Kaiserslautern Kräftige Stimmen, pulsierender Beat

Jamaika-Feeling in Ramstein: Gleich mit vier Sängerinnen und Sängern stand die Mannheimer Reggae-Band „Superjam“ auf der Bühne.
Jamaika-Feeling in Ramstein: Gleich mit vier Sängerinnen und Sängern stand die Mannheimer Reggae-Band »Superjam« auf der Bühne.

Viel Sonne und herrliche Strände: Das ist das erste, was einem durch den Kopf schießt, wenn Jamaika erwähnt wird. Doch das Wertvollste, was der Inselstaat besitzt, ist der Reggae. Mit dem Tanz heizte die Formation „Superjam“ am Freitagabend den rund 1000 Besuchern der „Ramsteiner Sommernacht“ ein.

Der Reggae ist die Musik der Slums, der ärmeren Schicht der jamaikanischen Bürger, die ums Überleben kämpft und wenig zu sagen hat. So wurde der Reggae ein Hilfsmittel, um Botschaften in die Welt zu tragen. Die Unterdrückung durch die Weißen wurde ein zentrales Thema, auch die Gefühle der Gefangenschaft und politischen Entfremdung. Auch wenn die Sklaverei abgeschafft wurde, existiert sie für viele in einer „kultivierten“ Form immer noch. Ein Beispiel ist der Song „Buffalo Soldier“, den der bekannteste Reggae-Interpret, Bob Marley, schrieb, als er in den USA lebte und den Auftrag bekam, für Amerika in den Krieg gegen Vietnam zu ziehen. Marley zog jedoch stattdessen wieder zurück nach Jamaika. In diesem Song betont er die Absurdität, dass die gerade befreiten Sklaven − von den Indianern „Büffelsoldaten“ oder „Dreadlock Rasta“ genannt – für US-Kriege benutzt wurden, obwohl ihre Vorfahren selbst gewaltsam aus ihrer Heimat nach Amerika verschleppt worden waren. Diesen typischen Bob-Marley-Titel wie auch „Dreadlock Holiday“, „I shot the Sheriff“ oder „No Woman no Cry“ sowie „Get up stand up“ von Peter Tosh servierten in Ramstein die Paradiesvögel um Tommy Kaub aus der Mannheimer Musikerschmiede Alte Feuerwache in all ihren Facetten, aber auch in neuen Farben. Klanglich bewegten sie sich authentisch und experimentell, außerdem im eigenen Sound. Gleich vier Sängerinnen und Sänger – neben Kaub sind es Steffi Sista, der Brasilianer Sista Jay Gomes sowie Zikak aus Martinique – heizten dem Publikum mit kräftigen Stimmen ein. Im Mittelpunkt des Reggae standen neben dem Gesang aber auch der stark betonte Bass des Haitianers Densy Noel und das Schlagzeug des Franzosen Olivier Gangloff, die den Sound maßgeblich bestimmten und für einen tanzbaren Beat sorgten. Prägend für den Stil war die ungewohnte, leicht schleppend klingende und verschobene Betonung auf der Zwei und der Vier des Taktes, während die Basedrum auf der Drei zuschlug. Der synkopierte Rhythmus und die innere Spannung verstärkten sich zum pulsierenden Beat. Gerade in seiner einfachen, klaren Struktur lag das Geheimnis seiner höchst komplexen Wirkung. Unter dem suggestiven Bassklang entwickelte sich so eine permanente Spannung. Ein Feuerwerk von Ideen lieferte zudem Thomas Lemke am Keyboard, so dass der Rhythmus unaufhörlich in die Beine ging − und bald auch die Tanzfläche vor der Bühne bevölkert war. Aber die meisten Besucher interessierte das alles wenig. Sie feierten, das Stimmengewirr wurde lauter und lauter, übertönte zuweilen die Musik. Schade, denn auch „Superjam“ hatte eine Botschaft. Neben den Krachern von Marley, Tosh und Kumpels präsentierte das heiße Septett auch eigene Songs im elektrisierenden Reggae-Rhythmus. Songs wie „Love and Peace“, „Der Widerstand lebt“, „Guantanamo“ oder „Peace is the right Way“ überzeugten auch inhaltlich mit ihren gesellschaftskritischen Aussagen, wobei sie engagiert die Missstände unserer Welt ins Visier nahmen. Schließlich seien auch die Texte der jamaikanischen Reggae-Musiker stets politisch gewesen, sagt Tommy Kaub. Gerade in einer Zeit der fast total kontrollierten, kritiklosen und unpolitischen Musik- und Medienwelt sei ihm das besonders wichtig.

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