Kaiserslautern
Kimmel nach ACC-Aus: „Haben unsere Hausaufgaben gemacht“
„Es besteht die Perspektive, dass in wenigen Jahren die Produktion von Batteriezellen, die wir in Deutschland und Europa schon seit langer Zeit verloren glaubten, an diesen Standort zurückkehrt.“ Der Satz stammt vom ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Gesagt wurde er am 7. Februar 2020 in Kaiserslautern. Dort, wo die Automotive Cell Company (ACC), ein Zusammenschluss von Stellantis, Mercedes und TotalEnergies, eines seiner drei geplanten Batteriezellwerke in Europa bauen wollte. Genau sechs Jahre später, am 7. Februar 2026, bestätigte ACC das Aus für die Standorte Kaiserslautern und Termoli. Damit entgehen der Westpfalz eine Investition von rund zwei Milliarden Euro und rund 2000 Industriearbeitsplätze.
Von diesen schlechten Neuigkeiten hatte Kaiserslauterns Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) bereits einen Tag zuvor von ACC-Deutschlandchef Peter Winternheimer erfahren. Er habe den Auftrag erhalten, mit dem Betriebsrat darüber zu sprechen, dass die ACC-Geschäftsleitung davon ausgeht, dass das Projekt in Kaiserslautern nicht wieder aufgenommen wird, habe Winternheimer ihr berichtet. Es soll ein Beteiligungsprozess angestoßen werden. Nach ihrer Kenntnis stehen in Kaiserslautern aktuell 86 Menschen bei ACC unter Vertrag, so Kimmel. Sie hoffe, dass diese sich in den Prozess einbringen können.
Kimmel: „Schnellstmöglich über Flächen sprechen“
Dass ACC den Bau der Batteriezellfertigung in Kaiserslautern nicht weiterverfolgen will, „bedauere ich ausgesprochen“, so Kimmel. „Wir waren prädestiniert für dieses Projekt, mit den Kenntnissen im Automotivbereich in Ergänzung mit unserer Forschungs- und Entwicklungslandschaft. Wir haben uns als leistungsstarker Standort empfohlen.“ Daher glaube sie auch nicht, dass diese Nachricht die stabile Wirtschaft in Kaiserslautern erschüttere.
Sie habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer wieder einen engen Austausch mit dem Land und dem Bundeswirtschaftsministerium gepflegt. Alle Beteiligten wollten stets den Erfolg. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte Kimmel, auch mit Blick auf die Herausforderungen, „ein solches Riesenprojekt geschultert zu bekommen. Ein Kompliment an die Verwaltung“.
Die Baugenehmigung hatte ACC seit Ende 2023 vorgelegen, Bund und Land hatten 437 Millionen Euro an Fördermittel bereitgestellt. „Ich kann aktuell nicht sehen, wo wir etwas verschlafen oder verschleppt hätten“, sagte die Oberbürgermeisterin. Dennoch hatte ACC das Projekt im Juni 2024 mit Verweis auf die schleppende Entwicklung des europäischen E-Auto-Marktes gestoppt. Mehrfach waren in der Folge Entscheidungen über den Fortgang vertagt worden.
Die Flächen, auf denen die Batteriezellfabrik hätte entstehen sollen, gehören ACC und Stellantis. Man werde nun schnellstmöglich darüber sprechen, wie es mit dem Areal weitergehen soll, kündigte Kimmel an – ohne dem aktuell laufenden Beteiligungsprozess bei ACC vorwegzugreifen. „Wir erhoffen uns ein Höchstmaß an Mitsprache“, machte Kimmel deutlich. Mit Blick auf den städtischen Flächenmangel sei man gerne bereit zu prüfen, ob die Stadt oder eine städtische Beteiligung das Areal übernehmen könne. Sollten Stellantis und ACC eine Entwicklung in Eigenregie anstreben, werde man darauf achten, „dass wir mit unseren Qualitätskriterien gehört werden“.
Pongratz: ACC wäre Glücksfall gewesen
Dafür will sich auch Philip Pongratz, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Stadt und Kreis, einsetzen. Das Aus des Batteriezellwerks sei bedauerlich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass hier die Aussicht auf ein attraktives Produktionsunternehmen bestanden habe. Denn Produktionsarbeitsplätze seien in Deutschland selten geworden. „Es wäre ein absoluter Glücksfall gewesen, wenn sich ACC hier angesiedelt hätte.“ Die Fläche sei allerdings weiter vorhanden. „Nun kommt es darauf an, eine optimale Ansiedlung in Nachfolge von ACC zu finden“, so der Wirtschaftsförderer. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass in Teilen auch Produktionsarbeitsplätze entstehen. Letztlich sei es das Ansinnen einer Kommune, einerseits attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, andererseits gute Gewerbesteuereinnahmen zu erzielen. Pongratz ist optimistisch, dass das gelingen werde, denn der Wirtschaftsstandort Kaiserslautern sei nach wie vor attraktiv.
Rahm setzt auf Unterstützung des Landes
Darauf setzt auch Landtagsabgeordneter Andreas Rahm (SPD), der dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Landtages vorsitzt. „Ich bedauere die Entscheidung sehr“, sagte Rahm am Sonntag. Er habe noch immer Hoffnung gehabt, zumal europäische Fördergelder daran geknüpft gewesen seien, dass ACC nicht nur in Frankreich baut – wie geschehen –, sondern auch die Werke in Kaiserslautern und Italien realisiert. Er habe gehört, es gebe bereits Interessenten für die Fläche, auf der das Batteriezellwerk hätte entstehen sollen. Das Land müsse die Stadt nun im weiteren Prozess unterstützen. „Und ich bin mir sicher, bei einem passenden Projekt, wird das auch passieren“, so Rahm.
Mieves: Opel-Standort muss zukunftsfähig bleiben
„Das ist eine bittere Entscheidung, in erster Linie für die Beschäftigten bei ACC, aber auch für Kaiserslautern und die ganze Region“, sagte Bundestagsabgeordneter Matthias Mieves (SPD) zum Aus des Batteriezellwerks auf dem ehemaligen Opel-Gelände. Aus seiner Sicht seien nun drei Dinge wichtig. Er erwarte vom Unternehmen zum einen, dass für die Beschäftigten, insbesondere für die Auszubildenden vor Ort, gute Lösungen gefunden werden. Außerdem müsse man bei allen kommenden Schritten die engen Verknüpfungen mit dem Opel-Werk mitdenken. „Jeder Schritt muss so gegangen werden, dass der Opel-Standort zukunftsfähig gesichert wird, denn da sind weiterhin rund 1000 Menschen beschäftigt.“
Das Gelände, das für das ACC-Werk vorgesehen war, sei ein guter Standort. Gemeinsam mit der Stadt und der Oberbürgermeisterin müsse nun geschaut werden, wie der Standort weiterentwickelt werden kann, um das maximale Wertschöpfungspotenzial zu heben. „Da erwarte ich von ACC und Stellantis, dass sie das im Sinne von Kaiserslautern mitbegleiten“, so Mieves. Das hätten die Unternehmen auch zugesagt.
