Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Frieda Lehndorff war einst ein prominenter Film- und Theaterstar

Spurensuche wird zum Abenteuer: Die Schauspielerin Frieda Lehndorff wurde in Kaiserslautern geboren, doch Zeugnisse ihres Lebens
Spurensuche wird zum Abenteuer: Die Schauspielerin Frieda Lehndorff wurde in Kaiserslautern geboren, doch Zeugnisse ihres Lebens und Wirkens sind nur schwer auffindbar. Foto: Dick

Dass die Nachwelt den Mimen keine Kränze flicht, wusste schon Schiller. Rasch verflogen ist der Augenblick, da ein Schauspieler auf der Theaterbühne steht. Selbst wenn die Erinnerung durch Filmaufnahmen bewahrt wird, muss sie verblassen, sobald neue Stars erscheinen. Die gebürtige Lautererin Frieda Lehndorff war einmal ein prominenter Theater- und Filmstar. Aber das ist 100 Jahre her.

So wird die Spurensuche zum Abenteuer, selbst ein Foto von Frieda Lehndorff ist nur auf Umwegen aufzutreiben. In Kaiserslautern können weder Stadtarchiv noch Pfalzbibliothek weiterhelfen. Dem Kulturreferat ist nicht einmal der Name bekannt, das Standesamt verweigert seine Unterstützung unter Hinweis auf einen angeblichen Datenschutz. Der gilt hier allerdings mitnichten, denn die berühmte Schauspielerin war einmal ein Promi. Die Nachverfolgung ihres Lebenswegs dient wissenschaftlichen oder zumindest regionalhistorischen Recherchen. Dennoch findet die biografische Fahndung ohne Hilfe des Lauterer Verwaltungsapparats statt.

Die ergibt, dass Frieda Schöttle am 19. Mai 1876 in Kaiserslautern zur Welt kam. In zeitgenössischen Presseartikeln heißt es, sie habe in ihrer Heimatstadt bereits als Fünfjährige im viktorianischen Rührstück „Die Waise von Lowood“ auf der Bühne gestanden. Wo das Debüt stattfand, ist nicht überliefert. Es könnte am Pfalztheater gewesen sein, denn das hiesige Theater – 1862 von Andreas Müller ins Leben gerufen – war 1874 in eine Aktiengesellschaft überführt worden. Zum Stadttheater wurde es erst zweieinhalb Jahrzehnte später, als Frieda Lehndorff längst ihre Profikarriere begonnen hatte.

In Darmstadt beginnt die große Karriere

Sie wuchs in Darmstadt auf, wo sie die Höhere Töchterschule besuchte und ihre künstlerische Ausbildung bei der Hofschauspielerin Agnes Eppert (1819-1900) erhielt, die später zum Ehrenmitglied des großherzoglich hessischen Staatstheaters ernannt wurde. Die Karriere der 16-jährigen Lautererin begann auf einer Darmstädter Privatbühne, im Jahr darauf wurde sie als Naive ans Stadttheater Bad Kreuznach verpflichtet.

Die folgenden Engagements führten sie nach Detmold, Gera, Essen und Bonn, schließlich 1898 ans Deutsche Theater Hannover und für mehrere Jahre lang ans Stuttgarter Hoftheater. 1909 heiratete sie den Schauspieler Berthold Lehndorff und wurde Mutter zweier Söhne.

Frieda Lehndorffs Wechsel nach Berlin – die damals neben Paris, München und Wien wichtigste europäische Theaterstadt – fand ausgerechnet im Kriegsjahr 1918 statt. Die Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg blieb auch fürs Kulturleben nicht ohne Folgen, aber ab Mitte der 1920er Jahre stand Berlin erneut als Synonym für eine pulsierende, künstlerisch ambitionierte und ungemein facettenreiche Metropole. Während sich Massenarbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und politische Radikalisierung abzeichneten, trieben Literatur und Theater, Film und Kabarett, Musik sowie Pop-, Trivial- und Untergrund-Kultur überreiche Blüten.

Für Frieda Lehndorff bedeutete der Wechsel nach Berlin das Entrée in die neue Kunstform des Films. Sie war jetzt Anfang 40 und wurde am Schiller- und Schlossparktheater im Charakterfach eingesetzt. Im Kino dominierte neben epochalen Meisterwerken, die heute als Klassiker gelten, publikumswirksame Konfektionsware: turbulente Action- und Abenteuerfilme, platt ausgespielte Erotik, Possenklamauk und melodramatische Tränendrücker. In allen Genres gab es Beschäftigung für Frieda Lehndorff.

In zahlreichen Stummfilmen mitgespielt

Dem „Lexikon des Films“ gab sie schon 1926 zu Protokoll, sie habe einen „schnellen Übergang ins alte Fach“ vollzogen. So gab sie in „Ehe aus Hass“ (1919) die Gattin eines Kommerzienrats und in „Frauen, die die Ehe brechen“ (1922) die Frau eines Musikers. Im Übrigen war der Film noch stumm. Gefühlswallungen mussten rein mimisch dargestellt werden, aber nach Möglichkeit ohne übertriebenes Augenrollen und Armrudern.

Frieda Lehndorff wurde zur Mutter vom Dienst in Krimis („Die Stunde nach Mitternacht“, 1920), Wildwestern („Lola, die Apatschenbraut“, 1921), filmischen Groschenromanen („Der Liebeskäfig“, 1925) und Liebeskomödien („Herbstmanöver“, 1926). Zusammen mit dem gebürtigen Mannheimer Albert Bassermann, der sich als einer der ersten großen Theaterstars auch dem Kino zuwandte, spielte sie in „Wenn das Herz der Jugend spricht“ (1926), in dem ein angesehener Professor ein junges Mädchen (Lee Parry) heiratet und erkennen muss, dass der Altersunterschied zu groß ist.

Immer wieder gab sie die Mutter in Filmen, deren Stars noch heute bekannt sind: „Das Medium“ (1921) mit Lil Dagover und Werner Krauß, „Friesenblut“ mit Gustav Fröhlich, „Schiff in Not“ (beide 1925) mit Jenny Jugo, „Die Millionen-Kompagnie“ mit Olga Tschechowa, „Deutsche Herzen am Rhein“ (beide 1926) mit Hans Albers und der damals noch nicht aufs komische Fach festgelegten Adele Sandrock, „Das Erwachen des Weibes“ (1927) mit Grete Mosheim.

Almenrausch und Edelweiß als Abschied von der Kinoleinwand

Der Star des Heimat- und Alpendramas „Almenrausch und Edelweiß“ (1928) war Walter Slezak, der später nach Hollywood emigrierte Sohn des Heldentenors Leo Slezak, während Leo Peukert und Frieda Lehndorff seine bäuerlichen Eltern darstellten. Peukert wurde in den 1930er Jahren ein beliebter bajuwarischer Nebenrollen-Komiker, ebenso der gleichfalls für diesen Film engagierte Fritz Kampers. Für Frieda Lehndorff war „Almenrausch und Edelweiß“ die Abschiedsvorstellung auf der Kinoleinwand.

Noch ehe der Tonfilm Einzug hielt, beendete sie die Arbeit vor der Kamera. Zu Beginn der Saison 1927/28 kehrte sie nach Stuttgart zurück, wo sie bis 1931 zum Ensemble des Württembergischen Landestheaters gehörte. „Danach ist keine feste Anstellung an ein Haus mehr festzustellen“, heißt es im Internet-Lexikon Wikipedia. Dort ist lediglich noch vermerkt, sie sei „nach 1931“ verstorben. Auch den übrigen einschlägigen Nachschlagewerken sind keine weiteren Daten zu entnehmen.

Frieda Lehndorff, die gefeierte Theaterdiva und viel beschäftigte Filmdarstellerin, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und geriet in Vergessenheit. So erschien in den Zeitungen kein Nachruf, als sie Ende 1962 mit 86 Jahren starb.

Schnell vergeht der Glanz der Welt. In jenem Jahr waren Paul Henckels, Trude Hesterberg, Hans Leibelt, Hans Moser und einige weitere Alt-Stars für „langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film“ mit einem Filmband in Gold ausgezeichnet worden. Ein Bambi für „verdiente künstlerische Leistungen“ ging an Paula Wessely und Heinz Rühmann, im Jahr darauf an Luise Ullrich und Rudolf Forster.

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