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Kampf um Grippe-Impfstoff auch in Kaiserslautern
„In meiner Praxis gibt es derzeit keinen Grippeimpfstoff mehr“, erklärt die Allgemeinmedizinerin Sieglinde Lauer. Zwar habe sie ihn bereits nachbestellt, verfügbar sei dieser laut der Apotheke erst wieder Ende Oktober. Für die Ärztin steht fest: Nicht jeder kann sich aufgrund der begrenzten Dosisanzahl impfen lassen. Zwar stünden ihrer Information nach 25 Millionen Impfstoffe zur Verfügung. Allein 40 Millionen Menschen, die zur Risikogruppe gehörten, empfehle das Robert-Koch-Institut (RKI) aber eine Schutzimpfung. Auch wenn sich nicht jeder Risikopatient impfen lasse, sei die Impfbereitschaft aufgrund der Covid-19-Pandemie und des Aufrufs von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wesentlich höher als in den Jahren zuvor.
Nach medizinischer Dringlichkeit entscheiden
Lauer begegnet ihren Patienten daher mit offenen Worten. Sie macht deutlich, „dass ich ein Stück weit nach medizinischer Dringlichkeit den Impfstoff vergebe, wenn er knapp werden sollte“. Vorwürfe macht sie niemandem. Schließlich konnte man die Impfbereitschaft aufgrund der veränderten Situation nicht vorab berechnen. „Es ist eine außergewöhnliche Situation, mit der wir alle keine Erfahrung haben.“
Ulrich Frankenberger, Allgemeinmediziner und Leiter des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung, hat ebenfalls Impfstoff bestellt. Erhalten wird er diesen voraussichtlich aber erst Ende Oktober. Zu früh zu impfen, sei ohnehin wenig sinnvoll. Denn die vom Immunsystem ausgebildeten Grippe-Antikörper hielten nur bis zu sechs Monaten an. „Damit man bei einer weiteren Grippewelle im April nicht noch einmal impfen muss, empfehle ich Ende Oktober, Anfang November zu impfen“, so Frankenberger.
Weniger Grippefälle wegen Maskenpflicht erwartet
Etwa zehn Tagen nach der Impfung habe das Immunsystem Antikörper gebildet. Grippeähnliche Symptome seien in dieser Zeit keine Seltenheit, „die Grippe bekommt man davon aber nicht“, versichert er. Schließlich werde nur die Virushülle, nicht aber das Virus selbst verabreicht. Weil Impfpatienten in der Vergangenheit berichteten, insgesamt weniger erkältet gewesen zu sein, hoffe man, dass die Influenza-Impfung im Falle einer Corona-Infektion einen milderen Verlauf begünstigt. „Wissenschaftlich belegt ist das aber auf gar keinen Fall“, betont Frankenberger. Bei Menschen ohne Vorerkrankungen sei diese Art der Prophylaxe nicht notwendig. Wahrscheinlich sei, dass die Inzidenz der Grippeinfektionen in dieser Saison geringer als sonst ausfalle, so der Mediziner. Der Grund dafür: die coronabedingte Maskenpflicht, Hygienemaßnahmen und die soziale Distanz. Frankenberger: „Wir wissen ja, dass sich die Grippe wie Corona über Tröpfcheninfektion verbreitet.“
„In diesem Jahr gilt: Was man braucht, hat man nicht“, beschreibt der Apotheker Eric Schmidt von der Fackeltor-Apotheke die Situation. Die Nachfrage nach dem Impfstoff sei in dieser Saison so stark gestiegen, dass es immer wieder zu Lieferengpässen komme. Momentan erwarte er erst gegen Ende des Monats eine erneute Nachlieferung von den Herstellern. „Es ist ein Kampf um Impfstoff, weil jeder versucht noch etwas zu bekommen“, stimmt Kollegin und Apothekerin Karin Keil zu. Wie lange noch Nachschub erhältlich ist, kann sie nicht abschätzen. Bereits im Frühjahr, „als das Ausmaß von Corona noch nicht überblickbar war“, habe man vorbestellt.
Schwer zugänglich ist der Wirkstoff in dieser Saison vor allem für Selbstzahler, während für Kassenpatienten der Hausarzt das Mittel beschafft. Etwa 23 Euro kostet eine Dosis auf Privatrezept. Schmidt erklärt das Problem: „Die Apotheke erhält den Impfstoff in Boxen mit je zehn Injektionen. Eine Dosis einzeln ausgeben dürfen wir nicht.“
„Noch ist ein Nachschub möglich“
Rainer Lange, Pressesprecher der Krankenkasse DAK Rheinland-Pfalz, ist die aktuelle Problematik bekannt. In früheren Jahren sei das Impfgebot weniger gut angenommen worden, weshalb nun die Produzenten von der großen Nachfrage überrumpelt worden seien. Eine schnelle Nachproduktion von Impfstoff sei nicht so einfach möglich. „Man wird sehen müssen, wie viele Menschen letztendlich geimpft werden wollen.“ Noch sei aber ein Nachschub möglich. Die Kapazitäten würden „bundesweit übergreifend gesteuert“. Der DAK-Sprecher verweist darauf, dass aufgrund von Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur die Kosten für Grippeimpfungen von Risikopatienten übernommen werden müssen. „Wir haben uns aber dafür entschieden, für alle die Kosten zu erstatten.“
Vielen Arbeitgebern ist die Gesundheit ihres Teams wichtig. Da die Mitarbeiter der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern vielen Einflüssen ausgesetzt sind, bietet das Unternehmen beispielsweise neben anderen Impfungen schon seit etwa zehn Jahren eine Influenza-Prophylaxe auf Kosten des Arbeitgebers an. ZAK-Vorstand Jan Deubig: „Wir bemerken da eine sehr stark zunehmende Akzeptanz.“ Auch in diesem Jahr sei man für die bevorstehende Grippezeit gut gerüstet. „Wir haben bereits im Frühjahr eine große Menge an Impfstoff bestellt.“ Insgesamt drei mögliche Impftermine stünden den Mitarbeitern beim Betriebsarzt zur Verfügung.
Größere Nachfrage an der Technischen Universität
Auch die Technische Universität Kaiserslautern übernimmt für alle Angestellten seit Jahren die Kosten für die Impfung, sagt Betriebsarzt Justin Fischer. Er bemerkt in diesem Jahr eine doppelt so häufige Nachfrage. „Ich gehe davon aus, dass sich etwa 350 Beschäftigte impfen lassen werden.“ 400 Impfdosen seien bestellt, erste Chargen eingetroffen, die nun entsprechend der Sicherheitsstandards mit ausreichend zeitlichem Abstand verabreicht werden sollen.