Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Konrad Stöckel liefert eine mitreißende Wissenschaftsshow

Bot eine rasante Show in der Kammgarn: Konrad Stöckel
Bot eine rasante Show in der Kammgarn: Konrad Stöckel

Globale Erwärmung, explodierende Luftballons, die Entstehung von Nebel und eine T-Shirt-Kanone fügte sich in der Kammgarn zu einer Wissenschaftsshow mit Überraschungen.

Konrad Stöckel, Comedian, Moderator, Illusionist und Unterhaltungskünstler, gastierte am Freitag zum ersten Mal in Kaiserslautern und hinterließ mit seiner ungewöhnlichen Darbietungsmixtur „Wenn’s stinkt und kracht ist’s Wissenschaft“ gleich einen hervorragenden Eindruck und ein entsprechend begeistertes Publikum.

Nun, es stank zwar kaum, aber es krachte öfter verhalten an jenem für das Haus ungewöhnlich frühen Veranstaltungsbeginn um 18 Uhr. Beides, Knall-Effekte und Terminierung, war dem erwartbar hohen Anteil an jugendlichen Besuchern geschuldet. Auf ihre Kosten kamen Kinder und Eltern gleichermaßen.

Konfettiregen

Das mag auch an der Kombination mit der kurzweiligen Beschäftigung mit wichtigem Thema – vornehmlich der Umwelt – gelegen haben. Und so hangelte sich Konrad Stöckel mit wilder Albert-Einstein-Gedächtnis-Frisur und weißem Laborkittel, aus dessen Taschen er schier unerschöpfliche Konfettimengen herausholte und mit dem Running-Gag-Ruf „Stimmung!“ großzügig verteilte, von einem erstaunlichen wissenschaftlichen Experiment zur nächsten bemerkenswerten Erkenntnis und wieder zurück.

Der aus dem Fernsehen bekannte Stöckel, der auch noch die Gabe hat, komplizierte oder unbekannte Dinge quasi im Vorbeihuschen elegant in einer Nebenbemerkung unterzubringen („Das Gas Argon findet ihr zu Hause in Thermoskannen“), wirkte wie eine moderne Zusammenführung des Fernsehprofessors Heinz Haber – die Reiferen werden sich erinnern – und des rastlos-quirligen Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“.

Laubbläser

In dieser Eigenschaft präsentierte der Hamburger Show- und Wissenschaftsmann gut zwei Stunden lang Experimente zum Thema Druck per Pumpe, Staubsauger und Laubbläser - letzterer als Aggregat in einem selbst gebauten Luftkissenfahrzeug –, ließ eine Bowlingkugel zur Veranschaulichung von Energiezuständen gefährlich nahe an das Gesicht von Assistent Paulo heranschwingen, der ein ebenso versierter Künstler mit eigenem Showanteil ist.

Zu sehen waren, wie Wetterphänomene entstehen und eine nur von Unterdruck in Position gehaltene Schaukel mit einem skeptisch dreinblickenden Paulo darauf. Grell und schnell abbrennende Pyrowatte und eine Tischtennisballkanone sorgten für staunende Gesichter im Publikum.

Cola-Mentos-Fontänen

Meterhohe Cola-Mentos-Fontänen dienten zur Erklärung, warum ein erwärmtes Meer weniger CO2 aufnehmen kann. Dazu kamen immer wieder Luftballons in allen möglichen Funktionen: mit flüssigem Stickstoff von außen geplättet und danach an der warmen Luft wieder prall gemacht, auch mal schlicht zu Tieren geformt und mehrfach zu publikumswirksamen Explosionen gebracht.

Da blieb kaum Zeit zum Luftholen. Das war genau so geplant und auch gut. Und wenn einmal naturgemäß etwas nicht so ganz plangemäß klappte, wurde es professionell locker überspielt und eingebaut. Ein T-Shirt bleibt im Rohr stecken? Dann zieht man es halt heraus und wirft es per Hand in die Menge ...

Kindermitmachaktionen

Alles kam Schlag auf Schlag, auf der Bühne herrschte schiere Atemlosigkeit. Nur für die Erklärungen zu den Phänomenen, nahm man sich immer Zeit: mal spannend vorab, mal einleuchtend nach dem Experiment, aber stets kindgerecht und auch schon mal warnend, etwas zu Hause ja nicht nachzumachen wie Paulos Feuerschlucken. Dabei kamen die Kids mehrfach zum Zuge. Sie wurden teilweise direkt auf und vor die Bühne geholt und wurden ein sichtlich begeisterter Teil der großen Performance.

Zum Schluss gab’s hoch spektakulär noch einen richtigen Feuertornado wie er bei Waldbränden entsteht, und eine fulminante, von weißer Riesenwolke begleitete „Stickstoffexplosion“: Stöckel schüttete heißes Wasser auf flüssigen Stickstoff. Der Schlussapplaus war dann mindestens genau so groß wie diese Wolke. Sofort danach gingen alle ins Foyer, wo man es ausgiebige Selfiemöglichkeit gab. Spaß, Wissen und Publikumsnähe pur – so geht ansprechende, nicht nur oberflächliche moderne Unterhaltung.

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