Kaiserslautern
Kostenlose Busse für 2026 beschlossen: Einzelhandel erwartet positive Effekte
Dass an allen vier Samstagen im Advent die Busse im Stadtgebiet Kaiserslautern kostenlos genutzt werden können, hat bereits Tradition. Das Angebot wird seit der Einführung im Jahr 2023 gut angenommen. Deshalb soll es auch für diesen Advent wieder gelten, beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag.
Damit soll dem übermäßigen Autoverkehr und der Parkplatznot entgegengewirkt werden. Vor allem Autofahrer sollen einen Anreiz dafür erhalten, den ÖPNV zu nutzen. Außerdem ist das Ziel, den Einzelhandel und die Gastronomie zu stärken.
Der SWK Verkehrs AG entstehen durch die Gratis-Fahrten insgesamt 35.096 Euro Einnahmeausfälle (8774 Euro pro Samstag), die die Stadt übernimmt. Die Mittel sind bereits genehmigt.
Doch damit soll das Angebot noch nicht erschöpft sein: Auch an jedem ersten Samstag im Monat sollen im kommenden Jahr kostenlose Busse die Menschen in die Innenstadt bringen. Die Resonanz und die Auswirkungen sollen in einer einjährigen Pilotphase getestet werden. Ob die Kosten von rund 100.000 Euro, die der Stadt dadurch entstünden, von der Aufsichtsbehörde ADD genehmigt werden, ist jedoch noch nicht klar.
Breite Zustimmung im Stadtrat – mit einer Ausnahme
Die Idee stieß im Stadtrat auf breite Zustimmung. Die kostenlose Busse stärkten den Einzelhandel und man setze damit ein Zeichen für den ÖPNV und die Ökologie, sagte Marc Fuchs für die CDU.
Die Grünen stehen kostenlosem ÖPNV grundsätzlich positiv gegenüber, „wir streben aber strukturelle Verbesserungen an“, betonte Johanna Heidrich. Deswegen forderte sie eine „ordentliche Evaluierung“, in der Daten erhoben werden zur Nutzung der Busse.
Andreas Jacob (Freie Wähler) fragte, ob die kostenlosen Busse eine freiwillige Aufgabe seien oder man das Angebot in die – zuvor beschlossene – weitere Vergabe des regulären Linienverkehrs an die SWK aufnehmen könnte. Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) erwiderte, dass von der ADD keine scharfe Trennung mehr zwischen freiwilligen und Pflichtaufgaben gemacht werde.
Auch die SPD sehe den „Mehrwert für Einzelhandel und Gastronomie“, sagte Fraktionschef Patrick Schäfer, betonte aber wie die Grünen die Wichtigkeit einer Evaluation. „Wenn es nichts bringt, stampfen wir es ein und nutzen die 100.000 Euro anderweitig.“
Nachdem auch Manfred Reeb, Sprecher der Freien Wähler, eine konkrete Evaluation forderte, wollte Kimmel von Heidrich wissen, wie sie sich ihren Antrag vorstelle. Eine „qualitative Erhebung beim Einzelhandel, Nutzungszahlen der Busse im Vergleich zu anderen Samstagen, eine Rückmeldung vom Einzelhandel, die Nutzung des Park-and-Ride-Angebots vom Messeplatz“, listete sie einiges auf.
In Mainz hatten Gratis-Busse großen Effekt
Auf Kimmels Frage, ob dies für die Verwaltung leistbar sei, antwortete Christian Ruhland, stellvertretender Leiter des Referates Stadtentwicklung: „Das ist nicht ganz einfach, aber wir werden es versuchen.“ Es sei ja auch das Interesse der Stadt. Heidrich beharrte daraufhin nicht auf ihren Antrag, sondern beließ es bei der Bitte an die Verwaltung.
Ursula Düll, CDU-Chefin, warf ein, eine solche Evaluation könne eine Gelegenheit sein, „auf das Angebot der RPTU einzugehen“; denn deren Vertreter hatten zuvor in einem langen Austausch die Zusammenarbeit mit der Stadt besprochen.
Lediglich die AfD stimmte gegen die Busse. „Der ÖPNV ist eh ein Zuschussgeschäft“, meinte deren Sprecher Dirk Bisanz. Die Stadt brauche Einnahmen und „keine schön geredeten Schulden“.
Dass kostenlose Busse einen erheblichen Effekt haben können, berichtet Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südwest, auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Diese Erfahrungen habe er aus Mainz mitgebracht. „Die Initiative zu den monatlichen Gratis-Bussen kam von uns“, betont er. Mit Bürgermeister Manfred Schulz (CDU) sei eine Gruppe von Händlern vorab im Gespräch gewesen. „Der ,0-Euro-Samstag’ in Mainz einmal im Monat läuft bereits im zweiten Jahr und wird fortgeführt“, berichtet Scherer von den positiven Auswirkungen dort. Die Frequenz und Auslastung der Busse sei gestiegen sowie auch der Umsatz der Geschäfte. Diese beiden Ziele erwarte er auch in Kaiserslautern.
Eine Evaluierung haben die Mainzer Verkehrsbetriebe „mit Unterstützung der Uni“ durchgeführt, mit Interviews von Fahrgästen und Händlern. Die Ergebnisse: 15 Prozent Fahrgaststeigerung, 93 Prozent wünschten eine dauerhafte Beibehaltung des Angebots, und der Einzelhandel habe im Vergleich zu anderen Samstagen eine Umsatzsteigerung von 63,6 Prozent verzeichnet. Im Schnitt wurden 60 Euro laut den Befragten ausgegeben.