Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Karsten Tide päppelt in seiner Freizeit verletzte Wildtiere auf

 Karsten Tide mit einer Stockente, die am Volkspark angefahren wurde und ein gebrochenes Bein hat.
Karsten Tide mit einer Stockente, die am Volkspark angefahren wurde und ein gebrochenes Bein hat.

Fuchs, Reh, Wildschwein und Co. sind längst städtische Mitbewohner. Brauchen sie Hilfe, landen sie meist bei Karsten Tide in der Wildtierhilfe Kaiserslautern. Worauf im Notfall zu achten ist und was Bürger besser unterlassen sollten.

Kaiserslautern bietet Wildschwein, Fuchs und Marder, aber auch vielen ursprünglich reinen Feld- und Waldvögeln, einen Lebensraum. All die Wildtiere, sie haben nicht ganz aus freien Stücken Landflucht begangen. Die Menschen waren und sind es, die sich breit machen und den Tieren den Lebensraum entziehen. So sind die Tiere halt „Städter“ geworden. Keine ganz schlechte Variante. Bietet die Stadt doch mit den Mülltonnen, den Vorgärten, den Parks und den Futtersäulen üppige Nahrung. Zudem gibt es ordentliche Unterschlupfmöglichkeiten. Natürliche Feinde sind meist fern. Und der Mensch jagt bekanntlich in der Stadt nicht. Wenn da nur nicht der Straßenverkehr wäre, der zu verunfallten Wildtieren führt. Oder auch die vielen Stubentiger, die Vogelküken schon mal zu Waisen machen. Draußen in der Natur regelt es sich. Kranke, hilflose Tiere sind Nahrung für andere. Da schließt sich der Kreis. Nicht so in der Stadt.

Nicht jedes verletzte Tier muss gerettet werden

Was also tun, wenn etwa ein Fuchs sichtbar Hilfe braucht? „Ansprechpartner ist immer die Feuerwehr oder auch die Polizei, die geben dann meist meine Nummer weiter“, sagt dazu Karsten Tide von der Wildtierhilfe Kaiserslautern. Er sagt aber auch gleich dazu, nicht jedes vermeintlich hilflose Tier müsse „gerettet“ werden und in menschliche Obhut gelangen. Während sich die Wildtiere ziemlich gut mit der Nähe des Menschen arrangieren, fehle beim wahren Städter häufig jeglicher Bezug zur tierischen Natur. Das zeige sich leider auch darin, dass immer noch Füchse gefüttert werden.

„Rollt sich ein Igel im Garten ein und verharrt regungslos, weil sich vielleicht der Hund davor aufgebaut hat, ist das Tier deshalb noch lange nicht hilflos“, berichtet Tide, dass ihn immer wieder auch vermeintliche Hilferufe ereilen, die völlig haltlos sind. Auch Jungvögel, die am Boden sitzen, die sollten auf jeden Fall erst einmal beobachtet werden. Meist werden sie weiter von den Vogeleltern gefüttert. Deshalb fragt Tide bei einem Notruf erst einmal gezielt nach. Ist Hilfe geboten, vereinbart er einen Treffpunkt, meist auf halbem Wege, und übernimmt das hilfsbedürftige Wildtier, lässt es, wenn notwendig, tierärztlich versorgen und bringt es dann in seine Wildtierhilfe-Station in Neuhemsbach. Vögel kommen in der Regel nach Hochspeyer zur Tierhilfe.

Schwarzwild nimmt er nicht auf

Der 44-jährige engagiert sich schon länger in der Tierhilfe, zeichnet seit 2014 für die Wildtierhilfe Kaiserslautern verantwortlich. Ehrenamtlich neben seinem Job als Möbelschreiner. Er päppelt verletzte und untergewichtige Igel, Marder, Füchse oder Greife und andere Wildtiere auf seine Kosten und in seiner Freizeit auf und entlässt sie, sobald sie fit sind, wieder an einer für das jeweilige Tier passablen Stelle. „Ich nehme kein Schwarzwild und auch kein Reh“, macht er unmissverständlich deutlich, dass er dafür weder den Platz, noch die behördliche Genehmigung hat. Was er aufnimmt, sind verunfallte Wildkatzen. Da ist aber selten noch Hilfe möglich. Die toten Tiere nimmt er dennoch, packt sie in Folie, friert sie ein. Der BUND holt sie ab und nimmt für das Wildkatzenmonitoring Proben.

Tide arbeitet mit einem kleinen Helferteam und einem Netzwerk. Geld von offizieller Stelle sieht er nicht. Deshalb ist dankbar über jede Spende und war richtig gerührt, als ein Spendenlauf der Grundschule Mehlingen 5000 Euro für seine Station einbrachte. „Die Kinder sind so emsig gelaufen und die Eltern haben wirklich großzügig gespendet, das war großartig“, weist er auf die gerade im Eigenbau entstehende Erweiterung seiner Volieren und Gehege hin. „Da ist das Geld des Schülerlaufs drin.“

Zurzeit päppelt er zehn junge Füchse auf. Ein Milan kuriert seinen Autounfall aus, ein junges Eichhörnchen erholt sich vom Schock eines 15 Meter tiefen Absturzes. Eine junge, am Volkspark verunfallte Stockente wartet auf die Heilung des gebrochenen und vom Tierarzt geschienten Beines. Jede Menge Igelwaisen werden versorgt – und auch zehn Gartenschläferbabys warten in der Wärmemaschine oder im kuscheligen Handschuh auf die nächste Fütterung. Die erfolgt alle zwei Stunden, sagt Tide, der sich nicht wirklich erklären kann, warum im Moment so viele Gartenschläfer Hilfe brauchen.

Die Wildtierhilfe ist unter der Notrufnummer 0177 4256478 zu erreichen. Mehr Infos unter https://www.tierhilfe-pfalz.de/wildtierhilfe-kaiserslautern

x