Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: „Entführung aus dem Serail“ auf der Werkstattbühne überzeugt auf ganzer Linie

Die Figuren begegnen bei ihrer Reise verschiedenen Wesen: eine Szene aus der Entführung aus dem Serail.
Die Figuren begegnen bei ihrer Reise verschiedenen Wesen: eine Szene aus der Entführung aus dem Serail. Foto: Pfalztheater/frei

Die jüngste Produktion des Opernstudios auf der gut besuchten Werkstattbühne war am Sonntag ein ganz großer Wurf: Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart wurde in einer Fassung von Alexander Krampe und Johannes Schmid als Kinderoper zur gefeierten Premiere gebracht.

Von ursprünglich drei Aufzügen und bei einer konventionellen Aufführungsdauer von nahezu drei Stunden wurde diese Version – ohne Pause und Umbauten – auf eine Schulstunde reduziert. Die von Doris Schumacher inszenierte modernisierte und komprimierte Fassung brachte nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Orchestersatz Veränderungen mit sich. Anstelle eines klassischen Opernorchesters agiert hier an der Seite der Werkstattbühne ein Streichquintett, ergänzt durch drei Holzbläser wie Flöte, Klarinette und Fagott. Hier musizierten Musiker/innen und Gäste des Theaterorchesters durch die Konzentration sehr durchsichtig, in filigraner, gestochen klar artikulierter Charakterisierung der orientalisch angehauchten Musik mit Stilelementen der osmanischen Janitscharenmusik.

Eigene Note in die Musik eingebracht

Mozart folgte einer Mode seiner Zeit, als er ein exotisches Kolorit einbaute, das in dieser reduzierten, kammermusikalischen Besetzung mit Knopf-Akkordeon (Christiane Lüder) und Marimbaphon (Christian Jank) und die an manchen Stellen freie Bearbeitung noch intensiver zur Geltung kam und auch eine eigene Note in diese Musik einbrachte.

Die Aufführung hatte durch die Leitung von Studienleiter und Kapellmeister Frank Kersting und die spieltechnische Solidität, strukturelle Klarheit und klangliche Homogenität der Ausführenden hohes künstlerisches Format. Inhaltlich geraten in der konventionellen Fassung die Hauptfiguren in Gefangenschaft des Sultans Bassa Selim (gespielt von Kihoon Han) und seines Haremswächters Osmin (Kyungho Park), während ihr Begleiter Pedrillo (Ferdinand Dehner) dort eine Anstellung gefunden hat. Gemeinsam mit seinem Herrn Belmonte (der die Verschleppten findet) planen sie die Flucht.

Figuren geraten in eine neue Welt

In der modernisierten Fassung geraten diese Figuren dagegen durch eine mysteriöse Tür in eine andere Welt. Nicht nur exotisch wie im Original, sondern in einer Mischung aus dämonisch und fantastisch treten hier „Mischwesen“ auf: Skurrile Mischungen aus Masken und Monstern zeigen, dass die Bühnenausstattung von Olga Engelmann und die originellen Kostüme von Annemie Clevenbergh sich auch dem reizvollen Gedanken einer „theatralischen Spielwiese“ nicht verschließen konnten und auch ihrer Fantasie freien Lauf ließen. In der Rollencharakteristik des Osmin ließ Webbers „Phantom der Oper“ grüßen und dagegen wirkte der Bassa wie ein futuristischer Herrscher, der aber sehr menschliche Züge offenbart.

Jede Figur ein eigenes Profil

Die Inszenierung führte in eine unheimliche, bisweilen aber auch lächerlich wirkende Welt, schaffte den geglückten Spagat zwischen Spannung und Erheiterung. Entscheidend für den Handlungsverlauf war, dass jede der Figuren ein eigenes Persönlichkeitsprofil entfaltete und sich so der von Humanität und Weitsicht geprägte Bassa vom despotischen und zur Gewalttätigkeit neigenden Osmin unterschied. Ebenso wirkten alle Mitglieder des Opernstudios stimmlich souverän, auch Julia Pastor, die mit ihrer natürlichen Anmut und liedhaften Darstellung verzauberte. Dagegen wirkte Zoe Juhyun Park als Konstanze in der Bühnendarstellung (gewollt oder nicht) etwas künstlich und neigte in der Stimmgebung zu Übertreibungen. Der Tenor Tae Hwan Yun – ebenfalls aus der Kooperation mit der Mannheimer Musikhochschule kommend – zeigte beste lyrische Qualitäten, die in diesem Rahmen optimal zur Geltung kamen. Der klassische Bösewicht in einer am Ende humanisierten Welt verfügte auch stimmlich über gewaltige, kraftvolle Ressourcen: Kyungho Park war die eigentliche musikalische Entdeckung und schien in einer Paraderolle aufzublühen.

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