Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Was Schließungen für Freizeiteinrichtungen bedeuten

Seit Montag für den Publikumsverkehr geschlossen: das Unifit am Campus.
Seit Montag für den Publikumsverkehr geschlossen: das Unifit am Campus.

Das Leben in Kaiserslautern steht in vielen Bereichen still. Insbesondere Freizeiteinrichtungen bleiben ab Mittwoch zu. Das Unifit hat bereits geschlossen, auch in der Volkshochschule ruhen alle Kurse, das Union-Kino stellt seinen Betrieb ein. Was das für bereits bezahlte Kurs- und Mitgliedsbeiträge bedeutet, welche Weiterbildungsangebote noch möglich sind und ab wann es für die Betreiber um deren Existenz geht.

„Richtig übelst“, lautete Ursula Simgen-Buchs kurzer Kommentar zur aktuellen Situation am Montagmittag. Kurz zuvor hatte die Stadtverwaltung die Regelungen und Verbote für Versammlungen noch einmal drastisch ausgeweitet. Veranstaltungen mit einer voraussichtlichen Teilnehmerzahl von mehr als 75 Personen sind untersagt. Damit schließen nun bis 10. Juli auch Kinos, Fitnessstudios, Schwimmbäder oder Gaststätten.

Für Simgen-Buch, die mit der Provinz 80 Programmkino GmbH neben dem Union-Kino auch das Provinzkino in Enkenbach-Alsenborn mitbetreibt, ist klar, „es wird ganz schnell gehen bis es für uns existenziell wird. Wir haben die Miete für zwei Kinos und Büros zu stemmen“. Sie hofft, dass ihnen die Vermieter entgegen kommen.

Schon jetzt haben einige der fünf Festangestellten angekündigt auf ihr Gehalt oder zumindest auf Teile davon zu verzichten. Außerdem arbeiten in den beiden Kinos zehn Minijobber. Dass die Kinosäle ab Mittwoch vorerst endgültig leer bleiben, hat Simgen-Buch nicht mehr überrascht, ohnehin kamen nur noch wenige Besucher. „Wir hatten schon nach der Pressekonferenz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer Ende vergangene Woche eigentlich in fast allen Vorstellungen einstellige Besucherzahlen.“

Eine Beobachtung am Rande beschäftigt sie sehr: Sie habe gehört, wie in Geschäften darüber gesprochen werde, dass das Geld nun hoffentlich endlich bei „uns und nicht bei denen“ ankomme – gemeint seien die Flüchtlinge. Dass das Coronavirus nun dafür benutzt werde, die Gesellschaft weiter zu spalten, „schockiert mich am meisten“.

Frage der Mitgliedsbeiträge noch nicht geklärt

In der Paul-Ehrlich-Straße ist von den sonst knarzenden Maschinen beim Krafttraining, schwitzenden Menschen im Spinning- oder Yogakurs seit Sonntag nichts mehr zu hören und zu sehen. Stattdessen leere Spinde im Unifit. Das Fitnessstudio auf dem Campus der Technischen Universität hatte schon in den vergangenen Wochen die Kinderbetreuung und Sauna geschlossen, die Putzfrequenz deutlich erhöht und die sonst üblichen Hygienestandards noch einmal nach oben angepasst – Umkleiden wurden desinfiziert, der Gerätebereich ohnehin, weitere Maßnahmen getroffen – jetzt ist vorerst ganz Schluss: „Die Komplettschließung war zwar konsequent, aber wir sind schon ein bisschen überrascht davon, wie schnell es jetzt ging“, erzählt Thomas Woll, Leiter des Unisports.

Ob Mitglieder ihre Beiträge zurückbekommen oder ob in einiger Zeit, „wenn die Regelungen allgemein wieder gelockert werden“, alternative Angebote stattfinden können, kann er noch nicht sagen. „Wir machen uns da Gedanken. Aber erstmal ist das Studio bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen.“

Online-Kurse an der Volkshochschule

Auch an der Volkshochschule sind die Kursräume verwaist, außer den Mitarbeitern ist niemand mehr vor Ort. „Es wäre Blödsinn gewesen, wenn wir weitergemacht hätten, während drum herum alles schließt“, sagt Direktor Michael Staudt. Schon am Montag fanden keine Kurse mehr statt, „vorläufig bis 20. April“. Für die Angebote ab 21. April könne man sich anmelden, auch wenn noch nicht klar sei, ob diese überhaupt stattfinden. „Ohnehin wollten wir in den kommenden Monaten unsere digitalen Angebote ausbauen, das versuchen wir dann schon jetzt umzusetzen.“ Teilnehmer, deren gebuchte Kurse im Schließungszeitraum beginnen und bei denen keine Ersatztermine gefunden werden können oder diese nicht erwünscht sind, erhalten laut Staudt ihr Geld zurück. Bei bereits begonnenen Kursen werde bis Ende März geprüft, ob die Teilnehmer die Gebühren anteilig zurückerhalten, sofern die Kurse nicht zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden oder Alternativen gefunden werden.

Dazu zählen Kurse über die sogenannte Bildungs-Cloud. Auf der Plattform im Internet können Dozenten seit über einem Jahr Inhalte einstellen, Links zu Kursmaterialien oder darüber hinausgehende Informationen teilen, mit ihren Teilnehmern chatten oder kleine Tests hochladen – selbst Videokonferenzen sind möglich. Von den etwa 400 Dozenten nutzen bislang 45 diese Option, so Staudt, „aber allein am Montag kamen zehn weitere dazu, das wird sicher noch mehr werden“. Was ursprünglich als Ergänzung zum Präsenzunterricht gedacht war, könnte nun dazu führen, dass Kursleiter ihren Unterricht online fortsetzen, hofft Staudt. Zudem gebe es in den kommenden Wochen zwei Online-Seminare für all jene, die sich zu Hause langweilen: Ende März startet ein Angebot zur Bienenhaltung, Ende April ein Online-Kochkurs, in dem Gerichte aus der japanischen Küche zubereitet werden.

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