Kaiserslautern
Kennst Du Lautern: Der Engelshof wird durch die Nähe zur Gartenschau aufgewertet
Um Lautern kennenzulernen, muss man auch durch die ehemaligen Randsiedlungen spazieren. Jede hat eine individuelle Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte. Trotz der Bindung an den Stadtkern im Laufe der Jahre, haben alle ihren Charakter bewahrt, so auch der Engelshof.
Zwischen dem alten Lauterbett und der Lauterstraße entsteht die Siedlung Engelshof in den Jahren 1933/34. Durch die Nähe der Gartenschau ist dieses Stadtquartier sichtbar aufgewertet. Keinem der Häuser ist die ursprüngliche Siedlerbauweise anzusehen. Schmucke Wohnhäuser sind aus den Siedlungshäuschen geworden. Die meisten Bewohner haben angebaut, verändert oder erweitert.
Als 1932 die ersten Pläne einer Caritassiedlung auf dem Areal des späteren Engelshofs „in einfachster Bauweise“ vorliegen, schreibt Stadtbaumeister Hermann Hussong am 17. Dezember 1932 mahnend an die Regierung in München, die dem Bau zustimmen musste: „Künftige Siedlungspolitik soll sich nicht auf diese Primitivbauten abstellen.“ Für die Caritassiedlung war kein Straßenausbau vorgesehen, nur Wegebau, kein Gas, kein Strom, kein Kanal – und der Abort außerhalb des Hauses. Es ging nur darum, neuen Wohnraum zu schaffen. Der Caritasverband beschloss zusammen mit der Bayerischen Bezirksfürsorge im Frühjahr 1933 etwa 30 Siedlerstellen im Erbbaurecht zu schaffen, die dann auch bebaut wurden.
Ein erheblicher Eingriff in die ruhige Lage der Siedlung ergab sich schon kurz nach der Fertigstellung 1934. Der Autobahnbau erforderte eine 30 Meter hohe Brücke, die Lautertalbrücke. Sie führte zum Teil über Häuser. Im Frühjahr 2007 mussten elf Häuser im unmittelbaren Brückenbereich abgerissen werden, weil die A 6 ausgebaut wurde.
Der historische „Engelhardshof“ lag rechts der Lauterstraße, etwas weiter nördlich als die heutige Siedlung. Josef Engelhard aus Katzweiler hatte den kleinen Bauernhof 1832 gebaut und bewirtschaftet. Die Stadt riss die Gebäudereste 1962 ab. Der Siedlungsbereich wurde zunächst umgangssprachlich zum Engelshof.
Alle Straßennamen der Siedlung vergab die Stadt erst 1969: Am Kaiserwoog, Am Woogdamm, Am Eselsbach. In historischer Zeit befand sich der Kaiserwoog in diesem Bereich, eingebettet vom Kaiserberg, dem Mühlberg, dem Alberichsberg und dem Fischerrück. Die Waldlauter, der Eselsbach und der Vogelbach speisten den Kaiserwoog, in dem 1497 ein mehr als 350 Pfund schwerer Hecht geangelt worden sein soll. Der „Hecht aus dem Kaiserwoog“ bereicherte die kurfürstliche Tafel in Heidelberg.