Kaffeeklatsch RHEINPFALZ Plus Artikel Kerstcafé: Vom alten Schlag, aber nicht altbacken

Hans-Joachim und Ribana Bauser haben im Kerstcafé ihre Bestimmung gefunden.
Hans-Joachim und Ribana Bauser haben im Kerstcafé ihre Bestimmung gefunden.

Fast jeder Gast wird namentlich begrüßt oder verabschiedet. Mit vielen Besuchern werden auch persönliche Worte gewechselt: Im Kerstcafé in Kaiserslautern geht es familiär zu. Vor allem ältere Semester gehören zu den Stammgästen. Aber auch Mütter mit Kleinkindern sind gerne gesehen.

Klassisch ist die Einrichtung, klassisch ist auch die Karte: Das Kerstcafé in der gleichnamigen Straße gehört noch zu den Cafés vom alten Schlag. Die Karte listet sieben verschiedene Arten von Frühstück auf, es gibt eine Glasvitrine mit selbst gebackenen Kuchen und Torten, aber auch belegte Brötchen, Suppen, zwei Eiergerichte, kalte und warme Getränke, ein paar Alkoholika und eine kleine Eis-Auswahl. Kein Schnickschnack. Und das schätzt die Stammkundschaft, wie Hans-Joachim Bauser berichtet. Er führt das Café in der Fußgängerzone zusammen mit seiner Frau Ribana, ganz alleine schmeißen die beiden den Laden.

Bauser stammt aus Friedrichshafen am Bodensee, kam durch die Bundeswehr nach Ramstein. Ursprünglich hatte er Bankkaufmann gelernt, nach dem Bund hängte er noch eine Ausbildung zum Restaurantfachmann dran. Unter anderem leitete er ein großes Hotel. Auch seine Frau kommt aus dem Hotelfach. Doch irgendwann waren den beiden die Arbeitszeiten zu viel. Da sie in der Gastronomie bleiben wollten, übernahmen sie das Kerstcafé vom Backhaus Klein.

Die Kuchen kommen aus dem eigenen Ofen

Ursprünglich wurden dort auch noch Backwaren verkauft, doch nach einem größeren Umbau 2006 wurde dies aufgegeben. Heute backt Ribana Bauser sieben bis neun Kuchen pro Tag selbst – „nur den Rotweinkuchen, den mache ich“, betont der Chef. Brötchen und Kaffeestückchen beziehen sie von einer regionalen Bäckerei.

58 Sitzplätze gibt es im Kerstcafé, hinzu kommen im Freien noch einmal 25. „Unser Kerngeschäft ist das Frühstück“, erzählt Bauser. Anzurufen braucht man übrigens nicht: In den 32 Jahren des Bestehens habe er noch nie Reservierungen vorgenommen, betont der Chef. Die Auswahl reicht vom kleinen für vier Euro bis zum Frühstück für zwei mit allem Drum und Dran. Serviert wird das Frühstück übrigens so lange, bis die Brötchen alle sind. „Und wenn mittags vier Leute kommen, die noch frühstücken wollen, dann hole ich halt nochmal Brötchen“, erklärt Bauser. „Samstags mache ich 15 bis 20 Portionen Rührei“, verdeutlicht er, dass das Angebot gut ankommt. „Samstags haben wir keine ruhige Minute“, betont er.

Ab 7 Uhr für die Gäste da

Wenn er in der Küche steht, übernimmt seine Frau Ribana auf flinken Beinen den Service. Sie sei es auch, die sich Namen und Wünsche der Gäste besonders gut merken könne, hebt er hervor. Die unaufgeregte Atmosphäre und das familiäre Miteinander schätzt die Kundschaft. Darunter sind mehrere Stammtische mit Senioren, auch der Blindenstammtisch trifft sich regelmäßig im Kerstcafé oder ehemalige Sängerinnen des Bruckner-Chors. All das führt dazu, dass das Café gut frequentiert ist, auch wenn dieser Teil der Fußgängerzone nicht sehr belebt sei, wie Bauser anmerkt.

Früher hätten sich die Verkäuferinnen der umliegenden Kaufhäuser und Geschäfte hier jeden Morgen vor der Arbeit getroffen – „weil wir um 6 Uhr als Erste aufgemacht haben“. Heute wird um 7 Uhr geöffnet – und dann kommen auch schon die ersten Gäste. Bauser berichtet von einer Frau, die seit 20 Jahren jeden Morgen pünktlich um 7.05 Uhr auf der Matte stehe, um zu frühstücken, bevor sie zur Arbeit gehe.

Mal Urlaub an Brückentagen

Das Kerstcafé hat offensichtlich seine Nische in der Gastronomie der Innenstadt gefunden. Ribana Bauser hat ein offenes Ohr für ihre Gäste, sie kennt von vielen die Lebensgeschichte und familiäre Umstände. Auch viele ältere, alleinstehende Frauen trauten sich, in dieses Café zu gehen, erläutert der Chef, der mit Herzblut bei der Sache ist. Die meisten Gäste kämen drei-, viermal pro Woche, manche auch jeden Tag. Dass häufig auch Mütter mit kleinen Kindern eine Pause im Café einlegen, ist ihm besonders wichtig. Auch wenn es da mal lauter werden kann.

Bis zur Pandemie hat das Ehepaar Bauser noch jeden Tag selbst gekochtes Mittagessen angeboten, jetzt gibt es nur noch donnerstags warmes Essen – auf besonderen Wunsch der Stammgäste. Schließlich stemmt das Ehepaar heute den Betrieb ganz alleine, während es früher drei Festangestellte und fünf Aushilfen hatte. Personal zu finden, auf das man sich verlassen könne, werde immer schwerer. Studenten beispielsweise hätten dann, wenn sie im Café gebraucht werden, nämlich morgens, keine Zeit, weil sie an der Uni sein müssen. Bis vor drei Jahren hat das Ehepaar nach eigenem Bekunden nie Urlaub gemacht, jetzt nutzen die beiden zumindest Brückentage, um mal rauszukommen. So können sie zum Beispiel den Sohn zu besuchen, der im Ausland studiert.

Besondere Fotos von der Stadt

Mit dem Standort in der Kerststraße ist Hans-Joachim Bauser grundsätzlich zufrieden, Sorgen bereiten ihm aber die Leerstände ringsum. Er findet, man könnte im Unionsviertel, im Herzen der Stadt gelegen, mehr anbieten. Wie schön es in Kaiserslautern ist und was es alles zu sehen gibt, das beweisen im Übrigen Fotografien, die die Wände des Cafés schmücken. Jugendliche haben während eines pädagogischen Projekts vor ein paar Jahren ihre Impressionen von der Stadt aufgenommen. Als Bauser gefragt wurde, ob man die Ergebnisse im Café aufhängen könne, hat er begeistert zugestimmt. Und, wen wundert’s, natürlich war es ein Stammgast, der den Anstoß gegeben hat.

Info

Geöffnet ist Montag bis Freitag in der Winterzeit von 7 bis 17 Uhr, in der Sommerzeit bis 18 Uhr, Samstag von 7 bis 14 Uhr. Sonntags ist geschlossen.

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