Kaiserslautern
Kein Wechselunterricht ab Februar: Die Lage an der Grundschule Betzenberg
Zum Start ins zweite Schulhalbjahr 2020/21 war die Grundschule Betzenberg gut vorbereitet. Mit Gruppen von fünf bis sechs Kindern hatten sich Schulleiterin Julia Coressel und ihr Kollegium ab Montag, 1. Februar, an ihrer Schule mit neun Klassen und 165 Kindern auf Wechselunterricht eingestellt. Die ersten und zweiten Klassen hätten von acht bis zwölf Uhr, die dritten und vierten Klassen von acht bis dreizehn Uhr Unterricht gehabt. Im Wechsel wäre jede Klassenstufe eine Woche dreimal, die andere Woche zweimal zum Unterricht erschienen. „Das Hygienekonzept hat gestimmt. Der Wechselunterricht wäre eine relativ sichere Sache gewesen“, so die Schulleiterin.
80 Prozent der Schülern wären zum Wechselunterricht gekommen
Doch so gut der Wechselunterricht vorbereitet gewesen ist, geht der Unterricht der Schüler an der Grundschule Betzenberg wie für alle Grundschüler in Rheinland-Pfalz ab Montag zu Hause weiter. Grund sind die in Baden-Württemberg aufgetretenen Coronavirus-Mutationen und deren noch nicht absehbarer Gefährlichkeit, die das Mainzer Bildungsministerium veranlasst hat, den Start des Wechselunterrichts an Grundschulen kurzfristig zu stoppen.
„Viele Eltern und Kinder hatten sich auf den Wechselunterricht eingestellt und sich auf ihn gefreut“, berichtet Julia Coressel. 80 Prozent der Kinder wären einem Wechselunterricht gefolgt. Die Schulleiterin berichtet von einem Telefongespräch, in dem ihr eine Mutter unter Tränen erzählt habe, wie sehr ihr Kind unter der gegenwärtigen Situation leide und es froh wäre, lieber heute als morgen wieder regelmäßig den Unterricht in der Schule besuchen zu können.
Stimmung im Kollegium trotz Fernunterricht gut
„Jetzt werden wir wieder zum Fernunterricht zurückkehren“, so Julia Coressel. Wie in den ersten Wochen des neuen Jahres wird es an der Grundschule Betzenberg eine Notbetreuung für Kinder geben. Rückblickend berichtet die Schulleiterin, dass die Stimmung während des Fernunterrichts im Kollegium sehr gut gewesen sei. Jeder sei an seine Grenzen gegangen, und doch habe es auch viel zu lachen gegeben.
Probleme habe die Internetverbindung bereitet. Videokonferenzen seien wegen einer schlechten Verbindung nicht möglich. Mit ihren Kolleginnen hat Julia Coressel von ihrem Arbeitsplatz von zu Hause aus konferiert. Ein Grund für die Klassenlehrerinnen, für ihre Schüler wöchentlich neue Arbeitspakete zu packen. Hinzu kommt, dass nicht alle Eltern über eine digitale Ausstattung verfügen.
Die wöchentlichen Arbeitsmaterialien seien den Schülern auf dem Schulhof unter einem überdachten Bereich übergeben worden. Der Vorteil: „Schüler und Eltern konnten Fragen stellen und bekamen von den Lehrerinnen eine Antwort.“ Auch habe es den Pädagoginnen am Herzen gelegen, ihre Schüler mal wieder zu sehen. Die Kommunikation mit den Eltern sei überwiegend über die App Sdui gelaufen. Die App sei gut für den nachrichtlichen Austausch, zum Herunterladen von Arbeitsaufträgen jedoch weniger geeignet. Ein weiterer Vorteil der App sei, dass Eltern mit Migrationshintergrund die Nachricht in ihre jeweilige Muttersprache übersetzen lassen können, erläutert die Schulleiterin.
Die Schulsozialarbeiterin ist eine große Hilfe
Mit 60 Prozent der Schüler sei der Ausländeranteil in der Schule hoch. Hinzu komme, dass selbst Kinder deutscher Eltern oft Probleme mit der Muttersprache hätten. Eine große tägliche Hilfe für Schüler, Eltern und Lehrerinnen im Schulalltag ist die Sozialarbeiterin an der Grundschule Betzenberg. Sie ist an Schultagen von 8 bis 16 Uhr erreichbar, helfe im Unterrichtsalltag, schlichte Streit zwischen Schülern, mache Behördengänge und leiste Familienhilfe, umreißt Julia Coressel das Aufgabengebiet der Schulsozialarbeiterin.
Die Halbjahreszeugnisse bekamen die Schüler teils bei der Ausgabe der Arbeitsmaterialien, teils per Post nach Hause. „Wir sind froh, dass wir Arbeit haben und gesund sind. Alles andere ist Jammern auf hohem Niveau“, sagt die Schulleiterin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Julia Coressel leitet die Grundschule Betzenberg seit sieben Jahren.