Kaiserslautern
Kreatives Musicalprojekt „Musical Maniacs“ überzeugt im Congress Center Ramstein
„Here right now“, hier und jetzt – unter diesem Motto traten am Sonntagnachmittag die Mitglieder des kreativen Musicalprojekts „Musical Maniacs“ im Congress Center Ramstein auf und brachten dabei einiges mit, was das wenig angenehme Wetter draußen sofort vergessen machte.
Hier und jetzt, und das von Anfang an, zeigten die fünf Profis, allesamt Musiker aus dem Raum Kusel, dass sie reichlich Freude an Musicals und die nötigen Kompetenzen zu deren Umsetzung haben. Und: Es wurde auch bald klar, dass man hier nicht das übliche Mainstream-Potpourri bekannter Musical-Melodien geboten bekam.
Los ging es ziemlich modern mit dem Titel „Eine neue Welt“ aus Jason Robert Browns 1995 uraufgeführten Werkzyklus „Lieder für eine neue Welt“, gefolgt von dem der gesamten Show den Titel gebenden „Here right now“ aus dem jungen Musical „Ghost“ (2011). Das war beides bereits sehr beeindruckend und ließ für den weiteren Abend viel Gutes erwarten.
Moderiert wurde der Abend übrigens von dem charismatischen Schweizer Schauspieler und Theaterintendanten Peter Nüesch, der sich nach langer Abstinenz in Ramstein direkt wieder dort zu Hause zu fühlen schien.
Die ausführenden Musical-Maniacs, das sind vordergründig drei hervorragend ausgebildete Sänger(innen): Die aus dem Opernfach stammende Melanie Petcu sowie das Ehepaar Kathrin und Manuel Lothschütz, beides erfolgreiche Musicaldarsteller. Ergänzt wurde dieses Trio von Matthias Stoffel (Flügel) und Christine Rutz (Cello), die beide an der Kuseler Musikschule unterrichten.
Das reduzierte Bühnenbild (ein schwarzer Hintergrund, davor die Instrumente und ein paar Stühle), zeigte schon an, worauf hier der Fokus lag: auf den Qualitäten der Musiker nämlich, die dadurch pointiert auch ihr schauspielerisches Talent zeigen konnten (und mussten), denn Gefühle zeigen gehört bei Musicals nun mal definitiv dazu. Da gab etwa Melanie Petcu eine überzeugend glückliche Eliza, die mit „Ich hätt´ getanzt heut Nacht“ ihre fröhliche Seite zeigen konnte. Dann wiederum wurde das nachdenkliche, „Anti“-Liebeslied „Wherever He Ain´t“ gegeben, gesungen von Kathrin Lothschütz. Dabei ging es laut Nüesch unüblicherweise um jenen Ort, den man als Paradies betrachtet, an dem der andere eben gerade nicht ist...
Aber auch ohne Gesang konnte man überzeugen. Matthias Stoffel und Christine Rutz zeigten dabei etwa mit Instrumentalstücken von Gershwin („Prelude Nr. 1 & 2“), wie hervorragend sie ihre Instrumente beherrschten.
Weiter gings mit Stücken, die alle Fähigkeiten forderten und zeigten. Bei dem Musical „The last five years“ geht es um ein Paar, dessen Ehe gescheitert ist. Jeder erzählt darüber aus seiner Sichtweise, er von Anfang an, sie vom Ende her. Bei „Good bye“ treffen sich die beiden gesanglich. Sie singt das traurig-hoffnungsvolle „Auf Wiedersehen“, er wiederum das desillusionierte „Tschüss“ am Ende. Das Ehepaar Lothschütz zeigte hier, welch schauspielerische Bandbreite sie neben der gesanglichen abdecken konnte.
Zum Ende hin wurde es dann noch erotisch, als die Sängerinnen, nur in Dessous und Strapsen bekleidet, aus „Jekyll & Hyde“ selbstbewusst „Drum Schafft Die Männer ’Ran“ sangen und sich dazu entsprechend tänzerisch auf ihren Stühlen bewegten.
Eine klare Sache: Alle Beteiligten dieses Musikprojekts beherrschten ihr Metier. Da saß auch in komplizierten Songs kein Ton schief, alle sangen klar und sauber; die Instrumentalisten hatten ihre Partien sicher im Griff. Als Zugabe bekam das heftig applaudierende Publikum dann noch „Music“ von John Miles geschenkt. Das ist zwar kein Musical-Lied, aber einer der modernen Klassiker schlechthin. Hier zeigte Manuel Lothschütz denn auch im Text deutlich, wofür sein (berufliches) Herz brennt.
Das Publikum verließ an diesem stürmischen Abend äußerst zufrieden das nunmehr musikalisch angenehm klimatisierte Congress Center. Man zeigte sich dem Vernehmen nach auch erfreut darüber, dass man auch einen - sicherlich ungewöhnlichen - Einblick in die Welt weniger bekannter Musicals bekommen hatte. Deren Lieder waren allesamt eine aktuelle Bühnenaufführung wert - gerade in dieser Qualität und Zusammenstellung der Musical-Maniacs.