Kaiserslautern
Karlheinz Seidl ist seit Anfang Juli der neue Ärztliche Direktor des Westpfalz-Klinikums
An diesem Vormittag steht beispielsweise das Gespräch mit der RHEINPFALZ auf dem Programm, zu dem der Redakteur übers Treppenhaus in den elften Stock des Verwaltungsgebäudes ankommt. Noch außer Puste, wird das Engagement vom Mediziner gelobt: „Bewegung ist wichtig, selbst wenn es nur kleine Schritte sind.“ Er selbst verzichte so gut wie immer darauf, mit dem Fahrstuhl zu fahren. Und: „Prävention ist mir ein Herzensanliegen. Mal sehen, wie ich das in Kaiserslautern weiterbetreiben kann.“
Momentan ist Seidl noch dabei, das Westpfalz-Klinikum kennenzulernen, hat einen vollen Terminkalender. Immer wieder würden Wünsche an ihn herangetragen, „aber nicht alle davon sind erfüllbar. Wenn das so ist, will ich zumindest durch Kommunikation erklären, warum etwas nicht geht“. Ein häufiger Grund für solche Absagen dürfte die finanzielle Situation des Westpfalz-Klinikums mit seinen Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen sein. Seidl: „Der Betrieb eines Krankenhauses kostet Geld, wir haben da ökonomische Zwänge und müssen Abstriche machen. Aber das wissen die Mitarbeiter auch.“ Die finanzielle Situation des Hauses zu verbessern – das Klinikum hat von den beteiligten Kommunen jüngst eine massive Finanzspritze bekommen – habe momentan Priorität für ihn. Als Ärztlicher Direktor wolle er den Spagat versuchen zwischen ökonomischen Zwängen und einer optimalen medizischen Versorgung der Patienten – gemeinsam mit den Mitarbeitern des Krankenhauses.
Mitarbeiter sind die „Stütze des Hauses“
Überhaupt will Seidl viel gemeinsam angehen, mit den Ärzten, dem Pflegepersonal und all den anderen Beschäftigten zusammenarbeiten und sich den Herausforderungen stellen. Er sieht die Mitarbeiter als „Stütze des Hauses“, denen er transparent und offen begegnen will. Schließlich ließen sich viele anstehende Aufgaben nur gemeinsam bewältigen.
Als weitere Herausforderung, die ihn umtreibt, nennt Seidl den Fachkräftemangel – und meidet dabei explizit das Wort Problem. „Zumindest können wir gemeinsam versuchen, eine Lösung zu finden.“ Als Teil seines Aufgabengebiets nennt der 62-Jährige stichwortartig außerdem die anstehende Krankenhausreform des Bundes, die bisher nur in Eckpunkten bekannt sei („Wir wissen da noch nicht, wo es langgeht“), und die Digitalisierung („mit ihren enormen Chancen“). Er hat also viel zu tun. „Ich habe mich dafür entschieden und freue mich auf die Herausforderungen und darauf, die Vorhaben anzugehen.“
Karlheinz Seidl ist 62 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. An Wochenenden pendelt er vorerst noch nach Ingolstadt, wo er als Chefarzt die Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin geleitet hat. Perspektivisch sucht er in der Pfalz ein Zuhause – „in Richtung Vorderpfalz“. Denn Seidl ist bei Heidelberg aufgewachsen, hat dort studiert und lange Zeit im Städtischen Krankenhaus in Ludwigshafen gearbeitet. Dort hat er zusammen mit seinem Doktorvater die Kardiologie mit aufgebaut. 2010 ist Seidl nach Ingolstadt ans Klinikum gewechselt. Er ist überzeugt, „dass gute, qualitativ hochwertige Medizin nur möglich ist, wenn man sich wissenschaftlich damit auseinandersetzt“. Das sei der Grund gewesen, wieso er in Heidelberg als „Externer“ habilitiert hat.
Eine „Riesen-Klinik mit Riesen-Potenzial“
Das Westpfalz-Klinikum kennt Seidl noch aus seiner Ludwigshafener Zeit. Als die Stelle des Ärztlichen Direktors ausgeschrieben wurde, habe er sich direkt beworben: „Das Westpfalz-Klinikum ist eine Riesen-Klinik mit Riesen-Potenzial.“ Eine für ihn passende Joggingstrecke hat der sportliche Mediziner in Kaiserslautern übrigens nach wenigen Tagen schon gefunden: Er ist abends gern um den Blechhammerweiher unterwegs.
Ob ihm als Vollblut-Mediziner nach dem Wechsel in die Verwaltung das operative Geschäft nicht fehlen wird? „Das müssen sie mich in ein paar Monaten noch einmal fragen“, sagt er und fügt lachend an: „Vielleicht lässt mich mein Kollege ja mal an den OP-Tisch.“ Doch vorerst wird es damit nichts. Und auch der nächste Termin wartet schon: Das Flex-Team des Westpfalz-Klinikums, das stets auf der Suche nach neuen Mitarbeitern ist, steht im Vorzimmer und will sich dem neuen Mann vorstellen.