Kaiserslautern
Kniechirurg über Meniskusriss und Co.: „Man muss nicht alles operieren“
Ein Meniskusriss kommt selten allein, das wurde bei der Telefon-Sprechstunde in der Redaktion am Mittwoch deutlich. Den Eindruck bestätigt Sascha Hopp auch im Anschluss im RHEINPFALZ-Gespräch. „Gerade im höheren Alter ist ein verschlissener Meniskus recht häufig. Er macht nicht unbedingt direkt Probleme, das ist lange unterschwellig“, erklärt der Orthopäde. Auch bei leichten Knorpelschäden sei das so. „Es gibt viele Menschen, die einen Meniskusriss haben und es gar nicht wissen“, sagt er. Wer dann länger in der Hocke arbeite oder Treppen steige, spüre irgendwann einen „Schlag“ und die Schmerzen beginnen, so schildert es auch ein 74-jähriger Mann.
Dazu komme laut Hopp nicht selten eine beginnende Arthrose. 65, 70 oder gar 80 Jahre – „solange hält auch kein Auto“, erklärt Hopp etwas scherzhaft am Telefon einer älteren Frau, die sich mit Kniebeschwerden plagt. Ihre Probleme haben mit dem so typischen „heftigen Schuss ins Knie“ beim Treppensteigen begonnen. Ein Knorpelschaden sei unter anderem diagnostiziert worden, ein Knochenmarködem. Nach ihren Schilderungen vermutet Hopp zudem eine Kniescheibenarthrose. Vor der Entscheidung zur Knorpeltransplantation möchte sie sich über andere Behandlungsmethoden informieren. „Man kann konservativ einiges machen, Physiotherapie zum Beispiel, um die Beinmuskulatur zu kräftigen“, erklärt Hopp. In Frage kämen eventuell auch Hyaluronspritzen, um die Gleitfähigkeit des Gelenks zu verbessern und damit Schmerzen zu nehmen. Eigenblut-Behandlungen könnten helfen, sagt Hopp. Was genau angeraten sei, lasse sich per Ferndiagnose am Telefon nicht genau sagen. Das komme auch immer auf die konkreten Schmerzen an. „Es muss ja auch nicht unbedingt schlimmer werden“, sagt er und rät: „Ein Warnsignal für eine OP ist, wenn Ihr Knie anfängt, regelmäßig anzuschwellen, sich Flüssigkeit sammelt und Sie Schmerzen beim Aufstehen haben.“
Orthese oder Operation?
Hopp ist einer von zwei Geschäftsführern der Lutrina-Klinik, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Zusammen mit zwei weiteren Kniechirurgen operiert er in der Klinik im Jahr etwa 2000 Menschen am Knie. „Einfache Meniskusglättungen“ genauso wie „aufwändige moderne Knorpelverfahren und Achskorrekturen“ sowie „Kniescheibenstabilisierungen oder Teil- und navigierte Vollprothesen“, berichtet er.
Er sagt aber auch: „Man muss nicht alles operieren.“ Es ist am Mittwoch eine der am meisten gestellten Leser-Fragen: „Muss das Knie operiert werden oder geht es anders?“ Wichtig sei für die Entscheidung zu klären: „Welche Beschwerden und Schmerzen haben Sie? Wie groß ist die Einbuße Ihrer Lebensqualität? Wird das Knie dick und warm?“, so Hopp.
Da ist die knapp Über-80-Jährige, deren MRT des rechten Knies einen Schaden am Innen- und Außenmeniskus ergeben hat, außerdem einen Gelenkerguss. Seit einigen Tagen trage sie eine Orthese, dadurch hätten sich die „bestialischen Schmerzen“ gebessert. Dennoch will sie Klarheit, muss sie trotzdem unters Messer? Hopp erklärt, man könne schauen, wie sich die Beschwerden entwickeln. „Die Frage ist eher: Welche konkreten Probleme haben Sie durch den Meniskusriss und lassen die sich mit der Orthese gut bewältigen?“
Wenn der Druckpuffer im Knie klemmt
Er erläutert: „Die Menisken sind unsere Druckpuffer im Knie, die brauchen wir, um Stöße abzufedern.“ Seien sie abgenutzt oder verletzt, fehle diese Funktion, der Knorpel werde stärker belastet, nutze sich ab und Arthrose könne die Folge sein. Wer aber mit einer Orthese gut zurecht komme, für den könne sie zur Entlastung und Schmerzlinderung beitragen.
Typisch für Meniskusprobleme sind laut Hopp Schmerzen beim Beugen des Beins, beim Knien und bei Drehbewegungen. „Es gibt Patienten, die kommen auch mit einem Meniskusriss gut klar, gerade wenn die Entzündung oder Schwellung des Knies nicht im Vordergrund stehen. Manchmal helfen auch Spritzen“, zum Beispiel Kortison, erklärt er einer Anruferin. Wer mit einer OP warten wolle, könne auch abschwellende Naturprodukte wie Kurkuma ausprobieren.
Christian Kröner ist Orthopädietechniker und weiß, wie in diesen Fällen Orthesen helfen können, Schmerzen zu lindern. „Mit einer Hartrahmen-Orthese können wir das Knie in seiner Beugung ein wenig einschränken, um eine gewisse Entlastung ins Knie zu bekommen“, erläutert er einer Anruferin. Wichtig sei dafür die richtige Einstellung der Orthese, die das Sanitätshaus vornehme, erklärt der Ank-Kaiser-Mitarbeiter.
Viele Knie-OPs kommen ohne große Schnitte aus
Doch gerade bei komplexen Rissen sei eine OP die beste Option. Ein 70-jähriger Anrufer schildert Schmerzen in seinen Gelenken, insbesondere im linken Knie. „Bei einem MRT ist ein Meniskusriss im Hinterhorn festgestellt worden. Kann das von alleine ausheilen?“ Hopp macht wenig Hoffnung darauf: „Mit Blick auf Ihr Alter wird es schwierig mit dem Selbstausheilen. Wenn der Knorpel noch soweit okay ist, aber der Meniskus klemmt, sollte man dieses kleine Stückchen, wo der Meniskus gerissen ist, entfernen“, meint der Arzt. Das gehe mit einer „ambulanten Spiegelung, dauert etwa 15 Minuten“. Die Gelenkschmerzen erforderten eine genaue Abklärung. Ein Zeckenbiss, Rheuma seien bereits als Ursachen ausgeschlossen worden, so der Anrufer. „Das kann alles sein, zum Beispiel eine Lebensmittelunverträglichkeit“, sagt Hopp. Er empfehle erst mal ein großes Blutbild beim Hausarzt.
Eine Meniskus-OP laufe heute in der Regel minimalinvasiv ab. Für den Patienten bedeutet das, dass keine großen Schnitte notwendig sind. Das bedingt eine „wesentlich geringere Komplikationsrate, geringere Schmerzen als auch schnellere Heilungszeit“, erklärt der Kniechirurg. Außerdem werde nur der beschädigte Teil des Meniskus entfernt. „Früher war das Motto, der gesamte Meniskus kommt raus. Mittlerweile erhält man den gesunden Teil, so weit es geht.“