Kaiserslautern
Keine Arbeit und große Sorgen in den Behinderten-Werkstätten
„Da ist ganz viel Unsicherheit und große Traurigkeit“, erzählt Nadja Bier, Regionalleiterin für die West- und Vorderpfalz beim Evangelischen Diakoniewerk Zoar. Die Entscheidung des Landes, die Werkstätten zu schließen sei richtig, „das Wichtigste ist, dass sich die Verbreitung des Coronavirus„ verlangsamt“. Aber gerade die Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, „die ohnehin schon Probleme mit der Kontaktaufnahme und -pflege haben“, trifft diese Situation nun hart. „Für viele brechen soziale Kontakte komplett weg“, sagt auch Bettina Rivera, Leiterin der Westpfalz-Werkstätten. Als die Schließung endgültig war, hat sie Fragen gehört wie, „Muss ich jetzt wirklich nach Hause?“, „Wann darf ich wieder zur Arbeit kommen?“. Diejenigen, die eine geistige Behinderung haben, könnten nur schwer verstehen, was gerade mit ihnen und ihrem Arbeitsplatz passiere, erzählt Bier. Die Situation ist nur schwer zu vermitteln.
Lieferketten sollen eingehalten werden
Dazu mische sich die Sorge der Menschen und ihrer Angehörigen, „selbst krank zu werden, aber viele machen sich auch Sorgen um ihre Arbeit, weil es zu Hause ja doch langweiliger ist, sie ihre Kollegen nicht mehr sehen“, berichtet Rivera. Laufende Aufträge werden von den verbliebenen Mitarbeitern bearbeitet. „Wir versuchen mit unseren Tarifmitarbeitern die Lieferketten einzuhalten, es gibt ja nach wie vor einiges, das abgerufen wird“, erzählt Bier. Dadurch solle dafür gesorgt werden, dass die behinderten Menschen auch zukünftig einen Lohn bekommen, „der kommt ja aus den Produktionserlösen“, sagt Bier. Ähnliches berichtet auch Rivera, die verbliebenen Mitarbeiter sichern die Aufträge.
Ruhig geworden ist es aber dennoch: „Zu ihrem eigenen Schutz sind die Menschen jetzt erst mal im häuslichen Bereich oder in den Wohneinrichtungen“, so Rivera. Denn gerade für behinderte Menschen ist das Risiko bei einer Infektion groß. Viele der Werkstatt-Beschäftigten haben beispielsweise Schädigungen der Lunge, „da wäre jede Krankheit, die die Atemwege betrifft, schlecht“, andere sind Diabetiker. Auch bei Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, komme es häufiger vor, dass sie Probleme mit der Luft haben.
Notbetreuung in Siegelbach und bei der Dipro
In den Einrichtungen des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz, Träger der Westpfalz-Werkstätten, sowie beim Evangelischen Diakoniewerk Zoar halten die Mitarbeiter weiter Kontakt zu den behinderten Beschäftigten, in Einzelfällen gehen sie sogar mit ihnen spazieren, berichtet Bier. In Siegelbach und bei der Dipro ist eine Notbetreuung eingerichtet, für all jene, die Zuhause nicht ausreichend versorgt werden können.
Am Volkspark in der Zoar-Wohnanlage ist die Stimmung trotz allem „eigentlich ganz ruhig und positiv“. Bei Pflegetätigkeiten, bei denen sich ein näherer Kontakt nicht vermeiden lasse, tragen die Mitarbeiter einen einfachen Mund- und Nasenschutz. „Wir haben in Kaiserslautern und in Rockenhausen auch angefangen, selbst Mundschutz zu nähen.“ Die Baumwoll-Masken sind bei 95 Grad waschbar und werden zunächst nur für den eigenen Gebrauch gefertigt.
Die finanziellen Folgen der Werkstättenschließungen sind für Rivera und Bier noch nicht oder nur schwer absehbar. „Das hängt entscheidend auch davon ab, wie die Industriefirmen, für die wir Aufträge bearbeiten, reagieren“, sagt Rivera. Die Vergütungssätze werden zunächst bis Ende des Monats weitergezahlt, „aber darüber hinaus wissen wir es noch nicht“, fügt Bier an.
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