Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kinderimpftage sind gefragt

 Gerhard Rupparth, der langjährige Leiter der Kinderklinik, nimmt sich beim Aufklärungsgespräch im Impfzentrum viel Zeit, um Elt
Gerhard Rupparth, der langjährige Leiter der Kinderklinik, nimmt sich beim Aufklärungsgespräch im Impfzentrum viel Zeit, um Eltern und Kindern die Sorgen zu nehmen.

Manchmal beweisen die Kleinsten den größten Mut: Seit Dezember ist der Corona-Impfstoff von Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen. Eine Chance, die die Kaiserslauterer Kinderärzte nutzen wollen: An insgesamt zehn Kinderimpftagen im Landesimpfzentrum am Opelkreisel heißt es „Ärmel hochkrempeln“.

Schule und Kindergarten fällt für die kleinen Besucher im Landesimpfzentrum am Dienstagmorgen mal aus. Dafür ist der Impftermin auf dem weitläufigen Opelgelände für die Fünf- bis Elfjährigen auch ein Erlebnis. Zur Verwunderung einiger Kinder gibt es sogar Soldaten auf den Impfstraßen. Augenzwinkernd führen die uniformierten Männer Familien zur nächsten Station, muntern mit einem freundlichen Lächeln auf.

„Wenn die Eltern keine Angst haben, haben Kinder auch keine“, weiß Gerhard Rupprath, ehemaliger Chefarzt der Kinderklinik am Westpfalz-Klinikum, aus Erfahrung. Er übernimmt auf einer der drei Impfstraßen die Aufklärung. Dafür nimmt sich der 76-Jährige Zeit, geht auf alle Fragen ausführlich ein.

Kinder vertragen Impfstoff besser

„Bei Kindern liegt eine extrem gute Verträglichkeit vor – sogar besser als bei Erwachsenen“, versichert er einer Mutter. Nur Sport soll ihre siebenjährige Tochter Hannah in den nächsten zwei bis drei Tagen keinen betreiben. „Toben auf dem Schulhof ist in Ordnung.“

„Ich habe immer gesagt, wenn sie den Impfstoff für Kinder freigeben, lasse ich sie impfen“, erzählt die Mutter überzeugt. Zumal sich Erkältungen bei ihrer Tochter häufig auf die Lunge schlagen. „Da Corona ja die Atemwege betrifft, will ich das Risiko für sie verkleinern.“ Ein Gedanke, den der Mediziner Rupprath und seine Kollegen begrüßen. Haben Kinder Vorerkrankungen, seien Eltern oft verunsichert. „Je schlimmer die Vorerkrankung ist, umso wichtiger ist es eigentlich, früh zu impfen!“, lautet der Rat des Kinderarztes.

Und Hannah ist bereit. Auf dem Aufklärungsbogen ist extra ein Unterschriftenfeld, in dem die Kinder ihr Einverständnis erteilen. „Wir müssen sie bei der Entscheidung mitnehmen“, sagt Rupprath. „Wir fragen sie, und sie wollen auch geimpft werden, weil es mehr Normalität für sie bedeutet.“ Auch für Hannahs Mutter gibt es gute Nachrichten: Sie kann sich vor Ort boostern lassen. Bevor es weiter zur Impfkabine geht, darf Hannah noch den QR-Code von den Dokumenten scannen.

Rupprath, sein Nachfolger Thomas Kriebel, derzeit Chefarzt der Kinderklinik am Westpfalz-Klinikum sowie der niedergelassene Kinderarzt Sven Geist sehen die Kinderimpftage im Landeszentrum, die alle Kaiserslauterer Kinderärzte geschlossen befürworteten, als Weg, um Vertrauen zurückzugewinnen: „Hier haben Eltern eine Anlaufstelle und bekommen eine kompetente Beratung“, wirbt Rupprath für die gemeinsame Sache. Gleichzeitig wolle man durch die Verlagerung ins Impfzentrum Praxen und Klinik entlasten. „Ein Nebeneffekt der Isolation ist, dass andere Infektionskrankheiten wie das RS-Virus verstärkt Praxen und die Kinderklinik beschäftigen“, so Kriebel.

Familie Schlemmer aus Kaiserslautern hat sich überzeugen lassen. Vater Michael gibt zu: „Meine Frau hatte erst Bedenken.“ Nachdem sie durch einen Zeitungsbericht erfuhr, dass Rupprath, der frühere Arzt einer ihrer Söhne, die Impfungen befürwortet, sei sie überzeugt. „Unser ältester Benjamin kam von alleine und meinte, dass er sich gerne impfen lassen würde.“ Viele seiner Freunde seien geimpft. „Ich hoffe, dass ich dann wieder mehr machen kann“, nennt er seine Gründe.

Sein jüngerer Bruder Valentin (8) ist noch nicht ganz überzeugt. Marlene, die Jüngste im Dreiergespann, will erst mal abwarten, wie es für die Brüder läuft. Schwester Gabi versucht zu beruhigen: „Guckt, das ist nur eine Babynadel.“ Benjamin ist der Erste. Beim Einstich bittet ihn Schwester Gabi zu husten. Er verzieht keine Miene. Die Hand vom Bruder hält er zur Unterstützung gedrückt.

Gezwungen wird hier niemand

„Hat’s weh getan?“, will Valentin gleich wissen. Bestärkt zieht er nach und wundert sich: „Hat gar nicht weh getan!“ Die fünfjährige Marlene traut sich dann auch. „Marlene, du schaffst das“, ermutigen sie die beiden Großen. Schwester Gabi macht deutlich: „Gezwungen wird keiner.“ Ist auch nicht nötig. Mit etwas Zuspruch klappt es. „Und wo ist jetzt das Blut?“, fragt sie wenig später keck.

Auch Eltern aus Zweibrücken, der Vorderpfalz, Trier und Worms nutzen das Angebot. Die Zweibrückerin Kathrin Szala-Bux hat mit ihren beiden Kindern einige Kilometer auf sich genommen. „Unser Impfzentrum ist geschlossen. Hier gab es schnell einen Termin“, sagt sie. Zwar habe sie immer noch einige Bedenken, glaube aber, dass die Impfung die bessere Alternative ist. „Im Sommer hatten meine Kinder und mein Mann schon Corona.“ Das sei auch für die Kinder kein Zuckerschlecken gewesen. „Um geschützt zu sein“ hat sich der elfjährige Jan bewusst für die Impfung entschieden. Nur wenige Sekunden später strahlt er: „Mama, ich bin endlich geimpft.“

Sarah Haag, frischgebackene Zweifachmama, hat Vertrauen in die Empfehlungen der Ärzte. Während Tochter Arya jetzt die erste Impfung erhalten hat, hofft die Lehrerin, dass ihre zwölf Tage alte Tochter bereits im Mutterleib Antikörper abbekommen hat: „Ich habe mich auf Empfehlung von meiner Hebamme und Ärzten in der Schwangerschaft impfen lassen.“ Da ihr Mann und sie Lehrer sind und die älteste Tochter in die Kita geht, gebe es drei Risikoherde.

An bislang drei Impftagen wurden 1175 Kinder geimpft. Für Dienstag und Freitag erwartet Impfkoordinator Tobias Metzger noch einmal 813 Impflinge unter zwölf Jahren. Weitere Impftermine sind am 7., 13., 24., 25. und 28. Januar und am 14. Februar.

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