Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kein Schandfleck mehr: Wohnen, Arbeiten und Staunen im ehemaligen C&A-Gebäude

32 Millionen Euro hat die PRE am Standort des ehemaligen C&A-Gebäudes investiert.
32 Millionen Euro hat die PRE am Standort des ehemaligen C&A-Gebäudes investiert.

Seit drei Jahren läuft der Umbau in dem früheren Bekleidungshaus in der Eisenbahnstraße. 32 Millionen Euro hat die PRE investiert. Auch 40 Wohnungen sind entstanden.

Das frühere C&A-Gebäude, das seit 2015 leer stand und vor sich hin gammelte, ist wieder belebt. Die neue Fassade erinnert an die alte, ist nur viel schicker. Um mehr Wohnraum in der City zu schaffen, ist der alte Gebäudekörper aufgestockt worden, ebenso das ehemalige Deichmann-Gebäude. Zur Weberstraße hin sind ebenfalls Wohnungen in einem Neubau entstanden, insgesamt 40, zwischen 65 und 175 Quadratmeter groß. „Wir halten das Gebäude komplett in unserem Bestand und vermieten alle Einheiten“, kündigt Gunther Pfaff, einer der Geschäftsführer der PRE-Gruppe, an. „Die Nachfrage ist groß, weil die meisten Bauträger nur verkaufen“, betont er. Zu den Interessenten gehörten Junge und Ältere gleichermaßen. „Die Leute wollen zu Fuß den Bahnhof, Cafés und den Wochenmarkt erreichen.“ Das habe natürlich seinen Preis, erläutert PRE-Gesellschafter Michael Wenk. Dafür gebe es einen abgeschlossen Fahrradraum, E-Ladesäulen, Glasfaseranschluss, Garagenstellplätze, Balkone und Aufzüge. Der Innenhof wird noch begrünt, ebenso wie alle Dächer, führt Pfaff aus. Das ganze Projekt sei nachhaltig und ökologisch, errichtet wurde es in Hybridbauweise, die Innenwände und die kompletten Außenwände sind aus Holz, neben Fernwärme wird mit Wärmepumpen geheizt und gekühlt, die Photovoltaikanlage ist auf eine Leistung von 100-Kilowatt-Peak ausgelegt. „Wir wollen auch Mieterstrom anbieten“, sagt der Mann von der PRE. Die ersten Wohnungen sollen im September bezogen werden, kündigt er an.

Neue Betreiber für Café gesucht

Das Institut für Technologie und Arbeit ist schon vor Wochen ins erste Obergeschoss eingezogen. Dessen Chef Tino Baudach schwärmt. „Die Atmosphäre hier ist fantastisch, sehr modern, die Räume sind hell, wir arbeiten am Puls der Zeit.“ Bei Konferenzen könne er Räume im „42kaiserslautern“ anmieten, „einfach klasse“. Hinter dem „42kaiserslautern“ verbirgt sich auf 1000 Quadratmetern viel Raum, auf dem Bürger Zukunftstechnologien erleben können, erfahren, was an der Uni und der Hochschule sowie in den Instituten läuft. Dieter Rombach, Vorstandsvorsitzender der Science Alliance, sagt: „Das ist eine zukunftsweisende Kreation, Kommunikation und Austausch, kombiniert mit Wohnen und Arbeiten.“ An dem Standort finde Stadtentwicklung statt, „das ist ein Modellprojekt für Rheinland-Pfalz, wie Ministerpräsident Alexander Schweitzer bei der Eröffnung im März betont hat“. Das „42kaiserslautern“ läuft laut Rombach sehr gut. „Wir hatten im ersten Jahr mit 15.000 Besuchern kalkuliert, jetzt sind wir schon bei 30.000, das Konzept wird angenommen, was auch an vielen interessanten Veranstaltungen liegt und daran, dass Vereine einmal im Jahr kostenlos Räume nutzen können.“ Das sei ein wichtiger Beitrag zur Belebung der Innenstadt. Kleiner Wermutstropfen: Das Café im „42“ namens „Mittendrin“ hat schon wieder geschlossen. „Wir haben zum Glück Angebote, wir wollen wieder ein Café haben, das innovativ ist und in das sehr schöne Ambiente passt“, so Rombach.

Sie wollten keine Supermärkte

Die Gesellschafter der PRE-Gruppe, zu der neben Pfaff und Wenk noch Willy Fallot-Burghardt und Hans Höhn gehören, hören gerne Lob. 32 Millionen Euro haben sie in den C&A- Umbau, der seit drei Jahren läuft, investiert. „Wir hätten auch an zwei Supermärkte vermieten können, dann hätten wir eine höhere Rendite erzielt“, sagt Wenk. Genau das wollten er und seine Mitstreiter aber nicht. „Wir wollten etwas für Kaiserslautern tun und uns nebenbei breiter aufstellen.“ Die PRE GmbH hatte 1997 die alte Holtzendorf-Kaserne erworben und dort einen Gewerbepark entwickelt. Es folgte 2002 der Komplettabriss des alten Rangierbahnhofs an der Trippstadter Straße und die Neuerschließung des sogenannten PRE-Uni-Parks, wo heute ein Fraunhofer-Zentrum und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz ihren Sitz haben. Die PRE war es auch, die die einst militärisch genutzte Fläche rund um die Fliegerstraße zu einem Wohngebiet umgewandelt hat. „Der C&A-Umbau ist unsere erste innerstädtische Konversion“, betont Wenk. Er soll wegweisend sein, weil in Zukunft wohl mehr und mehr Einzelhandelsflächen anders genutzt werden müssen.

Was Wenk besonders charmant findet: Die Mieter einer Büroeinheit haben sich dazu entschieden, eine der 40 Wohnungen zu beziehen. Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, das werde mehr und mehr kommen, ist er überzeugt, „das ist eine perfekte Kombi“. Insgesamt gibt es in dem Komplex zehn Büroeinheiten, bis auf eine sind alle vergeben. Eingezogen sind unter anderem die Barmer, Infront und DAS Innovation. Den gewerblichen Mietern steht ein 700 Quadratmeter großer Dachgarten, auf dem einmal zehn Meter hohe Bäume Schatten spenden sollen, zur Verfügung. „Wir haben hier mehr Grün als die ganze Eisenbahnstraße in Summe“, so Pfaff.

„Das Baumanagement war sehr herausfordernd“

Das Projekt ist auf der Zielgeraden, sagt der Investor. „90 Prozent ist schon umgesetzt.“ Leider habe die Bauphase doch etwas länger gedauert als geplant. „Das lag vor allem an den Handwerksbetrieben, die sind voll mit Arbeit, da ist von einer Krise auf dem Bau nichts zu spüren.“ Das Baumanagement sei deshalb sehr herausfordernd gewesen. „Und mit Kostensteigerungen von bis zu 30 Prozent hatten wir seit Oktober 2022, als es losging, auch zu kämpfen“, gesteht Pfaff.

Sybille Pirrung, eine Art Quartierssprecherin der Eisenbahnstraße, ist begeistert von der Entwicklung. „Das ist ein Lichtblick, wir haben wieder deutlich mehr Frequenz hier“, sagt sie. Das C&A-Gebäude sei architektonisch gut geworden, „richtig schön“. Die Stadtbildpflege müsse jetzt dafür sorgen, dass es sauber bleibe in jener Straße, die Hauptverbindungsachse vom Hauptbahnhof in die Innenstadt ist.

Oben gibt es einen großen Dachgarten.
Oben gibt es einen großen Dachgarten.
Blick auf den Neubau in der Weberstraße von einer Dachterrasse aus.
Blick auf den Neubau in der Weberstraße von einer Dachterrasse aus.
PRE-Gesellschafter Gunther Pfaff.
PRE-Gesellschafter Gunther Pfaff.
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