Kaiserslautern Kinderärzte für Dagmar Dundurs

Etwa 30 niedergelassene Kinderärzte aus Stadt und Landkreis Kaiserslautern sowie der Region Südwestpfalz machen sich für die Kinderärztin des Westpfalz-Klinikums, Dagmar Dundurs, stark. Sie wollen, dass die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV) eine Lösung findet, die die ambulante neuropädiatrische Versorgung gesetzlich versicherter Kinder gewährleistet (wir berichteten mehrfach).
Die Kinderärzte Christa Kliegel-Fischer (Trippstadt) und Matthias Kripp (Kaiserslautern) gehören dem kinderärztlichen Qualitätszirkel Kaiserslautern Stadt und Land an. In dessen Namen erklären sie: „Mit Verwunderung haben wir erfahren, dass in Zukunft wegen fehlender Zusatzbezeichnung Neuropädiatrie keine ambulanten EEGs durch die Leitende Oberärztin Dagmar Dundurs mehr durchgeführt werden können.“ Sie sehen die weitere Betreuung der neuropädiatrisch erkrankten Kinder als gefährdet an. Der Beschluss des Zulassungsausschusses für Ärzte, Dundurs die Ermächtigung dazu zu entziehen, zerstöre die „nötige ortsnahe und gut funktionierende Versorgung“. Kliegel-Fischer und Kripp bemängeln zusätzlich, dass kein geeigneter Ersatz für die Kinderärztin am Westpfalz-Klinikum geboten werden könne. Der Qualitätszirkel fordert dazu auf, die Ermächtigungen für Dundurs zu verlängern. Die Forderung solle auch für ihre niedergelassene Kollegin in Kaiserslautern Brigitte Roch-Schröter gelten, die seit Oktober 2012 ermächtigt sei. Als Alternative sehen die Kinderärzte nur die EEG-Abteilung der Uniklinik Mainz an, deren Wartezeit sich jedoch − auch bei dringlichen EEGs − auf etwa vier Monate belaufe. Kämen die westpfälzischen Patienten noch dazu, würde sich die Wartezeit weiter verlängern. Kliegel-Fischer: „Dagmar Dundurs hat zwar nicht die Zusatzbezeichnung Neuropädiatrie, doch sie hat es 20 Jahre lang gut gemacht und durch die praktische Versorgung die Qualifikation erworben. Es wäre in unserem Interesse, wenn sie die Versorgung weiter machen könnte.“ Dabei sei der Qualitätszirkel prinzipiell dafür, dass die KV die Regeln aufrecht erhält und die kassenärztlichen Interessen vertritt, trotzdem wollen die Ärzte den Eltern der kranken Kinder den Rücken stärken. Der Qualitätszirkel Südwestpfalz, dem Kinderärzte aus Dahn, Pirmasens, Zweibrücken, Kusel und Landstuhl angehören, sieht die Sache ähnlich. Kinderarzt Harald Schoenhofen, Zweibrücken, als Sprecher des Zirkels erklärte, seine Kollegen hätten einstimmig beschlossen, die Arbeit von Dagmar Dundurs, die sie sehr schätzten, zu unterstützen. Die neuropädiatrische Versorgung sei sowieso schlecht, es bestünden lange Wartezeiten und weite Anfahrtswege. Deshalb bitten auch sie die KV, eine Lösung zu finden, dass Dundurs zumindest in einer Übergangsphase weitermachen darf. Sie sehen in der Westpfalz keine Möglichkeit, die Arbeit der Kinderambulanz am Westpfalz-Klinikum adäquat aufzufangen, sagte Schoenhofen. Unterdessen verteidigt die KV Mainz die Entscheidung, dass Dagmar Dundurs künftig nicht mehr ermächtigt ist, ambulante neuropädiatrische Leistungen zu erbringen. Die Entscheidung sei keine KV-Entscheidung gewesen, sondern „vom zuständigen unabhängigen Zulassungsausschuss“ (ZA) getroffen worden, schildert Rainer Saurwein, Leiter Kommunikation der KV Mainz. Dem Zulassungsausschuss gehören Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen an. Dagmar Dundurs sei erstmals im Jahr 2004 auf zwei Jahre zum Erbringen von ambulanten neuropädiatrischen Leistungen ermächtigt worden. Erneute Ermächtigungsanträge seien danach vom ZA wiederum für zwei Jahre positiv beschieden worden, erläutert Saurwein weiter. Erst ab 2006 konnte in Rheinland-Pfalz die Schwerpunktanerkennung Neuropädiatrie erworben werden. Voraussetzung dafür sei eine dreijährige Ausbildung. Um die Patientenversorgung sicherstellen zu können, habe es als Ausnahme weiterhin Ermächtigungen für je zwei Jahre gegeben, ohne die fachlichen Voraussetzungen zu überprüfen. 2008 und 2009 habe es dann „höchstrichterliche Entscheidungen des Bundessozialgerichts“ gegeben „mit dem Tenor, dass solche Ausnahmen rechtswidrig sind“. Der ZA habe die Ermächtigung auch jetzt wieder verlängert, deshalb habe die KV Mainz die nächste Instanz, den Berufungsausschuss, eingeschaltet. Nicht die KV habe Dundurs also die Ermächtigung entzogen, „da allein die rechtlich selbstständigen Zulassungsgremien hierüber entscheiden können“. Inzwischen setzt sich auch die Elterninitiative aus Familien mit betroffenen Kindern weiterhin für Dagmar Dundurs ein. Sylvia Weis aus Obernheim-Kirchenarnbach, deren Tochter neuropädiatrische Betreuung benötigt, erklärte, inzwischen gehörten der Initiative 36 Familien an. (ita)