Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Katharina Welsh-Schied tritt als parteilose Kandidatin fürs OB-Amt an

Bekannt durch ihr Engagement für den Asternweg, nun will sie für den OB-Posten kandidieren: Katharina Welsh-Schied.
Bekannt durch ihr Engagement für den Asternweg, nun will sie für den OB-Posten kandidieren: Katharina Welsh-Schied.

Bekannt ist sie hauptsächlich durch ihr Engagement für den Kalkofen. Doch Katharina Welsh-Schied, wie sie seit ihrer Heirat 2019 heißt, will sich künftig um noch mehr in der Stadt kümmern: Und zwar als Oberbürgermeisterin. Sie hat ihre Kandidatur als Parteilose angekündigt.

Die Vox-Doku über den sozialen Brennpunkt Asternweg bescherte Kaiserslautern 2016 bundesweit einen Schub beim Bekanntheitsgrad – wenn auch nicht gerade zum Positiven. Vorn dabei war Katharina Dittrich-Welsh, wie sie damals noch hieß, als Helferin der ärmsten Mitbürger der Stadt und stets im Kampf um soziale Gerechtigkeit.

Von Armut war sie zwar als kleines Kind durchaus umgeben, selbst blieb sie jedoch davon verschont: als Kind eines Diplomaten in Afrika. In Daun in der Eifel 1978 geboren „kam ich mit vier Monaten mit meinen Eltern erst nach Äthiopien, 1983 zogen wir nach Burkina Faso“, erzählt sie. Im April 1985 ging es in die Pfalz, „erst in die Grundschule Konken und dann aufs Kuseler Gymnasium“. Durch den Besuch der internationalen Schule in Burkina Faso spreche sie Englisch wie eine Muttersprachlerin, mit Französisch und Spanisch zusätzlich habe sie die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht. Drei Kinder aus den ersten beiden Ehen habe sie, seit 2019 ist sie in dritter Ehe verheiratet.

„Ich habe fürs ASZ“ – das Arbeits- und Sozialpädagogische Zentrum – „gearbeitet, doch mein Engagement für den Kalkofen stieß 2015 auf Gegenwind in der Verwaltung“, erzählt sie. Vor die Wahl gestellt habe sie die Arbeit aufgegeben und sich weiter für die sozial Benachteiligten engagiert. Über Wasser habe sich die Alleinerziehende mit verschiedenen Jobs gehalten, darunter im Tattoo- und Piercing-Studio, wovon ihre großflächigen Tattoos zeugen.

Mit ihrem Engagement und ihrer Art hat sich Welsh nicht nur Freunde gemacht: In der Verwaltung und auch Politik stieß sie immer wieder auf Gegenwind, auch vom 2015 gegründeten Verein Asternweg spalteten sich wegen Unstimmigkeiten in der Vereinsführung einige Helfer ab zum Freundeskreis Kalkofen. „Ich polarisiere wohl“, sagt sie selbst. „Entweder man mag mich, oder man mag mich nicht.“

Nachdem ihr die Sanierung im Kalkofen zu schleppend voranging „und die SPD auch blockierte, hatte ich 2016 die Idee, mit fünf Personen nach Mallorca zu gehen“. Dort wollte sie mit einer gemeinnützigen Firma, den „United Activists“, eine Art Ferienlager aufbauen und damit „eine Brücke nach Kaiserslautern schlagen“;: Kinder sollten dort „alle fünf Jahre die Gelegenheit bekommen, Urlaub zu machen“. Wegen zwischenmenschlicher Differenzen sei dieses Projekt jedoch gescheitert, erzählt sie. 2017 habe sie dann eine Reinigungsfirma in Clausen aufgemacht, die sich zum Abbruch- und Asbestsanierungsunternehmen entwickelt habe. „Ich bin die Chefin“, betont sie; ihr Mann, Metallbaumeister, kümmere sich mehr ums Praktische, sie um die Verwaltung und Organisation.

Dass Soziales auf dem „Arbeitsplanprogramm“ – Wahlprogramm will sie es nicht nennen – der OB-Kandidatin weit oben steht, verwundert nicht. „Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau, auch mit der Bau AG zusammen“, sagt sie. Doch als Oberbürgermeisterin wolle sie sich um alle Stadtbewohner kümmern, betont sie. Um die finanzielle Situation Kaiserslauterns aufzubessern, „müssen wir ans Land gehen, es auch wegen des FCK in Regress nehmen“. Wenn es um ihre Kandidatur geht, spricht sie von „wir“ und betont ihr Team, das einige Helfer aus dem Kalkofen umfasse. Auch die Kinderbetreuung müsse verbessert werden, das Handwerk aufgewertet und Berufe über den zweiten Bildungsweg erreichbar sein; überhaupt müsse „die Stadt attraktiver werden, damit die Leute zum Beispiel nach dem Studium hier bleiben“.

Ihre Parteimitgliedschaft in der CDU, in die sie vor knapp zehn Jahren wegen des christlichen Aspekts eingetreten sei, wolle sie nicht aufgeben, erwarte aber auch keine Unterstützung; über ihre Kandidatur sei die CDU-Führung informiert. Die Christdemokraten wollen die neue Sozialdezernentin Anja Pfeiffer aufstellen. Um als Parteilose kandidieren zu können, „brauche ich bei der jetzigen Einwohnerzahl mindestens 230 Unterschriften“, habe sie von der Stadtverwaltung erfragt und ihren Antrag bereits Mitte Oktober eingereicht, sagt sie. Noch sei zwar viel Zeit – die Wahl wird Ende 2022 oder Anfang 2023 stattfinden –, doch sie wolle das Unterschriftensammeln gleich mit Werbung für ihre Person und Ziele verbinden.

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