Kaiserslautern
Kaiserslautern: Tosender Beifall für einen elfjährigen Violinisten
Beifall in der Kirche? Kommt nach musikalischen Darbietungen ja oft erst ganz zum Schluss. Und fällt, wohl der besonderen Atmosphäre von Sakralstätten geschuldet, meist nicht allzu frenetisch aus. Geradezu tosend aber war der Beifall, den – gleich nach dem letzten Ton – ein junger Geiger am frühen Samstagabend in Erlenbach hat einheimsen dürfen. Einige im Publikum hatten sich sogar erhoben, um im Stehen Ovationen zu spenden.
Kenta Nishino nahm’s mit einem Lächeln. Und mit der Routine eines Nachwuchskünstlers, dem der Vortrag vor Publikum längst nicht mehr fremd ist, der sich auch kritischen Ohren stellt: Im Frühjahr hat sich Kenta beim Wettbewerb Jugend musiziert den ersten Preis erspielt – auf Landesebene. Beim Regionalwettbewerb war der Violinist geradezu durchgeprescht in Richtung des höheren Entscheids.
Ist die Künstlerkarriere regelrecht programmiert? „Wenn er in ein paar Jahren auf den ganz großen Bühnen steht, dann dürfen wir sagen: Er hat früher hier bei uns in Erlenbach gespielt“, merkte Norbert Siedow nach Kentas tollem Solo lächelnd an. Siedow, Moderator und Vorsitzender des Gastgebers beim vorweihnachtlichen Kirchenkonzert, erinnerte an den vorangegangenen Auftritt des jungen Künstlers vor zwei Jahren.
Musik liegt in der Familie
Zu den honorigen Herren des Gesangvereins 1874 Eintracht Erlenbach hat der junge Japaner eine besondere Beziehung. Mama Yukiko begleitet den Chor am Klavier – seit vielen Jahren schon. Als Kenta ein Baby war, hatte sie ihn auf den Rücken gebunden, während sie in die Tasten griff, erinnert sich Papa Shin lachend.
Der Vater – vor 20 Jahren nach Kaiserslautern gekommen – ist Sänger am Pfalztheater, die Mutter erteilt als Pianistin Privatunterricht. Musik liegt mithin in der Familie. Ob da die große Karriere vorgezeichnet ist? Shin Nishino hat da seine Zweifel. Kenta, übrigens in Kaiserslautern geboren, sei auch leidenschaftlicher Sportler. „Ich denke, dass Musik am schönsten ist, wenn man sie als Hobby betreibt.“ Kenta selbst, der das Heinrich-Heine-Gymnasium besucht, hat ja noch genügend Zeit, seine Bestimmung zu finden. Er ist ja erst elf. „Aber fast zwölf“, wie er betont. Geburtstag feiern darf er am Neujahrstag.