Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kindertheater im Lauterer Zink-Museum setzt Maßstäbe

Vorlage fürs Kindertheater: die Unterwasserwelt.
Vorlage fürs Kindertheater: die Unterwasserwelt.

Nur eine Woche nach einer restlos ausverkauften Tabaluga-Vorstellung in Ramstein (wir berichteten) wartete die Stadt mit zwei wieder gut besuchten Kindertheater-Veranstaltungen auf: Im Edith-Stein-Haus gastierte das Allgäuer Märchentheater und fast parallel eine Stunde früher in der Reihe TIM (Theater im Museum) die Freie Bühne Neuwied. Die gute Resonanz bestätigt den – erweiterungsfähigen - Bedarf an solchen Angeboten für das Publikum von morgen und übermorgen.

Bei TIM am Samstag im Zink-Museum gab es einmal mehr eine Kampfansage in diesem Genre des Figuren- und Puppentheaters gegen Minimalismus, Tristesse und Einfallslosigkeit. Die jüngste Produktion von Tammy und Boris Weber – mit Bühnengestaltung und Figuren von Claudia Mohr – bestätigten, dass auch das Genre des Kindertheaters für Vorschul- und Grundschulkinder längst vom modernen Regie- und Ausstattungstheater, von aufwändiger Bühnentechnik und hohem Maß an theatralischem Aufwand erobert wurde.

Tammy und Boris Weber als bestens aufeinander eingespieltes Team: 2003 vom Schauspieler und Regisseur Boris Weber gegründet, hat dieses Gastspielunternehmen mit Sitz in Neuwied seitdem über 40 Inszenierungen auf den – wörtlich zu nehmen – auf den Weg gebracht. In einer davon nehmen sie sich in liebevoller Detailarbeit dem pädagogisch wertvollen Stoff des Regenbogenfisches an, wie er von dem Schweizer Autor und Illustrator Marcus Pfister dargestellt wurde.

Meerwasser im Museum

Dabei verwandeln die beiden Akteure die Scheune des Zink-Museums in eine Art Meerwasser-Schaubecken, nach der Art von Sealife & Co.: Vor der tiefblauen Kulisse der großen Stoffbespannung tummeln sich kunterbunte Seefische (mittels Stangen von dem Duo bewegt), sind Korallen, Seesterne und Unterwasserhöhlen zu sehen und es ist eine Augenweide für alle Besucher. Raffinierte Lichtinstallationen, eingeblendete Musik im Stile moderner Musicals und dazu betörender, bisweilen eindringlicher Live-Gesang des Künstlerpaars machen den beliebten Stoff zu einem Genre zwischen Musical und Grusical. Bewusst spielt die Aufführung auch mal mit düsteren Stimmungen, um die unendliche Tiefe des Ozeans zu suggerieren.

Ein gigantischer Aufwand für nur eine – aber zeitlich angemessene – Schulstunde: Der Vergleich sei erlaubt, weil so nicht nur Einblicke in das Leben unter Wasser vermittelt werden, wenn sogar ein Oktopus auftritt und sich den Kindern eine große Vielfalt an Farben und Formen erschließt. Es geht in dieser Geschichte und Inszenierung um weit mehr: Der schönste Fisch ist der Regenbogenfisch. Er schimmert nicht nur in allen Farben, er hat auch noch glitzernde und leuchtende Schuppen. Majestätisch zieht er – geführt von Boris Weber – seine Kreise, blickt etwas verächtlich auf die einfarbigen Artgenossen und die statisch wirkenden sogenannten niederen Tiere des Meers. Daher wird diese Majestät von allen beneidet, aber auch angefeindet. Aus Stolz und Arroganz wächst zunehmend die Erkenntnis, dass Schönheit und Bewunderung allein nicht glücklich machen. Hatte er die „Anträge“ seiner Artgenossen mit Bitten um eine Glitzerschuppe bislang rigoros abgeschmettert und sogar wütende, ruppige Attacken gefahren, so kommt er zur Einsicht: Teilen, abgeben macht glücklich. Da wandeln sich nämlich Neid, Missgunst und Hass in aufrichtige Freundschaft und vor allem Geselligkeit. Schließlich sind die meisten Meeresfische ohnehin Schwarmfische und keine Einzelgänger.

Nur gemeinsam stark

Gemeinsam sind sie stark: Diese Botschaft arbeiten die beiden Figurenspieler und Schauspieler mit hohem persönlichem Einsatz stringent und konsequent heraus. Dabei werden die beteiligten Fische personifiziert – etwa Claudia für den gelben – und jeder in unterschiedlichem Tonfall charakterisiert. Insgesamt eine überwältigende Leistung, die von der Ausstattung bis zur Vertonung und der künstlerischen Realisation keinerlei Wünsche offen lässt und vielmehr deutliche Maßstäbe setzt.

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