Kaiserslautern
Kaiserslautern erinnert an Jacob Diehl
Chronist der ältesten Lauterer Stadtrandsiedlung war der 2003 verstorbene Heimatforscher und SPD-Kommunalpolitiker Ludwig Müller. In einem Büchlein über die Geschichte des Stadtteils Erzhütten/Wiesenthalerhof bezeichnet er sich als „Direktnachkomme des Siedlungsgründers Jacob Diehl in der achten Generation“. Über Leben und Werk des Pioniers ist dennoch nur wenig bekannt.
Die Gewinnung und Verhüttung von Eisenerz in der Pfalz ist bereits für die Römerzeit nachgewiesen. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden stellenweise zudem Blei- und Kupfererz sowie Kohle abgebaut, ohne dass eine überregionale Vermarktung stattfand. Lediglich beim Quecksilber galt die Pfalz – vor allem der Potzberg – im 18. Jahrhundert als drittgrößtes Abbaugebiet Europas. Noch bis 1967 war das Wolfsteiner Kalkbergwerk in Betrieb. Bedeutende Arbeitgeber blieben Sand- und Tongruben sowie das Steinbruchwesen.
Probegrabungen des Forstbeamten
Anno 1711 stießen Arbeiter des kurpfälzischen Forstbeamten Jakob Weller im Reichswald zwischen Kaiserwoog und Herrenwiesental auf Eisenerz. Weller ließ die Funde von seinem Kollegen Freiherr Ludwig Anton von Hacke untersuchen, der seinerseits weitere Probegrabungen machen ließ. Es war Hacke, der ab 1724 im Karlstal bei Trippstadt ein Eisenhüttenwerk aufbaute. Später ging der Betrieb an die Industriellenfamilie Gienanth über.
Auf dem Wiesenthalerhof begann der Erzabbau offiziell im Frühjahr 1725. Freiherr von Hacke wollte die Grube in kompetenten Händen wissen und warb eigens einen erfahrenen Spezialisten aus dem „Ausland“ an: Johann Jacob Diehl, Obersteiger des traditionsreichen Kupferbergwerks Fischbach-Weiersbach im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Die dortige Grube, die noch heute besichtigt werden kann, wurde bereits 1544 in der „Cosmographia“ des Ingelheimer Universalgelehrten Sebastian Münster erwähnt.
Führungsposten bleiben in der Familie
Besagter Jacob Diehl war nicht nur der erste Vorarbeiter im Eisenerz-Tagebau von Kaiserslautern, sondern auch der früheste Einwohner des Stadtteils Erzhütten/Wiesenthalerhof. Leider verrät die Chronik seines Nachkommen Ludwig Müller wenig mehr als den Namen des Obersteigers. Eine Zuordnung in den Kirchenbüchern ist schwierig, weil zu dieser Zeit viele Männer so hießen wie er, wobei Jacob in den Dokumenten abwechselnd mit C und mit K auftaucht.
Müller schreibt nur: „Das übrige Fachpersonal kam aus der Gegend um Wolfstein, wo seit Mitte des 17. Jahrhunderts Schwerspat und Kalk abgebaut wurde(n). Es (das Personal, Anm.) zählte zu den engeren Verwandten des Obersteigers, mit dem sie (...) die Führungsrollen in der Grubenanlegung und im Stollenbau teilten.“
Glück auf, der Steiger kommt
Johann Jacob Diehl wurde um 1680 in einer kurpfälzischen Gemeinde bei Wolfstein geboren, vielleicht in Rutsweiler. Als er seine Tätigkeit im Lauterer Reichswald aufnahm, soll er angeblich den gereimten Wahlspruch vorgetragen haben: „Die Wege zu den Schätzen dieser Erde sind nicht eben./ Unsere Aufgabe ist es, aus den Stollen sie zu heben.“
Nachdem er eine einjährige Probezeit als Obersteiger erfolgreich hinter sich gebracht hatte, erhielt er 1726 gemeinsam mit zwei zeitgleich mitgekommenen Steigern die Erlaubnis zum Bau eigener Lehmhütten samt kleiner Landwirtschaft: die Geburtsstunde jener Bergmannssiedlung im Reichswald, aus welcher der heutige Stadtteil Erzhütten/Wiesenthalerhof hervorvergangen ist.
Sorge um den rechten Glauben
„Hauer, Knappen, Träger und Schlepper sind aus Erfenbach, Siegelbach und Otterbach dazugekommen“, schreibt Ludwig Müller. Während die Siedlung kontinuierlich wuchs, sorgte die sich streng katholische Adelsfamilie Hacke um den wahren Glauben. Der Diehl-Clan war teils lutherisch, teils reformiert, die Gienanths stammten von Hugenotten ab. Ludwig Anton von Hacke bat schließlich den Speyerer Bischof Damian Hugo von Schönborn um die verstärkte Ansiedlung katholischer Neubürger. So kamen zahlreiche Steinhauer, Maurer und Zimmerleute von der Sickinger Höhe auf die Erzhütten.
Der Obersteiger Jacob Diehl dürfte sich zu dieser Zeit bereits aus dem Berufsleben zurückgezogen haben. Nachdem seine beiden ersten Frauen gestorben waren, ging er Anfang 1748 in Kaiserslautern seine dritte Ehe ein. Wahrscheinlich war er über 80 Jahre alt, als er am 15. März 1760 starb. Im Wohngebiet Erzhütten/Wiesenthalerhof wurde 1973 eine Seitenstraße nach ihm benannt, die von der Talstraße abgeht und in einer Sackgasse endet.