Kaiserslautern
Kein unbeschränkter Eintritt zu Olli Schulz
Aktuell ist Olli Schulz auf Tour. Nur er mit Akustikgitarre. Intim und persönlich sollen die Konzerte sein. Und deshalb hat sich Schulz dazu entschlossen, die regionale Presse von seinen Auftritten auszuschließen (die RHEINPFALZ berichtete). Er möchte verhindern, dass sein Programm schon während der Tour nach außen dringt.
Eine Entscheidung, für die er bei seinem Auftritt in der Kammgarn in Kaiserslautern Beifall bekam. Und eine Entscheidung, die Schulz mit dem Wunsch in einen Topf warf, dass möglichst keiner seiner Gäste mit dem Handy Bilder und Videos machen sollte und so eben möglichst gar nichts aus diesem Konzertabend hinterher im Internet zu finden ist. Die Zuschauer hielten sich tatsächlich fast durchgängig an diese Vorgabe.
Handy-Verbot wird fast eingehalten
Der Wunsch nach einem Smartphone-freien Konzertabend ist auch weder neu noch verwerflich. Viele Künstler machen das inzwischen, um der mitunter ausufernden Menge an leuchtenden Bildschirmen im Publikum Herr zu werden. Doch der Ausschluss der Presse ist damit nicht in einem Topf zu werfen. Man stelle sich einfach mal vor, dieses Presseverbot wäre an anderer Stelle passiert. Stellen Sie sich vor, Xavier Naidoo hätte eine Berichterstattung über seine Comeback-Tour untersagt. Wie groß wäre der Aufschrei dann wohl gewesen? Und das ebenfalls völlig zu Recht.
Was bringt ein Presseausschluss?
Schließlich ist ein solcher kategorischer Presseausschluss eben auch ein Eingriff in die Pressefreiheit und damit in die Grundrechte. Kontroverse Künstlerinnen und Künstler würden da ganz schnell erst recht in den Fokus der Journalisten geraden. Olli Schulz öffnet mit seiner Entscheidung in dieser Hinsicht also nicht nur die Büchse der Pandora. Er schießt sich auch ein Eigentor in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.
Bleibt die Frage nach dem Nutzen. Was hat Olli Schulz denn davon, die Presse auszuschließen? Ja, er verhindert ein Stück weit die Berichterstattung über sein Programm. Aber eben nur ein Stück weit. Jedem Gast seiner Veranstaltung steht es dennoch frei, auch in geschriebenem Wort über den Abend zu berichten. Auf Instagram, auf Facebook, in einem Blog – oder sogar in einer Zeitung. Jeder Journalist kann sich ein Ticket kaufen, jeder Hobby-Musikreporter ebenso.
Wo Maulkörbe eher üblich sind
Am Ende war der Abend mit Olli Schulz in der Kammgarn unterhaltsam, bot aber nicht wirklich etwas, was diese Geheimnistuerei rechtfertigen würde. Klar sprach der 52-Jährige über viele persönliche Themen, packte Lieder aus, die er sonst wohl nicht im Repertoire hat oder die (noch) gar nicht veröffentlicht sind. Auf Details verzichtet der Autor nun aber an dieser Stelle. Nicht aus Respekt vor der merkwürdigen Entscheidung des Künstlers, sondern aus Respekt der Kammgarn gegenüber.
Bleibt die Hoffnung, dass Olli Schulz im Nachgang noch mal über seine Entscheidung reflektiert. Denn Pressemaulkörbe kennt man aktuell ansonsten eher aus einer speziellen Ecke der deutschen Politiklandschaft. Und mit der identifiziert sich Schulz normalerweise nicht.