Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert mit extragroßer Publikumsnähe: Schimmerling in der Kammgarn

Die Band Schimmerling feierte in Kaiserslautern einen gelungenen Abschluss ihrer ersten Tournee.
Die Band Schimmerling feierte in Kaiserslautern einen gelungenen Abschluss ihrer ersten Tournee.

Wie bei so vielem im Leben sind das Erste und das Letzte einer Sache meistens von besonderer Wichtigkeit. Insofern dürfte der Bonner Band Schimmerling das Konzert im Cotton Club der Kammgarn am Freitagabend in guter Erinnerung bleiben: Es war das letzte Konzert ihrer allerersten Tournee.

Das Konzert der Band Schimmerling im Cotton Club begann leider mit einem musikalischen Defizit: Die Künstlerin Charly Klauser, als Support angekündigt, musste ihren Auftritt nämlich kurzfristig absagen. Schade, nach all dem Guten, was von ihr im Vorfeld gehört hatte. So legte Schimmerling auch etwas später als geplant los. Aber das dann mit umso größerer Wucht. Mit einem innovativen, wirkungsvollen Stil, der sich kaum irgendwo verschubladen lässt, der allenfalls als kunstvoll zusammengestellter Indie Rock durchgehen mag, fetzten die fünf über die kleine Bühne, dass einem auch als Zuhörer kaum Zeit zum Luftholen blieb.

Was den Reiz der Band ausmacht

Das Publikum war aber sowieso von Anfang an aktiv. Es ging vom ersten Ton an ab, sang ganze Textpassagen auswendig mit, tanzte ausgelassen dicht vor der Bühne, wo der Leadsänger und Gitarrist Shimmoneq permanent und energisch seine Musik (aus-)lebte. Das hatte fast schon etwas von einer großen, familiären Party. Und das, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – die Texte der deutschsprachigen Titel der Band wie „Zukunft“, „VIP“ oder „Jäger“ mitunter nicht ganz einfach sind, sondern oft genug kantig und kritisch. Sie beschäftigen sich mit Problemen der Zeit, machen nachdenklich, thematisieren unter anderem Themen wie Patriarchat und Oberflächlichkeit.

Das sorgt für eine nicht unangenehme innere Spannung, die gelockert und zugleich weitertransportiert wird durch jene mitreißende Musik und dadurch, dass auch immer wieder – wie gerade im Titel „Zukunft“ – im Text ein Quäntchen Hoffnung und Optimismus mit auf den Weg ins Ohr und ins Gemüt gegeben wird. So wie dann auch – als eine Art nicht ganz erwarteter Gegenfluss – manche Schimmerling-Lieder wie klassischer, gut gemachter Hardrock klingen. Das alles macht mit den Reiz dieser Musik und dieser Band aus.

Frontmann tanzt mit Besuchern

Dazu passt auch die Singstimme des Frontmanns, die vielleicht nicht unbedingt klassisch „schön“, aber eben pointiert und rau ist, gerade deshalb ausdrucksstark und zu den eindringlichen Thematiken passend erscheint. So verging das Konzert wie im sprichwörtlichen Flug, und als das Ende des Auftritts angekündigt wurde, ging vernehmlicher noch als bei manch anderem Konzert ein bedauerndes Raunen durch den gut gefüllten Club. Natürlich ließ sich die Band nicht lumpen und präsentierte noch einen ordentlichen Zugabenteil.

Und nicht nur den. Nachdem der letzte Live-Ton verklungen war, sah man Shimmoneq sogar noch persönlich mit begeisterten Konzertbesuchern vor der Bühne tanzen, während aus der Konserve Journeys „Don’t Stop Believin'“ erklang. Man darf darauf wetten, dass Schimmerling diesen Song auch selbst verdammt gut live hätte spielen können. So wurde er (und noch ein paar andere danach) immerhin zum Symbol für extragroße Publikumsnähe und auch zu einer Art bewegtem Ausdruck für einen gelungenen letzten Akt der ersten Tournee.

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