Porträt Karsten Kalbheim will Barrieren in den Köpfen abbauen

Hat sein Leben umgekrempelt und ist jetzt glücklich: Karsten Kalbheim.
Hat sein Leben umgekrempelt und ist jetzt glücklich: Karsten Kalbheim.

Der 45-jährige Kaiserslauterer erzählt, warum er sich als Sport-Inklusionslotse für den Bereich Kaiserslautern, Kusel und den Donnersbergkreis engagieren will.

Ein gutes Jahr ist es jetzt her, dass Karsten Kalbheim eine Entscheidung getroffen hat, die sein Leben verändert hat. Er hat im Vertrieb gearbeitet, hat alles für den knallharten Job gegeben. Doch er machte die Kehrtwende. „Ich wollte für die zweite Hälfte meines Arbeitslebens was Sinnstiftendes machen“, erklärt er die Beweggründe, die dazu geführt haben, dass er den Job wechselte und einen ganz anderen Weg einschlug. Er ist jetzt Marketingmitarbeiter bei der Lebenshilfe Westpfalz und ist glücklich. „Es ist genau das, was ich gesucht habe“, schwärmt er. „Das Aufgabenfeld liegt mir, ist sehr breit, und man sieht, dass sehr viel möglich ist, wenn es alle wollen.“ Gerade das Thema Inklusion hat es ihm angetan. Weil er dazu eine ganz persönliche Verbindung hat.

Eine glückliche Familie

Kalbheim ist seit zwölf Jahren verheiratet, wohnt mit seiner Frau Michaela in Kaiserslautern, hat zwei Kinder. Sohn Mika ist sieben, Tochter Lotta zehn Jahre alt. Die Kids sind sportlich interessiert und engagiert wie er. Mika geht in die zweite Klasse Grundschule, liebt Fußball, spielt außerdem Handball in Dansenberg. Und Lotta, Fünftklässlerin im Rittersberggymnasium, ist schon immer handballverrückt. Kalbheims Frau arbeitet als Kita-Leitung bei der Lebenshilfe. „Wir haben gute Freunde, die ein beeinträchtigtes Kind haben“, erzählt der 45-Jährige. „Es ist mit Mika zur Welt gekommen, mit Down-Syndrom.“ Und es wird von allen geliebt. „Meine Kinder sind mit ihm aufgewachsen, haben keine Berührungsängste und haben sich nie die Frage gestellt, warum es anders ist. Es ist alles selbstverständlich und ganz normal“, sagt Kalbheim. Er hält es für wichtig, dass der Grundstein für die Einstellung, dass es egal ist, ob jemand im Rollstuhl sitzt, Down-Syndrom hat oder sonst wie beeinträchtig ist, möglichst früh gelegt werden sollte.

Über seine Frau kam er damals auf die Idee, zur Lebenshilfe zu wechseln. Für das Amt des Sport-Inklusionslotsen hat er sich jetzt zusätzlich beworben, als er erfahren hat, dass die Stelle seit November vakant ist. „Eigentlich habe ich was gesucht, wo ich mich ehrenamtlich engagieren kann, und war dann ganz erstaunt, als die nach meiner Kontonummer gefragt haben“, antwortet er ehrlich. Er unterschrieb einen Vertrag für zwei Jahre, arbeitet zusätzlich zu seinem Job als geringfügig Beschäftigter, teilt sich den großen Bezirk Nordwestpfalz mit Timm Ritterböck, der den nördlichen Bereich übernimmt, während der Neue im Amt, der am Dienstag, 18. Februar, offiziell eingeführt wird, den Bereich Kaiserslautern, Kusel und den Donnersbergkreis übernimmt.

Barrieren in den Köpfen abzubauen, dafür zu sorgen, dass Sportangebote inklusiv gestaltet werden, damit Beeinträchtigte auch Möglichkeiten haben, Sport zu machen, das hat er sich vorgenommen.

Mit den Bears fing alles an

Was Sport alles bewirken kann und wie vielfältig er ist, hat Karsten Kalbheim selbst schon früh erfahren. Er wuchs mit Fußball auf, spielte beim FCK und beim VfR Kaiserslautern im Verein, bis er 15 Jahre alt war. Dann entdeckte er seine Leidenschaft für Baseball. „Und ich habe gemerkt, dass ich da mehr Talent habe als beim Fußball“, gibt er grinsend zu. Er wechselte zu den Kaiserslautern Bears, konzentrierte sich auf Baseball. Als er 17 Jahre alt war, suchten die Bears jemanden, der die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Kalbheim übernahm, schrieb regelmäßig über die Spiele, brachte die Texte mit dem Fahrrad in die RHEINPFALZ-Redaktion. Irgendwann fragte ihn der damalige Sportredakteur Steffen Gall, ob er sich nicht vorstellen könne, über Basketball zu schreiben. Die Zweit-Bundesliga-Herren des 1. FC Kaiserslautern hatten ihr letztes Testspiel vor Saisonbeginn, Kalbheim schrieb zum Test einen Text vom Test und war engagiert. Mit Basketball kannte er sich aus. „Ich habe selbst gespielt auf dem Freiplatz bei den Amerikanern“, erzählt er. Irgendwann kam Handball dazu, er schreibt seitdem auch für die RHEINPFALZ über den TuS Dansenberg. Und weiß nicht zuletzt durch viele Veranstaltungen in unterschiedlichen Bereichen, was im Bereich Inklusion noch möglich ist.

Er will jetzt Vereine motivieren, mitzuhelfen, dass Inklusion selbstverständlich wird. „Es geht darum, die Umstände an die Menschen anzupassen, nicht umgekehrt. Beispielsweise dass der, der im Rollstuhl sitzt, einen Tisch bekommt, der niedriger ist, damit er mitmachen kann“, erklärt er, was Inklusion im Gegensatz zur Integration ausmacht.

Als Beispiel nennt er die Fußballfrauen des FFC Kaiserslautern. „Die haben einmal die Woche inklusives Training. Da spielen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen. Das wird gut angenommen.“

Für Initiativen wie diese macht Karsten Kalbheim jetzt Werbung und freut sich riesig auf die Aufgabe, die ihm jetzt seinen zweiten Traumjob beschert hat.

Kontakt

k.kalbheim@silo.lsbrlp.de

Was macht ein Sport-Inklusionslotse?

Um die Inklusion in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz besser vorantreiben zu können, wurden landesweit so genannte „Sport-Inklusionslotsen“ integriert, die Sportvereinen, Verbänden sowie Menschen mit Behinderungen als Ansprechpartner dienen und sie vor Ort in Sportvereine vermitteln. Parallel dazu pflegen sie Netzwerke, schaffen inklusive Strukturen, bauen Sportangebote aus und wirken im organisierten Sport mit. Ziel ist es, mehr Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Sport zu ermöglichen, barrierefreie Zugänge auszubauen und die rheinland-pfälzische Sportlandschaft inklusiver zu gestalten. Ins Leben gerufen hat das Projekt der Landessportbund gemeinsam mit der Steuerungsgruppe Inklusion, bestehend aus dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband, Special Olympics und dem Gehörlosen Sportverband.

Um Sportvereine und Verbände zu motivieren, beeinträchtigte Menschen mit einzubeziehen, gibt es vom Landessportbund unter anderem eine Anschubfinanzierung in Höhe von 500 Euro, die als so genannte INpulsprämie beantragt werden kann.

Für die Einrichtung der Sport-Inklusionslotsen wurde Rheinland-Pfalz in sieben Regionen aufgeteilt, darunter drei in der Pfalz. Pro Region sind zwei Sport-Inklusionslotsen vorgesehen. Seit Anfang September vergangenen Jahres ist Timm Ritterböck aus Olsbrücken für die Region Nordpfalz zuständig. Der 35-Jährige ist stellvertretender Abteilungsleiter der Geschäftsstelle des Südwestdeutschen Fußballverbandes. Die zweite Stelle war vakant und wurde jetzt besetzt mit Karsten Kalbheim (45) aus Kaiserslautern, Marketing-Mitarbeiter der Lebenshilfe Westpfalz. Er übernimmt den Bereich Kaiserslautern, Kusel und den Donnersbergkreis.

x