Kaiserslautern
Kaiserslautern: Weltklasse-Gitarrist spielt Mali-Blues
Vieux Farka Touré, der „Jimi Hendrix der Sahara“, präsentierte sich am Freitagabend bei der zweiten Etappe des Festivals der Kulturen („Sound of the world“) im Cotton Club. Der Wüstenstaub hat den afrikanischen Weltklasse-Gitarristen aus Mali jedoch nicht im Geringsten beeinträchtigt. Er untermauerte eindrucksvoll seinen Ruf, einer der talentiertesten und innovativsten Musiker der Welt zu sein.
Ein Hauch von Melancholie liegt mit dem Song „Maya“ in der Luft. Vieux Farka Touré, Schuhgröße mindestens 49, lilafarbenes, langes Gewand, das ihn als gläubigen Muslim auszeichnet, spielt auf der akustischen Gitarre eine hauchzarte Melodie. Er schöpft aus dem uralten, reichen musikalischen Erbe, das auch in der Zeit des Kolonialismus nicht verloren ging und seit einigen Jahrzehnten in der westlichen Welt zunehmend Beachtung findet. Bewundernswert ist die Wärme und die Feinheit dieser Musik, das achtsame Aufeinanderhören der drei Musiker. Der Sound, der durch Tourés virtuoses Spiel auf der Gitarre und Marshal Henrys sattes Bassspiel bestimmt wird, klingt nahezu majestätisch. Eine Vielzahl melodisch-rhythmischer Elemente verwebt der Sohn des zweifachen Grammy-Preisträgers Ali Furka Touré virtuos zu einem mehrstimmigen Ganzen, während Adama Koné auf der Kalebasse fingerfertig begleitet.
Die Melodie fließt ruhig dahin
Mit „Bonheur“ greift der Malier zur elektrischen Gitarre. Aber auch diese Melodie fließt ruhig dahin. Zyklische Begleitmuster kombiniert Touré mit für den Savannenraum typischen, in Kaskaden verlaufenden Sololinien. Typisch sind die für die von westlichen Hörern manchmal als eintönig empfundenen vielfachen Wiederholungen. Besonders Tourés Gesang, der sich der sieben Sprachen seines Heimatlandes bedient, wirkt für unsere Ohren vielleicht monoton, seine nasal und einsam klingende Stimme hat aber etwas Betörendes.
Rockig wird es mit „Nature“. Doch auch hierbei fließen die Mäander ruhig dahin, verändern sich minimal in ihren Wiederholungen. Bestechend ist Tourés Fingerpicking-Technik, die für einen Blueser oder Rocker eigentlich ungewöhnlich ist. Was er mit Zeigefinger und Daumen macht, grenzt an ein Wunder. Schier in Schallgeschwindigkeit traktiert der Zeigefinger die Saiten, während er mit dem Daumen den Bass begleitet. Die virtuose Vibratotechnik, das spannungsvolle „Bending“ von Saiten, die Slideeffekte, die reiche chromatische Ausstattung in Harmonik und Melodik, die kaskadenhaften Arpeggios und die blitzartigen Upstroke-Akzentuierungen, die wie klirrendes Glas klingen, geben dem Hörer den Eindruck, ein ganzes Orchester agiere da auf der Bühne. Das alles fließt mit größter Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit aus den Fingern dieses so bescheidenen und sympathischen Mannes, ohne die Attitüde berühmter Rockstars zu imitieren.
Nachtwandlerisch sichere Begleiter
Auch Tourés Begleiter sind versierte Musiker. Mit nachtwandlerischer Sicherheit spielt der US-Amerikaner Marshal Henry den Bass, und das mit einer abgrundtief dunklen Resonanz im Ton und einer Erdhaftigkeit im Timbre. Adama Konés Schlagzeugspiel besitzt eine fast orchestrale Vielfalt an Farben und rhythmischen Bewegungen. So kam der für die Gitarre adaptierte Mali-Blues dem Delta-Blues eines John Lee Hooker recht nahe. Und auch diese westafrikanische Version beinhaltete eine Gemütsverfassung, die der Klage der Verlassenen, dem Schrei nach Unabhängigkeit, aber auch der Leidenschaft der Lebensfreude Ausdruck verleiht. Diese Lebensfreude äußerte sich in dem Reggae, bei dem alle Zuhörer mitsangen und in dem abschließenden Mali-Blues, bei dem alle von ihrem Sitz aufstanden und tanzten. Tosender Beifall. Eine Zugabe.