Kaiserslautern Kein Schonwaschgang

Placeholder-Image

Keine langweiligen Reden, dafür anschaulichen Unterricht in der Psychologie des Humors: Das gab es am Donnerstagabend beim „Alternativen Neujahrsempfang“ im Cotton Club mit Night Wash Live. Vier Top-Comedians aus dem Kölner Waschsalon brachten die Lachmuskeln des Publikums zum Beben.

Eine unvergleichliche Mischung aus Stand-Up, philosophischem Flach- und Tiefgang und erschütterndem Witz präsentierte Horst Fyrguth als Moderator, der schon im September beim Kammgarn-Comedy-Festival „Lautern lacht“ für Furore sorgte. Das Leben sei hart zu ihm gewesen, verriet er. Aber Horst wurde härter. Als ehemaliger Waldorfschüler ist er gezeichnet. Selbstironie durchzieht das Programm des Rheinländers. Besonders macht er sich lustig über seine Figur. Aber lieber wolle er sich zwei Wochen im Urlaub schämen, statt sich das ganze Jahr zu quälen. Seine intelligenten Einsichten und die Art, der Menschheit mit seiner unverschämten „Ihr könnt mich mal“-Haltung zu begegnen, sind hintergründig gesellschaftskritisch. Kein Auge trocken bleibt auch beim türkischen Schauspieler und Komiker Serhat Dogan. Dem 43-Jährigen, der in Köln geboren ist, aber dann in die Türkei zog, gelang es tatsächlich, mit einem Comedy-Visum wieder nach Deutschland einzureisen. Am Zebrastreifen habe der Taxifahrer angehalten, wunderte er sich. „In der Türkei wär der Fußgänger jetzt tot.“ Noch erstaunter war er, als eine Frau ihm das Angebot machte, mit ihm zu schlafen. „Toll! In der Türkei musst du Vater und Mutter um Erlaubnis fragen, nach Wochen wird die Hochzeit gefeiert. Und das Ganze kostet mindestens 2000 Euro. In Deutschland kriegst du das für 100 Euro.“ Noch mehr verwunderte ihn die Lebensart: „In Bayern sind alle betrunken und singen. In Sachsen sind alle betrunken und schimpfen. Und in Hoyerswerda sind alle jung und haben schon Glatzen.“ Charmant, gewandt und provokant gab sich der Musik-Kabarettist Robert Alan. Einer, der die harte Schale zeigt und doch ein großer Romantiker ist. Die Auszeichnung mit dem renommierten Passauer „Scharfrichterbeil“ spricht für den leidenschaftlichen Musiker und Comedian. Humor, erklärte er, sei das Mittel, um einen Schlaganfall zu erkennen: „Neulich trat ich in Kassel auf, da hatte über die Hälfte des Publikums einen Schlaganfall.“ Alle großen Songs seien für Frauen geschrieben: „Uschi Obermaier-Lovesong von Mick Jagger, Keith Richards, von Jimi Hendrix. „Wenn du fremd gegangen bist, schreibst du zwei Lovesongs.“ Pianistisch zeigt er sich dabei auf hohem Niveau. Als stolzer Papa präsentiert sich schließlich der waschechte Kölner Jan van Weyde. Der Schnellredner, bekannt unter anderem als Synchronsprecher und als chaotischer Hotelpage in „Sturm der Liebe“, stellt die verschiedenen Lachtypen vor: Kurz vor dem Aufstoßen lache sein Vater, rückwärts lache seine Mutter, und sein Opa pruste Vokale verbunden mit Erbrochenem heraus. Der Kölner jedoch lache gerne über sich selbst, so dass man ihn beim Witzeerzählen gar nicht mehr verstehen könne – was das Stimmenwunder anschaulich macht. Besser konnte die Stimmung im Cotton Club nicht sein. Langanhaltender Beifall für alle Protagonisten.

Mehr zum Thema
x