Kaiserslautern „Klangfüller“ treten ins Rampenlicht

Das Sinfonieorchester des Landkreises Kaiserslautern unterhält eine eigene Kammerkonzertreihe nach dem Motto „Wir können auch anders.“ Am Sonntag war das Kammerkonzert im Deutschordensaal zudem Bestandteil der Veranstaltungsreihe „Musik im Kreis“, die ebenfalls kleinere Besetzungen an wechselnden Orten in weiten Teilen des Landkreises präsentiert.
Für das Kammerkonzert war in der programmatischen Konzeption zudem prägend, dass Instrumentengruppen präsentiert wurden, die ansonsten eher das Image des „Klangfüllers“ haben. Die Rede ist von der Bartschen- und Kontrabassgruppe, die sich jeweils in einer für die klanglichen und spielerischen Möglichkeiten repräsentativen Werkauswahl vorstellte. Es gibt über Orchestermusiker und Instrumente Anekdoten, Witze und Cartoons und da nehmen die Bratschen und Bässe einen oberen Platz ein, wenn es gilt, eine Zielscheibe des Spotts aufzustellen. Umso verdienstvoller war die Absicht, die Viola aus dem Schattendasein als Lückenfüller zwischen Violine und Violoncello heraus zu holen, zumal schon die Kammermusik- und Sololiteratur wesentlich kleiner ist als jene der beiden Verwandten aus der Familie der Streichinstrumente. Es gelang den Ausführenden Johanna Mann, Anne-Kathrin Böhm, Katrin Van Loo und Andreas Schmidt, ihr Instrument in Ensembleliteratur von Gustav Holst, Giaccomo Puccini und Johann Pachelbel (um nur einige zu nennen) künstlerisch enorm aufzuwerten. Das klanglich reizvolle Instrument der angenehm timbrierten Mittellage klingt unten sonor und in den Spitzentönen noch angenehm und dunkler als die kleinere Schwester, die eine Quinte höher gestimmte Violine. Hinzu kam, dass die sehr subtile und in feinsinnigen Dialogen sich bewährende Vortragsweise des Quartetts auf geschickte dynamische Ausbalancierung (Pachelbel-Fuge) und auf schwelgerischen Wohlklang (Puccini) sowie strukturelle Klarheit (Chaconne von Gustav Holst) setzte. Schwerer hatten es da die vier Kontrabassisten, sich vorteilhaft in Szene zu setzen. In der extrem tiefen Lage ragte das melodieführende Instrument durch den mulmigen Klang nicht immer genügend heraus, was das Einhören bei Tony Osbornes „Pink Elephant“ erschwerte. Vielleicht wäre die Verdopplung der Melodie und ein dezenteres Begleiten der anderen Spieler die Lösung für eine bessere Balance. Dies gelang Dieter Falke, Holger Stodtmeister, Frank Sydow und Dorothee Schmitt dann bei einer Auswahl von Stücken aus der Sammlung von John Walton besser. Da war man wirklich bass erstaunt über die spielerischen Möglichkeiten zwischen Pizzicato (gezupft) und arco (gestrichen) und zwischen der leeren E-Saite und höchsten Flageoletts und Daumenaufsatzspiel. Dennoch wird der Kontrabass seit dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns das Image des „Dickhäuters“ nach dem Elefantenballett nicht mehr so richtig los: Daher parodierte der zeitgenössische Komponist Andreas Wiebecke-Gottstein diese Parade, indem er Ausschnitte collagenhaft mit anderen tierischen Begegnungen (Schuberts „Forelle“ etwa) untermischte. Mit ironischem Augenzwinkern schulterten die Bassisten souverän auch diese Anforderung, wirkten insgesamt „sattelfest“ in der Handhabung des größten Streichinstruments, das hier nicht nur robust und rustikal, sondern auch in der Bogenführung phasenweise elegant klang. Allein diese Kostproben von zwei Stimmgruppen hätten ein Kammerkonzert ergeben, dennoch wirkten auch die anderen in kleinerer Besetzung sinngemäß ergänzend, weil sie weitere Raritäten präsentierten: Einmal die seltenere Formation des Streichtrios mit Susanne Kemner (Violine), Anne-Kathrin Böhm (Bratsche) sowie Hans Naßhan (Violoncello) bei drei Miniaturen von Antonin Dvorak. Hier dauerte es einige Takte, bis aus drei Individuen mit verschiedenen Instrumenten unterschiedlicher Klangfarbe eine Einheit wurde. Auch bei dem zweiten Trio von Cecille Chaminade (mit dem Pianisten Christian Weidt für die Viola) gingen die meisten gestalterischen Impulse und bewegendsten Eindrücke von der Geigerin (Susanne Kemner) aus, die durch ihren makellosen und eleganten Ton betörte. Einst galt in den 20er Jahren der Komponist Paul Hindemith als „Bürgerschreck“: Mit seiner freien Tonalität und einer herb-spröden und schwer zu erschließenden Stimmenführung drängte sich damals der Eindruck auf, der heute revidiert werden muss. Das Scherzo für Bratsche (wieder Anne-Kathrin Böhm) und Violoncello (Hans Naßhan) zeigte in dem rhythmischen Impuls und dem klaren Ablauf eine Strukturgebung, die vielen Kompositionen danach fehlt. Die Interpretation konnte den Reiz des Kleinods zwingend vermitteln.