Kaiserslautern Keine Minute Leerlauf

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Rund 800 Musikfreunde waren am Sonntag bei der neunten Jazzwanderung durch die herrliche Landschaft rings um die Landstuhler Burg Nanstein dabei. Sie erlebten bei idealem Wanderwetter an vier Stationen Dixieland, Blues und Boogie live. Dass die Wanderer nicht zu hungern brauchten, dafür sorgten Organisator Franz Wosnitza sowie die Old Jazz Union mit kulinarischen Spezialitäten und Pfälzer Spezialitätenmarkt.

Frühaufsteher hatten sich noch den Sand aus den Augen gerieben, da eröffnete Wosnitzas Little Jazz Orchestra um 10 Uhr schon auf der Burg Nanstein das fröhliche Treiben. Bereits 250 Musikbegeisterte hatten sich hier eingefunden, als wollten sie die Burg erstürmen. Viele Gäste, die aus der weiteren Region, sogar aus Gießen, eigens zu dem Ereignis angereist kamen, konnte Stadtbürgermeister Klaus Grumer begrüßen, der gut gelaunt meinte, für das gute Wetter sei in Landstuhl der Bürgermeister zuständig, für das schlechte Wetter hingegen die Opposition. Das musikalische Quartett legte gleich los wie die Feuerwehr und vermittelte eine leichtherzige Unbeschwertheit, die unbedingt ansteckend wirkte. Mit seinen furiosen Schleuderklängen auf dem Kornett ließ Franz Wosnitza die Burgmauern erzittern. Er verstand es aber auch, mit dem Dämpfer zu spielen und seinem Instrument komplexe Klangfarben zu entlocken. Ganz in seinem Element fühlte sich auch Helmut Engelhard. Mit seiner sensibel gespielten Klarinette gab er dem Quartett die neben aller Vitalität so charakteristische Zartheit, während Johannes Maiß auf dem Sousafon den kraftvoll-rauen New-Orleans-Stil repräsentierte. Mit seinem Banjo war Henrik Dahn nicht nur ein virtuoser Begleiter, sondern auch ein Melodienzauberer mit gesanglich wohltönenden Linien. Zudem verlieh er mit seiner schönen, glatten Stimme den Stücken die notwendige Nostalgie. Durch herrlichen Wald und über Felsstufen abwärts ging es eine dreiviertel Stunde lang weiter bis zum Cubo-Naturerlebnisbad. Um sich dort zu erfrischen, blieb jedoch keine Zeit, denn hier schlug die südpfälzische Formation Sauer & Power die Wanderer mit Modern-Jazz und Rhythm’n’ Blues in den Bann. Die Interpretationen der Soulsängerin Petra Sauer waren gespickt mit atmosphärischen Wechselbädern und unerwarteten Stimmungsumschwüngen, die die Band mit explodierenden Rhythmuswechseln begleitete. Bei Jazzklassikern wie Herbie Hancocks „Watermelone Man“ begeisterte der Benjamin der Band, Philipp Evertz, mit einem hochartistischen Feuerwerksstil, und virtuos agierte Michael Heid auf der Bluesharp. Und schon ging’s weiter. Am Bärenlochweiher wartete bereits die Stefan Kahne Band, die mit Elvis-Presley- und Chuck-Berry-Songs die wilden 1950er Jahre wieder aufleben ließ. Bei „Johnny B. Goode“ oder „Oh Boy“ wurden die müden Gelenke wieder frisch und erlaubten manchem Pärchen ein Tänzchen. Und bei der tollen Stimme von Stefan Kahne und dem Groove der ganzen Band schlug der Bärenlochweiher schiergar Wellen. Der größte Hit des Tages sollte aber noch kommen. Über Felsentreppen aufwärts, vorbei an der bizarren, riesigen Felsformation des Hexentanzplatzes, hieß es hochkraxeln zum Herrengärtchen, von wo sich dem Wanderer eine herrliche Aussicht über den Westrich bot. Hier tanzten in der Tat die Hexen. Die Neuen Wandermusikanten um den Schneckenhausener Tubisten Roland Vanecek ließen den Bär los. Vanecek entlockte seinem Sousafon außergewöhnliche melodische Linien von rhythmischer Komplexheit, ebenso wie Clemens Braun auf der Posaune. Igor Rudytsky und Florian Wehse bliesen eine Trompete voll außergewöhnlicher Dynamik und Vitalität und trafen noch in Wolkenkratzerhöhen jede Note haargenau. Kongenial traten ihnen Arne Moss und Thomas Hammer auf ihrem Mini-Schlagzeug zur Seite. Als die „Hot-Six“ dann noch im Chor um die Wette sangen, war die Hochstimmung nicht mehr zu bremsen. Noch 20 Minuten bis zur Endstation auf dem Nanstein. Neun Kilometer waren geschafft. Nur noch Durst, Durst, Durst. Mit Ausruhen war’s jedoch nichts. Denn hier hielt das Albert Koch Trio die müden Knochen auf Trab. Auf seiner Mundharmonika entpuppte sich Koch als Daniel Düsentrieb, und Jürgen Schulz sowie Norbert Roschauer schlugen dazu auf ihren Gitarren in magischen Klanggemälden und bläserähnlicher Intensität einen Bogen vom Mississippi-Delta-Blues über mitreißenden Ragtime bis zum urbanen Rock’n’Roll. Mit ungeheurer Kraft spielten zum Finale dann nochmals Wosnitzas Little Jazz-Orchester sowie die Wandermusikanten und trieben die Stimmung auf dem bis auf den letzten Platz besetzten Vorplatz der Burg auf den Höhepunkt.

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