Kaiserslautern
Langjähriger Chef der Kinder-Klinik drängt darauf, Kinder ab fünf Jahren schnell zu impfen
Vieles an der momentanen Diskussion ist aus Ruppraths Sicht irrational. Und die Haltung der ständigen Impfkommission, Stiko, die er bisher sehr geschätzt hat, empört ihn: „Die Stiko empfiehlt eine Impfung nur Kindern von fünf bis elf Jahren, die Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf oder Angehörige mit hohem Risiko haben. Sie verunsichert die Leute, das ist ganz schlecht.“ Denn: Dass auch Jungen und Mädchen ab einem Alter von fünf Jahren dringend einen Schutz vor dem Coronavirus brauchen, steht für den 76-Jährigen, der an der Kinderklinik die Kardiologie aufgebaut hatte und noch immer tageweise in einer Kaiserslauterer Kinderarztpraxis aushilft, außer Frage. „In den USA sind schon rund fünf Millionen Kinder geimpft worden, ohne nennenswerte Komplikationen.“ Die US-Arzneimittelbehörde FDA, die viel strenger sei als ihr europäisches Pendant, hatte schon Ende Oktober eine Notfallzulassung für das Vakzin von Biontech/Pfizer erteilt. In Deutschland hinke man bei den Kinderimpfungen hinterher.
„Omikron-Variante deutlich ansteckender“
Was ihn anspornt, so schnell wie möglich dem Nachwuchs den Stich zu setzen: „Wir wissen, dass die Omikron-Variante deutlich ansteckender ist.“ Deshalb werde auch die Anzahl infizierter Kinder steigen. Er könne deshalb nur raten, die Kinder impfen zu lassen. Zumal es einfach nicht richtig sei, dass Covid-19 Kindern nichts anhaben könne. „Wir wissen nicht genau, was das Virus mit den Kindern macht.“ Aber schon jetzt beobachten Kinderärzte, dass erkrankte Jungen und Mädchen lange mit dem Virus kämpfen, unruhig sind, nicht mehr gut schlafen, wochenlang nicht leistungsfähig sind, unter Konzentrationsstörungen leiden. Zudem bestehe der Verdacht, dass Corona-Infektionen sogar Typ-1-Diabetes auslösen.
Zu bedenken gibt Rupprath, dass der Piks ja noch lange nicht vor einer Erkrankung schütze. „Wenn wir Anfang Januar impfen und drei bis sechs Wochen später den zweiten Stich setzen, dauert es weitere zwei Wochen, bis wir einen Schutz haben.“ Er habe seine Enkel, acht und zehn Jahre alt, schon vor zwei Wochen geimpft, mit einem Drittel der für Erwachsene vorgeschriebenen Dosis. „Wir können unsere Kinder nicht ständig nur rumschubsen und sie wegsperren.“ Er wolle Eltern die Ängste nehmen. Ganz schlimm sei, dass sich die Stiko wegducke. „Wenn ich zum Arzt gehe, will ich eine klare Empfehlung erhalten.“ Es fehle die Zeit, Forschungsergebnisse „noch ewig zu evaluieren“. „Wir müssen eigentlich nur Gott danken, dass wir Impfstoff haben.“
Arztpraxen wegen RS-Virus am Limit
Rupprath findet es ein starkes Zeichen, dass sich Kinderärzte im Impfzentrum engagieren. „In ihren Praxen können das Kinderärzte kaum stemmen. Bei denen ist mit der Erkältungswelle und der starken Verbreitung des Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RS-Virus, einer Atemwegserkrankung, seit Wochen Land unter. Aber wir schaffen das jetzt, weil wir es wollen.“ In zwei Tagen seien 1500 Impfungen zu leisten. Darauf habe man sich im Qualitätszirkel der Kinderärzte und auch mit Kollegen aus dem Klinikum geeinigt. Impfen sei für Pädiater eine „ureigene Kompetenz“. „Wir impfen Babys schon sechsfach in ihren ersten Lebenswochen.“ Auch für die Vertrauensbildung – „wir beraten intensiv“ – sei es wichtig, dass die Fachleute impfen, und nicht „Apotheker oder Tierärzte“. Ein Kinderarzt könne besser erklären, wie das Immunsystem der kleinen Leute funktioniere.
Seit dem 1. Dezember besteht eine Registrierungsmöglichkeit zur Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum für Kinder zwischen fünf und elf Jahren unter www.impftermin.rlp.de. Tobias Metzger, Impfkoordinator im Impfzentrum am Opel-Kreisel, erklärte auf Nachfrage, die beiden Termine am 22. und 23. Dezember seien schon ausgebucht. Weitere Impftermine für Kinder seien für den 3., 4. und 7. Januar vorgesehen. Sei der Andrang groß, bemühten sich die Verantwortlichen um weitere Impfmöglichkeiten für den Nachwuchs.