Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Transferzentrum „42 Kaiserslautern“ bekommt Geldgeschenk zur Eröffnung

Die Eröffnung des 42 zog viel Prominenz an, darunter den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer und Innenminister Michael Ebli
Die Eröffnung des 42 zog viel Prominenz an, darunter den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer und Innenminister Michael Ebling.

Das „42 Kaiserslautern“ will Wissenschaft und Bevölkerung zusammenbringen. Am Donnerstag wurden die Räume eröffnet – und es gab ein Geldgeschenk vom Land: 2,18 Millionen Euro.

Der Bevölkerung auf unkomplizierte Art Wissenschaft nahe bringen: Das ist das Ziel des Transferzentrums „42 Kaiserslautern“ in der Eisenbahnstraße. Bei der Eröffnung am Donnerstagabend waren die Räumlichkeiten jedoch von den Spitzen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefüllt.

Aus Mainz angereist kamen gleich zwei hochrangige Politiker: Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Innenminister Michael Ebling (beide SPD) ließen es sich nicht nehmen, bei der offiziellen Einweihung des innovativen Treffpunkts dabei zu sein. Immerhin finanziert das Land das 42 zur Hälfte.

Schweitzer lobte den Strukturwandel der Stadt Kaiserslautern von Industrie- zu Wissenschaftsstandort – wie auch Johannes Korz, Geschäftsführer des 42, zuvor dargelegt hatte. Doch diese „Erfolgsgeschichte“ sei noch nicht in der Bevölkerung angekommen. „Zwar können wir alles mit Daten belegen, aber es nützt nichts, wenn die Menschen es nicht in ihrem Alltag spüren.“ Die Ergebnisse der Bundestagswahl seien ein Zeichen dafür, und „wir alle sollten dies als Aufruf verstehen, für die Zukunft, für eine gelungene Transformation zu kämpfen.“ Dazu brauche es jedoch Räume für Austausch, Information und Mitgestaltung – und die biete das neue Zentrum.

Neben diesen Worten hatte Schweitzer aber noch etwas viel Wichtigeres mitgebracht: einen Förderbescheid über 2,18 Millionen Euro, die er Korz vor rund 100 geladenen Gästen überreichte. Diese Gelder sollen dem Betrieb des Transferzentrums in den Jahren 2025 bis 2029 zugutekommen.

Früher reihten sich Kleiderständer aneinander, heute Wissenschaftsstationen

Denn wo sich früher im C&A-Gebäude Kleiderständer aneinanderreihten, präsenteren sich heute auf rund 1000 Quadratmetern Forschung und Wissenschaft – ebenfalls zum Zugreifen. Statt Hörsaal und Fachsprache bietet das 42 anschauliche Wissenschaft für jedermann, mit Praxisbezug und zum Ausprobieren an diversen Exponaten im weitläufigen Erdgeschoss. Ausstellungen und Veranstaltungen sollen den neuen Treffpunkt beleben, Interessierte können auch selbst Räume buchen. Die Eindrücke sacken lassen kann man im Café „Mittendrin“ – „oder auch völlig unabhängig vom Rest hier einen Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen“, betonte Sprecherin Sabine Martin vorab.

Die vielen Stationen wecken Neugierde. Hingucker direkt am Eingang ist Ikarus – ein Flugsimulator, auf dem man mit VR-Brille ausgestattet bäuchlings durch die Lüfte gleiten kann. Die Fraunhofer-Institute laden zum Resilienztraining, zum Wissensquiz oder zum Rollenspiel, „gut für Schulklassen geeignet“, nannte Korz ein Beispiel. Der „Hautarzt“ des DFKI, der stumme SkinDoc, scannt Hautveränderungen und gibt Tipps. Im Haus der Handwerkskammer können smarte Wohnausstattungen getestet werden. Smart Farming heißt es auf dem Pfalzbeet der RPTU.

Für Gruppen gibt es drei Konferenzräume: zwei kleinere und ein großer mit Bestuhlung für rund 100 Personen, „der auch hybrid zu nutzen ist durch Audio in der Decke und großen Bildschirm“, so Knorz. „Die Tische lassen sich beschreiben und als Whiteboards hochklappen.“ Wer im Café arbeitet, aber für eine Videokonferenz oder ein vertrauliches Gespräch Ruhe braucht, kann sich in eine schalldämmende Kapsel zurückziehen.

Die Idee für ein solches Transferzentrum ist schon älter

„Wir wollen Bevölkerung und Wissenschaft zusammenbringen“, betonte Dieter Rombach, Vorstandsvorsitzender der Science and Innovation Alliance (Siak), eine der Hauptinitiatoren des 42. Im Jahr 2023 hat die Siak das Projekt initiiert. „Die Siak-Mitglieder, also die RPTU, die Hochschule, die Institute und Firmen, sind zu 50 Prozent Träger, die andere Hälfte trägt das Land.“ Schon vor 15 Jahren sei die Idee zu einem solchen interaktiven Zentrum entstanden, „aber Wirtschaftsminister Volker Wissing ist zu früh nach Berlin gegangen“, musste Rombach bedauern. Vor vier Jahren hat dann die PRE die Immobilie übernommen und eine gemeinnützige GmbH mit dem Namen „Science City Center“ wurde gegründet.

Der Name war jedoch zu sperrig – und so entstand das 42. Aus mehreren Gründen, wie Rombach erzählte. „Einerseits wegen der Hausnummer 42. Andererseits ist es eine Anspielung auf dem Supercomputer in ,Per Anhalter durch die Galaxis’, der auf die Frage aller Fragen 42 antwortet.“ Außerdem könne der Name individuell gefüllt werden – „für die einen ist es ein Café, für die anderen ein Veranstaltungs- oder Arbeitsraum“, meinte Martin. „Und uns lässt er Raum zur Weiterentwicklung“, ergänzte Knorz.

Nicht nur Technik, auch Kultur soll einen Platz im 42 finden

Auch Kultur soll Platz darin finden, mit Pfalzgalerie-Direktor Steffen Egle sei man bereits in Kontakt. Rombach könne sich zum Beispiel das Thema KI und Kunst gut in den Räumlichkeiten vorstellen. Doch auch weniger hochtrabend darf es zugehen: Bands, Laienschauspieler, Literaten „dürfen sich gern hier ausprobieren“, motivierte er die Bevölkerung.

Die oberen Etagen sind an Gewerbe und als Wohnungen vermietet. Die große Dachterrasse steht tagsüber den Mietern zur Verfügung, abends kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Um die gesamte Eisenbahnstraße aufzuwerten, haben die Initiatoren auch schon in der Nachbarschaft Mitstreiter geworben für einen sogenannten Business Improvement District: „Tun sich mindestens 15 Prozent der Straße zu einem Projekt, zu einem Event zusammen, gibt es Landesförderung“, erläuterte Rombach. Voraussetzung sei eine Vereinsgründung, dann finanziere das Land einen Quartiersmanager zu 50 Prozent.

Um zu erfahren, was sich die Menschen in dem Zentrum wünschen, hatte das 42-Team vorab Befragungen gemacht: Im Internet sowie analog. „An der Uni und Hochschule war es einfach, die Studis haben die Pinnwände vollgeschrieben“, berichtete Korz. Herausfordernder sei es in der Mall gewesen. „Dort mussten wir mit den Menschen ins Gespräch gehen.“ Und es gab nicht nur Zustimmung – sondern Äußerungen wie: „Das sind Perlen vor die Säue; in Kaiserslautern gibt es nur dumme Menschen“, zitierte Korz. Mit dem 42 kann nun das Gegenteil bewiesen werden.

Der vordere Raum im 42 Kaiserslautern bietet diverse Nutzungsmöglichkeiten.
Der vordere Raum im 42 Kaiserslautern bietet diverse Nutzungsmöglichkeiten.
Das Café „Mittendrin“ im 42.
Das Café »Mittendrin« im 42.
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