Kaiserslautern Klingende Werbung für Vokalmusik

Das Quartett „Medlz“ Nelly Palmowske, Sabine Kaufmann, Joyce-Lynn Lella und Silvana Mehnert (von links) begeistert im „A-cappell
Das Quartett »Medlz« Nelly Palmowske, Sabine Kaufmann, Joyce-Lynn Lella und Silvana Mehnert (von links) begeistert im »A-cappella-Stil«.

Die vier Damen der Gesangsformation „Medlz“ aus Dresden sangen am Donnerstag im Ramsteiner Congress Center eine Ode an die deutsche Sprache im „A-cappella-Stil“ Unter dem Leitthema „Heimspiel“ versuchten sie in dieser zwischen Revue und Bühnenshow changierenden Veranstaltung bewusst auf Anglizismen in der Moderation zu verzichten – verbale Ausreißer wurden gezielt zur Prüfung des dann protestierenden Publikums eingebaut.

Eine geballte Ladung Frauenpower gastierte vor leider nur rund 120 Konzertbesuchern, was aber ihre mitreißende Bühnenpräsenz und Ausstrahlungskraft nicht beeinträchtigte. Was hätte besser zu dieser Ode an unsere Kulturtradition gepasst als Schillers Ode an die Freude, die von Beethoven in dessen Neunte Sinfonie verarbeitet wurde und ein neues Kapitel der Sinfonik und Instrumentalmusik in der Musikgeschichte aufschlug? Apropos Bearbeitung: Schiller bearbeitete sie mehrfach, Beethoven setzte sie in einer Bearbeitung ein und die „Medlz“ schlossen sich dieser Tradition an. Allein in dieser Art Konzertfantasie über Beethovens Vertonung als Chorsatz zogen sie alle Register ihres überragenden Könnens: Textausdeutung, Scatgesang, Klangmalereien zur Imitation von Orchesterinstrumenten und dazu ein Füllhorn an Stilmitteln und Satztechniken sowie Ausdrucksdifferenzierung. Kurz: Alles nur erdenkliche an Kreativität und an gesangstechnischem Können wie Arrangieren und Textieren floss hier ein. Deutsche Pop-Rockbands wie „Wir sind Helden“, weitere Quellen der Inspiration in Gestalt der Berliner Gesangsgruppe „Laing“ oder Rapper und Songwriter wie Clueso sind bei der Vielzahl von aufgeführten Programmpunkten solche Ideengeber für eigene Adaption und Gestaltung. Und die basiert auf der ungewöhnlich tiefen Stimme von Joyce-Lynn Lella, die auch eigene Projekte – etwa im Jazz – durchführt. Ergänzt von der Singer-Songwriterin Silvana Mehnert, die für „Medlz“ in Ramstein Arrangements vorstellte, komplettiert von der Texterin und weiteren Sängerin Sabine Kaufmann und schließlich von Nelly Palmowske, die demnächst bei einer Ausstellung auch ihre Malerei vorstellen wird. Zusammen sind sie als Gesangskollektiv nahezu unschlagbar, erreichen einen großen Stimmumfang sowie Strahlkraft und setzen unterstützend einfachste Percussioninstrumente sehr wirkungsvoll ein. Letztlich basiert alles auf einer sehr lebendigen, das Publikum ständig einbeziehenden und fordernden Gestaltungsweise. Vom virtuosen Sprechgesang bei einem Liebesbrief nach Thomas D. im Hip-Hop-Stil bis zum ariosen Gesang reicht die Bandbreite der Vortragsweise, die choreographisch unterstützt wird und durch wechselnde Illumination und unterschiedliches Aufteilen der Stimmen raffinierte Stimmungsbilder schafft. Jede der „Medlz“ kann sich nahtlos ins Vokalquartett integrieren aber auch solistische Aufgaben übernehmen. Das war klingende Werbung für Vokalmusik.

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