Kaiserslautern
„KL entdecken“-App: Eine gar nicht langweilige Geschichtsstunde
Von Katharina Kovalkov-Walth
Die Rheinpfalz hat sich jetzt die App genauer angesehen und wanderte auf den Spuren Friedrich Barbarossas über einige denkwürdige Kulissen der Geschichte – pünktlich zum Barbarossajahr 2022 ist das Programm in den üblichen App-Stores erhältlich. Doch bevor die historische Erkundungstour so richtig starten konnte, gab es noch klitzekleine Anlaufschwierigkeiten – zumindest für Android-Nutzer: Die App wurde von Google über Nacht ohne Vorankündigung aus dem Google Play Store gelöscht. Während also iPhone-Besitzer fröhlich durch die Barbarossa-Stadt flanieren und die Sehenswürdigkeiten entdecken konnten, mussten die Nicht-iPhone-Besitzer noch ein wenig warten, bis der digitale Rundgang für sie starten konnte. Doch allzu lange und allzu schlimm war die Warterei nicht, schon wenige Tage nach der Löschung war die App wieder im Store.
Der junge Barbarossa muss sich erstmal beweisen
Und schließlich musste der junge Friedrich I., der einmal als Kaiser „Barbarossa“ – italienisch für „Rotbart“ – in die Geschichtsbücher eingehen würde, auch warten. Warten auf seine Krönung. Vorher musste er sich vor seinem Vater, Friedrich II. von Schwaben, als würdig für die Krone erweisen. Da kommt es denkbar ungünstig, dass er schon das einfache Geschenk eines seiner Untertanen verliert. Einen handgeschnitzten Holzfisch, der bei Friedrichs Ausflug auf den Humbergturm von einem Falken davongetragen wird. Damit beginnt die amüsante und kindgerechte Geschichte. Und damit beginnt auch die Tour durch die Barbarossastadt, bei der der kleine Friedrich Barbarossa höchstselbst den Stadtführer spielt – zusammen mit seinem mürrischen Hund Ted.
Auf der Suche nach dem Falken und dem verloren gegangenen Holzfisch geht es durch die Straßen der Innenstadt – vom Fritz-Walter-Stadion bis zur Kaiserpfalz – und durch Zeit und Raum. Von Station zu Station – 13 sind es insgesamt – trifft man interessante Persönlichkeiten, historisch bedeutende und unbedeutende, die einem spannende Anekdoten zum jeweiligen Ort erzählen. Da steht zum Beispiel plötzlich Lina Pfaff, Erbin der berühmten Nähmaschinenfabrik „Pfaff“ und Wohltäterin, am Stadtmuseum und erzählt, dass dieses zu ihren Lebzeiten (1854 bis 1929) eine Brauerei und Schankwirtschaft gewesen ist. Auf dem Betze darf man ein paar Tore mit Fritz Walter schießen.
Ein Crêpe für den künftigen Kaiser Napoleon
Und wenn man nichts Böses ahnend über den Martinsplatz schlendert, reist man, ohne es zu merken, ins Jahr 1803 und hört die französischen Schimpftiraden eines kleinen Mannes mit dreieckigem Hut auf einem Pferd: Das kann ja niemand Geringeres als Napoleon Bonaparte sein, der seine „Fußsoldaten“ herumkommandiert. Zu dieser Zeit ist er noch Erster Konsul der Französischen Republik und führt sein Heer durch das französisch besetzte Kaiserslautern. Doch er fühlt sich da schon „zu Höherem berufen“. Ein Jahr später wird er Kaiser der Franzosen. Aber vorher lässt er sich noch vom kleinen Friedrich – und von den jungen App-Nutzern – einen Crêpe zubereiten. Auf pfälzischen Saumagen hat er nämlich keine Lust. Und an welcher Stelle einst das Hotel „Zum Donnersberg“ stand, in dem Bonaparte gerne mal sein Frühstück zu sich nahm, erfährt man auch, wenn man genau hinhört.
Zugegeben, die App ist hauptsächlich für Kinder ausgelegt. Erwachsene „Touris“ werden bei den kurzen Zwischenspielen, bei denen man je einen Buchstaben freischalten kann, um Hinweise bei der Suche nach dem Holzfisch zu erhalten, nicht sonderlich gefordert. Dafür gibt es am unteren Bildschirmrand eine Info-Spalte, in der auch die Erwachsenen so einiges über ihre Heimat erfahren. Zum Beispiel wieso die einst mächtige und uneinnehmbare Festung Hohenecken heute eine Burgruine ist und wessen Geist dort angeblich herumspuken soll.
Am Ende wartet ein kleines Geschenk in der echten Welt
Visuell ist die Erkundungs-App liebevoll gestaltet, mit bunten 3D-Figuren, dem Stil des „Sandmännchens“ sehr ähnlich, mit kindlichen Kulissen und netten 360-Grad-Ansichten. Die ermöglichen immerhin eine virtuelle Innenansicht in die historischen Bauten, zu denen man sonst ohne Führung keinen Zugang hat. Die Audiobeiträge, vorgetragen von professionellen Sprechern, erwecken die Figuren zum Leben und geben dem Storytelling Atmosphäre.
In der Realität muss man jedoch die Tour nicht unbedingt von Station zu Station selbst ablaufen; die spielerische Stadtführung funktioniert auch, wenn man daheim auf dem Sofa sitzt. Es würde sich jedoch lohnen, die Tour aktiv mitzumachen. Denn am Ende erhält man ein kleines Geschenk, an einem realen Ort in der Stadt, der an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten wird.
Jungen Lautrern und Besuchern wird der virtuelle Rundgang definitiv Spaß machen. Den Großen mit Sicherheit auch, wenn man sich auf eine Erkundungstour durch Kinderaugen einlässt. Lehrreich und interessant ist das Projekt allemal – und zeigt, warum eine Geschichtsstunde über Kaiserslautern gar nicht so langweilig ausfallen muss, wie man zunächst glaubt.