Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Revue-Show-Trio „Sekt and the City“ tritt in der Kammgarn auf

Das Trio „Sekt and the City“ trat in der Kammgarn auf .
Das Trio »Sekt and the City« trat in der Kammgarn auf . Foto: VIEW

Bettgeschichten, Botox und „Bonanza“ – damit wäre die Themenpalette des Damen-Treffs von Heike, Lena und Kathi alias des Revue-Show-Trios „Sekt and the City“ so ziemlich abgesteckt. Ort des feuchtfröhlichen Trink-, Tanz- und Therapie-Gelages: Lenas Friseursalon – an diesem Abend im Lautrer Cotton Club der Kammgarn.

Die eine im Leo-Look (Lena), die andere als Dolly-Parton-taugliches Cowgirl (Kathi) und die Dritte im Bunde (Heike) im Abba-Gedächtnis-Outfit. Willkommen im Friseur-Salon der besonderen Art! Hier wird ausgiebig getratscht, gesungen und ordentlich Prickelbrause geschlürft. Eigentlich heißen Lena, Kathi und Heike im wahren Leben Helena Marion Scholz, Ariane Baumgartner und Meike Gottschalk. Zu sehen und zu hören bekommt man aber nur ihre Bühnen-Alter-Egos: drei Frauen mittleren Alters, die sich gemeinsam die Problemchen des „Best-Ager“-Daseins schöntrinken.

Kathi und Heike treffen sich wie immer bei ihrer Freundin und Lieblingsfriseurin Lena und quatschen über misslungene Beziehungskisten, berufliche Flauten und altersbedingte Körperschwankungen. Dazwischen gönnen sie sich circa zehn bis zwanzig Proseccos pro Stunde und dichten alte Lieder aus dem Radio- und Fernsehkosmos der 1970er Jahre um.

Wie beim Yoga

Da wird aus „Born to be alive“ die Haar-Künstler-Hymne „Ich mach’ sie alle schön“, aus dem Opern-Klassiker „Nessun dorma“ das Anti-Schlummerlied „Ich kann nicht schlafen“ und aus Tina Turners ,,Rolling on the river“ wird die Yoga-Titelnummer „Wir atmen in die Mitte“. Eines kann man den drei Damen nicht absprechen: Sie haben alle bühnentaugliche Stimmen. Allen voran Heike Gottschalk, die Abbas „The Winner takes it all“ so schön und grazil wie Agnetha trällerte.

Was jedoch die Show an sich und die Texte zwischen den Trällerpassagen angeht, empfiehlt sich leider auch: am besten schöntrinken – oder von Lenas Schönheitsdoktor korrigieren lassen. Denn die Klischees werden hier so dick aufgetragen wie der Lippenstift. Und die Sorgen des Damentrios beschränken sich auf die Bandbreite Falten, Frisuren und ganz viel Männer – also die, die man hat, und die, die man gerne hätte.

Darum drehte sich der Friseursalon-Sektempfang zwei Stunden lang in einer Art „ganz intimer, privater und manchmal peinlicher Therapie zum Niederknien“. Gebracht hat es aber aus rein komödiantischer Sicht wenig. Denn bis auf ein paar wirklich – man muss es sagen – ausgelutschter Gags gaben die Themen wenig Neues her. Mal abgesehen von einem neuen Trinkspruch für Junggesellinnenabschiede: „Ratzfatz, rubbel die Katz, miau!“

Zweifelhafte Ratschläge

Alles wirkte irgendwie inhaltsleer. So inhaltsleer wie die deutschen Texte, die sie den internationalen Disco-Nummern aufdrückten. Man nehme das Eingangslied zur „Born to be alive“-Melodie. Scholz verkündet: „Schön, schön, ich mach’ sie alle schön. Das hält mich jung. Ich bin nicht dumm.“ Gottschalk wirft ein: „Sie macht mich schön. Es wird schon geh'n. Muss zu mir steh'n.“ Und abgerundet wird das Ganze von dem Satz: „Ich hab’ nen neuen Föhn.“ Anstands-Applaus.

Offenbar ist laut Scholz auch die Haarfarbe ausschlaggebend für sexuellen Erfolg: „Wär’ ich nicht blond, sondern brünett, bekäm’ ich jeden ins Bett.“ „Echt?“, kommentierte eine blonde Dame leise aus dem Publikum. „Die haben ja keine Ahnung.“

Dieser spontane Einwurf sagte eigentlich schon alles.

Dennoch warfen Baumgartner, Scholz und Gottschalk weiter mit zweifelhaften Ratschlägen für das weibliche Selbstwertgefühl um sich. Zum Beispiel: Wenn man als Frau beim Sex oben sei, dann „hängt die Stirn, da hängen die Wangen. Und unter den Wangen hängt da noch was Anderes, das gar nicht zum Gesicht gehört.“ Lenas Lösungsansatz: „Mit der Jugend mithalten, heißt, auf eine Botoxparty gehen.“ Immerhin gibt es heutzutage für alles einen Filter. „Das wäre also quasi Fotoshop am lebenden Objekt.“ Humoristische Meisterwerke, die darüber hinausgehen, durfte man nicht erwarten.

Hölzerne Darbietungen

Auch schauspielerisch enttäuschten die drei mit hölzern wirkenden Darbietungen, die praktisch nur als holprige Übergänge zwischen den Songs fungierten. Zum Beispiel wenn die Damen auf ihr Alter anspielten, indem sie die Titelmelodien aus ihren Lieblingskindersendungen anstimmten – von „Bonanza“ bis zu „Biene Maja“.

Nein, diese Show prickelte nicht wirklich, sie wirkte auch nicht frisch. Da fehlten ein Spritzer Inhalt, knackige Zusammenhänge und komödiantischer Mut. Es ist nicht ganz klar, ob die Mädels das alles ironisch oder sarkastisch meinen oder ob sie die wenigen flachen Schlüpfrigkeiten zwischen den Songs wirklich als gute Comedy verstehen. Irgendwann schnarchte Kathi das Publikum aus der Pause in die zweite Hälfte und Lena und Heike legten in Schulmädchen- und Krankenschwester-Uniform einen Riverdance hin.

Aber irgendwie hatte man da schon die Hoffnung auf Substanz und guten Humor verloren.

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