Kaiserslautern
Kaiserslautern: Reinhard Meier heißt der neue Chefarzt der Radiologie am Westpfalz-Klinikum
Reinhard Meier ist seit fast zwei Monaten neuer Chefarzt der Radiologie am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern. Einige Neuerungen sind schon umgesetzt, doch soll sich noch vieles tun: Aktuell wird an dem neuen radiologischen Gebäudetrakt gebaut.
Meiers Büro ist noch nicht ganz fertig, der Leuchtkasten zum Betrachten verschiedener Aufnahmen und Röntgenbilder hängt noch an Ort und Stelle, soll aber demnächst einem Flachbildschirm weichen, auf dem dann die auszuwertenden Bilder angezeigt werden. Der 41-jährige gebürtige Erlanger, der in Amberg aufgewachsen ist, studierte in München, Nizza und San Francisco Medizin. Nach seiner Promotion arbeitete Meier von 2007 bis 2012 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des Klinikums rechts der Isar in München. Dort war er im Anschluss an seine Facharztprüfung auch von 2013 bis 2014 als Oberarzt tätig. An seiner neuen Stelle in Kaiserslautern sieht er viele Vorteile: „Die spannende Aufgabe ist hier, dass ich nicht komme um etwas zu verwalten, sondern um die Radiologie neu auszurichten und weiter zu entwickeln“, sagt er. „Wir haben hier neben der Radiologie noch die Neuroradiologie und die Nuklearmedizin“, berichtet Meier.
Meier: „Bin auf eingespieltes, gutes Team getroffen“
Nicht nur diagnostisch, sondern auch therapeutisch ist er mit seinen Kollegen tätig, das werde häufig verkannt. So lassen sich beispielsweise bei Schlaganfallpatienten über bestimmte Katheter Stents in die Blutgefäße setzen und so Blutgerinsel, sogenannte Thromben, entfernen. Insbesondere solche und andere minimal-invasiven Eingriffe bei Gefäßerkrankungen und moderne Krebstherapien mittels bildgeführter Steuerung gehören zu seinen Schwerpunkten. „Ich bin hier auf ein eingespieltes, gutes Team getroffen mit langer Erfahrung. Auch die Kollegen aus den anderen klinischen Fachbereichen haben mich mit offenen Armen empfangen“, erzählt er. Als „sensationall kameradschaftlich“ bezeichnet er zudem die beiden Chefärzte der Neurologie, Johannes Treib, und der Neurochirurgie, Kajetan von Eckardstein, mit denen er ein Neurozentrum aufbaut. Die Vernetzung und der Austausch der verschiedenen Fachdisziplinen untereinander solle so stärker gefördert werden, um beispielsweise bei Schlaganfallpatienten oder Aneurysmen die optimale Behandlung bieten zu können.
Meier hat eine Wohnung am Stadtpark bezogen, „den besten Italiener der Stadt, einen echten Geheimtipp“, hat er ebenfalls schon in den wenigen Wochen gefunden. Der Mittelpunkt seiner Familie bleibt aber erst einmal ein Dorf in der Nähe von Wörrstadt. Seine Frau und sein fünfjähriger Sohn leben dort. Mehrfach in der Woche versuche er, zwischen Krankenhaus und Rheinhessen zu pendeln.
Ulm und München als vorherige Stationen
Meier war nach seiner Habilitation von 2014 bis 2016 als Leitender Oberarzt und Stellvertretender Ärztlicher Direktor sowie Sektionsleiter für Interventionelle Radiologie in der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Ulm. Seit 2016 arbeitete er als Direktor der Klinik für Radiologie am Isarklinikum München. Am Westpfalz-Klinikum will Meier in den kommenden Monaten und Jahren eine eigene interventionell-radiologische Bettenstation aufbauen: „Wir wollen weg von der reinen Bildgebungsmaschine hin zu einer Klinik mit minimal-invasiven Eingriffen und eigener Bettenstation“, erklärt er.
Zwar seien die Radiologen auch heute schon in die Behandlung der Patienten eingebunden, diese seien dann aber auf den Stationen der einzelnen Fachgebiete aufgenommen. Außerdem werde die Radiologie, voraussichtlich noch in diesem Jahr, umziehen. Aktuell wird ein Gebäudetrakt des Westpfalz-Klinikums umgebaut, unter anderem die MRT-Untersuchungen werden dann dort stattfinden. „Dann haben wir alles auf einem Gang. Die Geschäftsführung hat dafür große Investitionen geplant. Wir bekommen auch neue MRTs – die modernsten der Welt.“ Zudem werden es dann auch statt aktuell ein Gerät insgesamt drei sein, hinzu kommen neue Computertomografen. „Wir wollen eine Klinik für Radiologie aufbauen mit den modernsten Geräten und den innovativsten Therapieansätzen zur individuellen Behandlung von Krebs und Gefäßerkrankungen“, sagt Meier zu seinen Zielen.
Außerdem würde der neue Radiologie-Chefarzt gerne auch einen Beitrag dazu leisten, um das Westpfalz-Klinikum stärker digital auszurichten. Ein Patienten- und Zuweiser-Portal sei möglich, eine digitale Notaufnahme ein weiterer Baustein, schwebt ihm vor. Erfahrungen hat er bereits gesammelt: Er gehört zum Gründerteam von Teleclinic – einer App, über die Patienten direkt mit einem Arzt kommunizieren und Fragen an diesen richten können. „Ich wollte damit den Zugang zu ärztlicher Expertise digitalisieren. Mein Bruder und ich haben das zusammen mit Studenten der Münchner Universitäten umgesetzt. Seit längerem bin ich jetzt nur noch als Beirat dabei“, sagt Meier.
Einen ersten Besuch auf dem Betzenberg bei einer Tagung hat er schon hinter sich. Und als der FC Bayern München vor einigen Tagen zum Benefizspiel kam, war er mit seinem gesamten Team vor Ort. Nur für welches Team er die Daumen gedrückt hat, das wollte Meier nicht verraten.