Kaiserslautern
Konzert auf der Werkstattbühne: Spielerischer Feinschliff
Unter dem Thema „Romantische Begegnungen“ präsentierten Musikerinnen und Musiker der Pfalzphilharmonie Kaiserslautern außergewöhnliche Besetzungen und klangliche Kombinationen und sprengten den Rahmen von gewohnter Kammermusik gleich mehrfach. Und dies nicht nur programmatisch, sondern auch interpretatorisch, wie zu erleben war.
Die Kombination von Instrumental- und Vokalmusik hat schon Seltenheitswert, sieht man mal von Preziosen wie Schuberts „Hirt auf dem Felsen“ einmal ab. Und der Liederzyklus „Dichterliebe“ von Robert Schumann nach dem „Lyrischen Intermezzo“ von Heinrich Heine mit 16 Liedern ist original für eine Klavierbegleitung gedacht und wurde hier in einer hoch interessanten und ungewöhnlich farbigen Fassung mit Streichquartett aufgeführt. Allein diese Bearbeitung von Wim ten Have und die hochsensible Gestaltung von Sumin Lee und Pavel Anticona-Cabaliero (Violine) sowie Sunmi Hwang (Bratsche) und Zherar Yuzengidzhyan (Violoncello) verleiteten zu bestrickenden, neuen Klangreizen und interpretatorischen Neuentdeckungen: Der als indisponiert entschuldigte Tenor José Carmona nahm sich dieser Kleinodien in liebevoller Detailarbeit an und alle zusammen ergaben durch seine zwischen lyrischer Kantabilität und feinsinniger Sensibilität sowie bewegter Dramatik wechselnden Darstellung nicht nur ein Abbild romantischer Stimmungsbilder. Vielmehr gab er in das menschliche Seelenleben tiefe Einblicke zwischen Schwärmerei und Liebe, dann Verlust und Resignation sowie Trauer. Der Tenor traf stets den Nerv der textlichen Aussage und der melodischen Feinheiten. Er konnte seine Stimmfärbung- und führung ganz der Prosodie und dem Textgehalt anpassen und zudem intonatorisch und durch klare Deklamation überzeugen. Von zartesten Nuancen bis hin dramatischen Ausbrüchen nahm er auch die Instrumentalisten mit auf eine Reise durch Traum- und Märchenbilder sowie Blumengärten und vieles mehr und es entstanden fast bildhafte Klänge, die diese Gefühlswelt anregten oder illustrierten.
Superbe Ausgewogenheit
Die zweite Aufführung wertete Schuberts Oktett auf, das durch seine erweiterte gemischte Besetzung mit Streichquintett (zusätzlich Kontrabassistin Masako Ogawa) und drei Bläser ebenfalls die Tradition von Kammermusik erweiterte und in dieser Klangbehandlung schon orchestrale Züge hat: Etwa in der Einleitung und auch teilweise formal – wenn auch die Satzfolge manchmal auch an klassische Divertimenti erinnert. Zudem bekommen nicht nur die Bläser wie Dirk Dannowski (Klarinette) sowie Ji-Myung Cho (Fagott) und Aina Amenguai Cantallops (Horn) solistische Aufgaben; selbst der Kontrabass-Part geht weit über stützende Funktionen hinaus und hat konzertanten Anspruch, selbst in den Überleitungen.
Alles fügte sich hier nahtlos und in superber Ausgewogenheit sowie spielerischem Feinschliff harmonisch zusammen. Spiel- und noble Klangkultur ließen keinerlei interpretatorische Wünsche offen. Das interpretatorische Problem ist die heikle klangliche Verschmelzung zwischen Streichern und Bläsern, was am Besten der Fagottistin gelang, während die Streicher untereinander sehr homogen wirkten.