Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Früherer Chefarzt des Westpfalz-Klinikums für 24-Stunden-Betrieb bei Luftrettung

Der Rettungshubschrauber muss nach Ansicht des früheren Chefarzts Christian Madler für die Versorgung von Intensivpatienten ausg
Der Rettungshubschrauber muss nach Ansicht des früheren Chefarzts Christian Madler für die Versorgung von Intensivpatienten ausgestattet sein.

„Die ADAC-Luftrettung ist nicht die Ideallösung für den Transport von Intensivpatienten in der Westpfalz.“ Das hat Christian Madler, bis 2017 Chefarzt am Westpfalz-Klinikum, auf Anfrage erklärt. Madler kämpfte als Leiter der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum seit 1994 für einen Rettungshubschrauber in der Region.

Dass sich die Diskussion so lange hinzieht und jetzt für den einjährigen Probebetrieb der ADAC im Rennen ist, wir berichteten am Samstag, hält Madler für „hanebüchen“. Politisch sei die Luftrettung offenbar immer noch nicht gewollt, obwohl sie gerade dazu beitragen könnte, die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Der große Nachteil des ADAC-Hubschraubers sei: „Der würde nicht nachts in die Luft gehen.“

Bislang hebe kein einziger Rettungshubschrauber in Rheinland-Pfalz nachts ab. „Aber Discounfälle passieren nun einmal um 1.30 Uhr in der Nacht und nicht am Tag.“ Außerdem seien die Maschinen des ADAC zu klein. Wichtig sei, dass der Hubschrauber für intensivmedizinische Einsätze ausgerüstet werde und beispielsweise eine Herz-Lungen-Maschine mit an Bord nehmen kann. Außerdem müssten neben einem zweiten Piloten, der nachts vorgeschrieben sei, drei weitere Begleiter mitfliegen können, ein Arzt, ein Rettungssanitäter und ein Spezialist, beispielsweise ein Kinderarzt, so Madler.

Madler: Es geht um die medizinische Versorgung

Der Mediziner hatte in der Vergangenheit immer wieder klar gemacht, dass ein Rettungshubschrauber für die Westpfalz keineswegs am Westpfalz-Klinikum stationiert werden solle, schon gar nicht wegen des Fluglärms in der Nacht. Sembach, von wo aus die Johanniter derzeit fliegen, sei kein schlechter Standort, so der Professor. Er würde aber das Industriegebiet Nord favorisieren. „Von dort aus ist der Heli schnell in Kusel und schnell im Donnersbergkreis.“

Der Notfallmediziner stellte klar, dass es in der Diskussion vor allem um die medizinische Versorgung gehen sollte. „Nicht nur um das Geld.“ Idealerweise müsse die Luftrettung im Umkreis von 60 Kilometern innerhalb von 15 Minuten am Ziel sein. Madler weiß, von was er redet. Er hat die Luftrettung am Klinikum Großhadern in Gang gesetzt, bevor er 1994 nach Kaiserslautern kam. Im Fokus müsse immer die bestmögliche medizinische Versorgung stehen, beispielsweise, wenn jemand ein Schädel-Hirntrauma erleide, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Und da sei man mit dem Rettungshubschrauber aus Obermoschel oder Wolfstein im Zweifelsfall schneller am Ziel als mit dem Krankenwagen. Eine Verkürzung der Transportzeit verbessere die Chancen jedes einzelnen schwer verletzten Patienten zu überleben. „Da zählt jede Minute.“

Westpfalz-Klinikum würde profitieren

Laut Madler lassen sich mit einem Hubschrauber auch Patientenströme lenken. Als Beispiel nennt er einen schweren Verkehrsunfall zwischen den Anschlussstellen Kaiserslautern West und Ost auf der Autobahn. „Je nach Schwere der Verletzungen kann man mit dem Hubschrauber auch Menschen nach Saarbrücken oder Ludwigshafen navigieren, wenn das Westpfalz-Klinikum überlastet wäre.“ Die Herausforderung sei immer, die schweren Fälle in das Krankenhaus zu bringen, das für eine optimale Versorgung stehe. Das funktioniere mit einem Rettungshubschrauber. Wobei ganz klar auch das Westpfalz-Klinikum profitieren würde. „Wenn der Hubschrauber in der Nähe steht, bringt das dem Klinikum Minimum eine Million Euro im Jahr“, ist Madler, der seinen Ruhestand in München verbringt, überzeugt.

Dass der Rettungshubschrauber für die Westpfalz 24 Stunden im Einsatz sein sollte, ist für den 67-Jährigen das A und O. Dazu würde es aber einen Hangar mit Betankungsanlage und Ruheräume für die Piloten benötigen. „Nachts fliegen heißt für mich wie am Tag: anziehen, einsteigen, losfliegen.“ Nur wenn das gewährleistet sei, bringe ein Hubschrauber den Zeitvorteil, der in der Notfallversorgung an erster Stelle stehe.

Was der erfahrene Notfallmediziner vermisst: Weder der Kaiserslauterer Oberbürgermeister, noch der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, hätten sich bislang eindeutig pro Rettungshubschrauber in der Westpfalz positioniert. Er habe das Gefühl, die Westpfalz habe in Mainz keine Lobby. Obwohl dort immer wieder gesagt werde, der ländliche Raum müsse aufgewertet werden. Bei der Entscheidung pro oder contra Rettungshubschrauber ist aus Sicht von Madler viel zu viel Politik im Spiel. „Dabei ist es in erster Linie ein rein medizinisches Thema.“ In München hatte er in den 1990er Jahren am Klinikum Großhadern die Luftrettung initiiert. „Das wurde innerhalb von drei Jahren umgesetzt. Hier doktern wir schon über 20 Jahre rum.“

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