor vollem Haus und mit düsteren Szenarien.

In der Welt der Kriminalliteratur gibt es so einige fesselnde Geschichtenerzähler, die mit nichts als ihren Worten in den Bann ziehen. Sie entführen in düstere Welten und weben die wildesten Verbrechen in ihrer Fantasie. Monika Geier gehört ganz ohne Zweifel in diese Riege. Die gebürtige Ludwigshafenerin aus Thaleischweiler-Fröschen hat sich in neun Kriminalromanen um ihre Heldin, die Kommissarin Bettina Boll, zu einer wahren „Meisterin des Verbrechens“ entwickelt. Und um ein meisterhaftes Verbrechen dreht sich auch ihr neuster Boll-Roman, „Antoniusfeuer“.

Eine kleine Google-Recherche reicht, um zu erfahren, dass man unter dem Begriff „Antoniusfeuer“ – ursprünglich auch „heiliges“ oder „verfluchtes“ Feuer genannt – seit dem Mittelalter eine Vergiftung versteht, die aus dem Verzehr von mit Mutterkorn verunreinigtem Roggen resultiert. Von den meisten wurde sie als Fluch des von Dämonen heimgesuchten heiligen Antonius angesehen. Die schrecklichen Folgen dieser Vergiftung wurden vom Renaissance-Maler Matthias Grünewald auf einem Gemälde am Isenheimer Wandelaltar verewigt. Und genau dieses Gemälde sowie die Vergiftung selbst spielen eine wesentliche Rolle im neuesten Werk von Monika Geier.

Brisant und politisch

„Es geht um Religion“, verkündete die Autorin gleich zu Beginn ihrer Premierenlesung im Waldschlösschen der Kaiserslauterer Künstlerwerkgemeinschaft (KWG). Um Religion und um gefährlichen Aberglauben, genauer gesagt.

Der Roman beginnt „ganz klassisch“ in einem Garten. Hier schneidet die Kriminalkommissarin Boll gerade eine Rosenhecke, als ihr Handy klingelt. Am anderen Ende ist ihr Kollege Willenbacher, der den ruhigen Nachmittag mit einem neuen Fall unterbricht – einem brisanten und politischen Fall: ein Selbstmord durch Erhängen in der Justizvollzugsanstalt Schifferstadt.

Der Teufel in einer unheimlichen Kapelle

Die Identität des Toten: ein afghanischer Flüchtling, der selbst zuvor einen Mord aus Eifersucht an einer jungen Frau begangen hat. In seinem Koran fand man ein Bild. Darauf ein paar Fratzen und ein „über allem schwebender kaum erkennbarer Gott“. Es war ein Ausschnitt eines alten christlichen Gemäldes – das Gemälde am Isenheimer Wandelaltar. Doch der Tote war gar kein Christ. Warum sollte er also ein christliches Motiv in seinem Koran verstecken?

Die Behörden fürchten einen politischen und religiösen Skandal. Bei ihren Ermittlungen wird die Beweislage immer skurriler: Boll vermutet, dass es doch kein Selbstmord war, sondern womöglich das Ergebnis eines christlich motivierten Exorzismus. Und irgendwo zwischen Flüchen und Versuchungen, zwischen freigeistlichen Esoterikerinnen und geisterhaften Atheisten und zwischen verbrannten Hexen und toten Pfarrern wird Boll gegen Ende selbst zur aktiven Zeugin einer Teufelsaustreibung – in einer unheimlichen Kapelle mitten im Wald.

Lokalkolorit und Komödiantisches

Monika Geier als Pfälzer Krimi-Koryphäe zu beschreiben, ist nicht übertrieben. Ihre Sätze sind prägnant, ihre Beschreibungen gnadenlos bildhaft, und sie schafft es, eine atmosphärische Spannung aufzubauen, die den Leser sofort fesselt. Ihr Talent, die düsteren Nuancen eines Verbrechens einzufangen und doch hin und wieder ein paar leichte, fast komödiantische Momente einzubauen, verleiht ihren Büchern eine unverwechselbare Note. Dass sie nicht nur stets das pfälzische Lokalkolorit wahrt, sondern sich trotzdem grenzübergreifenden Themen widmet – Themen wie Migration, Religion, Verschwörungstheorien und Aberglaube – ist nur ein weiteres Talent der Schriftstellerin.

Warum gerade das Thema des Exorzismus die Autorin für ihr neuntes Band inspirierte, erklärte sie im Waldschlösschen so: „Es bietet einen pragmatischen Ausweg aus einem perfiden System. Ein System, das eine Person dämonisiert. Durch den Exorzismus trennt man jedoch das Böse von der Person, um die Person nicht verfolgen oder verbrennen zu müssen. Man muss heutzutage nur die Zeitung aufschlagen, um zu sehen, dass einem noch heute Dämonisierung widerfährt. Exorzierte sind daher oftmals keine Täter, sondern Opfer, die irgendwann sehr wohl an ihre eigene Besessenheit glauben können.“

Was offenbart den Dämon im Menschen?

Und so vollzieht Geier in ihrem „Antoniusfeuer“ absichtlich einen „ironischen Schlenker“, in dem ausgerechnet diejenige, „die von Anfang an ihren Unglauben betont hat und nichts mit spirituellen Verwerfungen und der Religion zu tun haben wollte, nun selbst einen Exorzismus abhält“. Doch ob aus der Ungläubigen dadurch eine Gläubige wird oder nicht, ob es sich bei den Todesfällen tatsächlich um altertümliche Flüche oder doch um weltlich motivierte Morde handelt, und ob ein Exorzismus tatsächlich die Dämonen aus dem Menschen austreibt oder sie lediglich im Menschen offenbart, werden die Leser erst am Ende des Romans erfahren.

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