Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Katrin Tempel stellt historischen Roman vor

Verknüpft Fiktion und Historie : Katrin Tempel.
Verknüpft Fiktion und Historie : Katrin Tempel.

Freiheit, Gleichheit und Demokratie – was heute vielerorts Realität ist, war noch vor ein paar Jahrhunderten nicht mehr als ein Traum – auch in der Pfalz. Die Wahl-,,Pälzerin“ Katrin Tempel ergründet in ihrem abenteuerlichen Roman „Über dem Meer die Freiheit“ genau den Zeitpunkt in der pfälzischen Historie, als der Traum zum Greifen nah schien und doch zu weit weg war: Das berühmte Fest im Hambacher Schloss, wo der Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Demokratie lauter schallte, als je zuvor – und erstmals auch durch weibliche Stimmen bereichert wurde. Allerdings mit herben Konsequenzen. Welche, davon erzählte die Autorin bei ihrer Online-Lesung in der Pfalzbibliothek.

In Düsseldorf geboren, in München aufgewachsen und mittlerweile in Bad Dürkheim heimisch, ist die Journalistin und Autorin über die pfälzische Geschichte quasi „im Lauf der Zeit gestolpert“. So wie sie beinahe über das berühmte Hambacher Schloss „gestolpert“ ist. „Ich muss zugeben, dass ich anfangs ganz überrascht war, als ich bemerkte, dass das Hambacher Schloss hier war“, gestand die Autorin vor den Stream-Zuschauern. „Ich dachte, es sei irgendwo nahe Frankfurt, habe mich aber nicht weiter damit beschäftigt. Und ich habe festgestellt, dass das hier eine wahnsinnig geschichtsträchtige Gegend ist.“

Der historische Anknüpfungspunkt entstand aber nicht in der Pfalz, sondern während eines Urlaubs in den USA. Dort „stolperte“ die Schriftstellerin über eine Ausstellung der „Forty-Eighters“ – zu Deutsch: Achtundvierziger. Gemeint sind die Deutschen, die nach der Niederschlagung der bürgerlich-demokratischen Märzrevolution 1848 für ihre demokratische Gesinnung politisch verfolgt wurden und sich gezwungen sahen, aus Europa zu fliehen und in die Neue Welt auszuwandern. Darunter Juristen, Studenten, Journalisten – „also die gebildete Elite des Landes“, so Tempel. Hier wollten sie ihre demokratischen Werte als Säulen einer neuen Heimat aufbauen und haben damit im jungen Amerika viel bewegt. „Man geht heute davon aus, dass Abraham Lincoln seine Idee von Freiheit und Gleichheit wahrscheinlich von seinen deutschen Freunden bekommen hat“, berichtete die Autorin aufgrund ihrer Recherchen. Auch beim amerikanischen Bürgerkrieg 1861 bis 1865 marschierten 200.000 in Deutschland geborene Soldaten für das Ende der Sklaverei und Gleichberechtigung.

Eine abenteuerliche Reise

Doch alles begann am 27. Mai 1832 im historischen Hambacher Schloss beim berühmten Hambacher Fest – „der ersten großen politischen Veranstaltung, bei der Frauen nicht mehr als Dekoration eingeladen waren, sondern etwas im Kopf hatten und reden durften“, so Tempel. Eine von ihnen hat sich die Autorin für ihren Roman einfach frei erdacht: Charlotte Trautmann, die zusammen mit den Fliehenden nach Amerika geht und dort an den Gedanken der Freiheit und Gleichheit mitwirkt. Ihren Vater gab es im wahren Leben tatsächlich: Christian Trautmann, ein Drucker im heutigen Neustadt an der Weinstraße, der ebendort revolutionäre Schriften und Lieder druckte. Verlobt ist Charlotte mit einem finanziell frustrierten Winzer, Friedrich Wirth, der durch die hohen Steuerabgaben seinen Wein entweder gar nicht oder viel zu teuer verkaufen muss. Unter einer schwarz-rot-goldenen Kokarde für die Winzer-Zunft zieht Charlotte mit ihrem Verlobten zum Hambacher Fest und nutzte ihre Stimme für Einigkeit und Demokratie.

Doch nach dem Fest machen die bayerischen Herren dem Traum ein Ende: Charlottes Vater wird verhaftet, ihr Bruder taucht unter, ihr Verlobter stirbt bei einem Unfall, und Charlotte wird verfolgt und bedroht. Ihr einziger Ausweg: alles zu verlieren und zu betteln, eine Zwangsheirat mit einem Bayern oder die Flucht nach Amerika. Ihre Entscheidung treibt sie auf eine abenteuerliche Reise.

Zwischen historischen, mystischen und humorigen Romanen – mit kleinen Abzweigungen zu Kinderbüchern, Haushaltsratgebern und Fernsehdrehbüchern (historische ZDF-Zweiteiler „Dr. Hope“) – weist Tempels Repertoire eine weite thematische Vielfalt auf. „Das, was mir am meisten Spaß macht, ist die Abwechslung“, sagt sie. „Immer nur historische Romane zu schreiben, würde mich irgendwann langweilen.“ Doch die Geschichte ihres Auswanderer-Romans langweilt sie nicht. Im Gegenteil: „Es ist wirklich eines meiner absoluten Lieblingsbücher – wenn nicht sogar mein allerliebstes Buch überhaupt, das ich geschrieben habe“, sagt die Neu-Pfälzerin überzeugt.

Buchtipp

Katrin Tempel: „Über dem Meer die Freiheit“, Piper 2017; 12.95 Euro, im Buchhandel.

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