Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Le-Thanh Ho mit gesungenen Traumwelten im Salon Schmitt

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Von Geisterschiffen, Cellophan und freiheitsliebenden Oktopussen: Es gibt Musiker, die vom ersten Ton an begeistern, berühren, verzaubern und ein bilderreiches Kopfkino zwischen Traum und Realität auslösen. Zu dieser Sorte gehört auch die Liedermacherin, Chansonnette und ausgebildete Schauspielerin Le-Thanh Ho. Sie war am Freitag im Salon Schmitt zu Gast.

Mit Pixie Cut, einem bequemen Overall und einem entwaffnend strahlenden Lächeln kreierte die 1987 in München geborene Sängerin einen Musikabend, der die kleinen Momente des Lebens zu magischen werden ließ.

Le-Thanh Ho schreibt Lieder seit ihrem 14. Lebensjahr; seit ihrem 19. in deutscher Sprache. Angesiedelt irgendwo zwischen Pop und Chanson entführte die junge Musikerin ihre Zuhörer schon damals in fantasievolle Bilderwelten, mit vielen kleinen Selbstporträts und einigen magischen Karikaturen. Mit ihrer zerbrechlich klaren Stimme lockt sie das Publikum wie Lewis Carrolls „Alice“ ins „Wunderland“, in dem Tintenfische das Konzept der Freiheit überdenken und in selbige entfliehen und in dem die Hitze Menschen zu „Geisterschiffen“ werden lässt. Eine Welt, die auf einem schmalen Grat zwischen Traum und Wahnsinn existiert, zwischen kindlichen Visionen und erwachsenen Ängsten und Wünschen, zwischen poetischer Realität und surrealer Poesie. Ho spielt mit Zeitdokumenten aus ihrer Kindheit und Momentaufnahmen aus ihrer Umgebung. Zum Beispiel in dem Lied „Höllentrip“ über ein ewig zankendes Liebespaar, das nicht mit aber auch nicht ohne einander kann – nicht mal in der Hölle. „Das Paar gibt es wirklich, ich verrate aber nicht, wer es ist.“

Le-Thanh Ho liefert bezaubernde Eigenkompositionen

„Ich bin ein Geisterschiff“, singt sie weiter - ein Lied, das entstanden ist, als sie bei brütender Sommerhitze durch die Münchener Innenstadt lief und sich wie eine „Fata Morgana“ fühlte. Der Weg vom darin besungenen heißen Asphalt zu zauberhaften Welten war oft nur einen Song entfernt. Genauer gesagt in die Welt der „Glasmenagerie“ von Tennessee Williams. In dem Theaterstück hat Le-Thanh einmal selbst gespielt. Hos gleichnamige Eigenkomposition ist bezaubernd. Genauso wie ihr kleines Gedicht über den in die Freiheit entflohenen Oktopus „Inky“. Es spiegele den Freiheitsbegriff von einem ihrer liebsten Liedermacher wider: Georg Danzer. Sein Lied „Die Freiheit“ habe sie so gerührt, dass sie dachte, „es müssten viel mehr Leute kennen“. Denn „frei ist man dann, wenn man dort sein darf, wo man sein will“. Im Falle von „Inky“ war es nicht das Nationalaquarium in Neuseeland.

Dass sie viele Ereignisse ihrer Lieder aus dem echten Leben greift und sie dann mit Fantastereien schmückt, macht den nahbaren und entzückend kindlichen Charme der Chanteuse perfekt. Ihre Eltern kamen Ende der 1970er-Jahre aus Vietnam nach Deutschland. Damals kamen sie bei einer Künstlerin unter. Die war es auch, die dem 19-jährigen Mädchen, das damals noch ihre ersten Lieder mit viel Weltschmerz behaftete, versprach: „Auch dieser geht vorbei.“ Heute sind Le-Thanhs Lieder mindestens so bunt, hell und verspielt wie die Malereien ihrer Patronin.

Melodische Kurzgeschichten gehen nicht aus

Mittlerweile wohnt Le-Thanh in Berlin, wo sie dichtet, musiziert und gelegentlich auf Schauspiel-Bühnen steht. Nach zwei Alben – „Elephant“ (2015) und „Staub“ (2017) – textet sie weiter schöne melodische Kurzgeschichten – zart, sphärisch und verträumt. Fazit: Le-Thanh Ho scheint die Welt selbst durch eine Glasmenagerie zu sehen. Sie sieht die bunten Schimmer, die die Sonne auf den gläsernen Geschöpfen erzeugt und baut daraus bunte Traumwelten. Und irgendwie braucht doch jeder mal einen kleinen Ausflug ins Wunderland.

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