Kaiserslautern Kaiserslautern: Drei Redner und mehr als 1000 Zuhörer

Gegen den Wahnwitz des Krieges: Eugen Drewermann bei seiner Rede in der Versöhnungskirche.
Gegen den Wahnwitz des Krieges: Eugen Drewermann bei seiner Rede in der Versöhnungskirche.

Unter dem Titel „Nein zu Drohnen und Atomwaffen – ja zu Frieden und Gerechtigkeit in der Welt“ lud die Kampagne „Stopp Ramstein“ am Freitagabend zu einer Veranstaltung in der Versöhnungskirche auf dem Bännjerrück. Und mehr als 1000 Menschen aus der ganzen Bundesrepublik waren gekommen, um drei prominenten Rednern der internationalen Friedensbewegung zuzuhören.

Mancher Haarschopf mag inzwischen etwas grauer geworden sein, aber die Stuhlreihen waren keineswegs licht. Proppenvoll wurde schon vor Veranstaltungsbeginn der große Saal der Versöhnungskirche, der allein mehr als 800 Menschen fasst. Nicht viel anders ging es dem Gemeindehaus ganz in der Nähe, das über Video-Bildschirme angeschlossen war. Und weil gegen 19 Uhr noch immer Besucher im Freien standen, montierten fleißige Techniker flugs noch eine große Leinwand in die Grünanlage, die das evangelische Gemeindezentrum an der Leipziger Straße umschließt. „Wir werden offenbar jedes Jahr mehr,“ freute sich denn auch Reiner Braun, Friedensaktivist aus Berlin und Koordinator der sogenannten Ramstein-Kampagne. Zum dritten Mal in Folge hatte das Aktionsbüro zu einer insgesamt dreitägigen Veranstaltungsreihe geladen, die am Samstag in einer symbolischen Blockade der US-Air-Base ihren öffentlichkeitswirksamen Höhepunkt finden sollte. Zum intellektuellen Höhepunkt der Serie geriet allerdings die Veranstaltung am Freitagabend in der Versöhnungskirche. Gleich drei prominente Repräsentanten der internationalen Friedensbewegung hatte das Aktionsbüro nämlich für diesen Abend auf den Bännjerrück bestellt. Wobei ausgerechnet die erste Rednerin den aktuell dramatisch wütenden Naturgewalten zum Opfer fiel: Ann Wright, ehemalige Offizierin der US Army und heute glühende Gegnerin der amerikanischen Militärpolitik, konnte wegen der Verwüstungen nach einem Wirbelsturm ihre Heimat im texanischen Houston nicht verlassen. Was die resolute Dame allerdings nicht an ihrer Rede an das deutsche Publikum hinderte. Zugeschaltet per Satellit, kritisierte Ann Wright mit harschen Worten die kriegerischen Eingriffe der Supermacht auf fast allen Kontinenten der Welt. Ihre besondere Abscheu galt dabei dem aktuellen Umgang des US-Präsidenten mit seinem nordkoreanischen Gegenspieler: „Hier machen sich zwei Brüder im Geiste gegenseitig groß“, lautete – etwas frei übersetzt – ihre Botschaft. Und für die Rolle der Air Base in Ramstein in diesem globalen Machtspiel hatte Wright nur einen Rat übrig: „Sorgen wir gemeinsam dafür, dass diese Einrichtung verschwindet!“ Ähnlich im Ziel, aber etwas grundsätzlicher im Ansatz fiel die Rede von Eugen Drewermann aus. Ganze 77 Lebensjahre hat der ehemalige katholische Seelsorger, Professor, Bestseller-Autor und prominente Kirchenkritiker inzwischen hinter sich. Und noch immer sprintet er federnden Schrittes an die Kanzel der Versöhnungskirche, bevor er seinen intellektuellen Wirbelsturm auf die Mächtigen der Welt entfacht. Von Aristoteles, dem alten Griechen, über Clausewitz, den preußischen Militärtheoretiker, bis zum ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt reichen seine Zeugen, um den Wahnwitz und die moralisch zerstörende Kraft des Krieges zu untermauern. Ganz anders, im Inhalt wie im angeschlagenen Ton, fällt der dritte Beitrag des Abends aus. Und das nicht nur, weil Daniele Ganser mit seinen 45 Lebensjahren einer anderen Generation der Friedensfreunde angehört. Der gebürtige Schweizer wurde als Sohn eines Pfarrers geboren und absolvierte seine akademische Laufbahn als Historiker an den besten Universitäten Europas. Spätestens im Jahr 2000 erlangte Ganser mit einer Veröffentlichung über die Rolle der USA in der Kuba-Krise Anfang der sechziger Jahre eine gewisse Prominenz: Er versuchte mit diesem Buch, den damaligen amerikanischen Politikern unter anderem nachzuweisen, dass sie jenseits allen Völkerrechts beinahe einen veritablen Weltkrieg vom Zaun gebrochen hätten. Eine Botschaft, die jenseits des Atlantiks bis heute nicht gern gehört wird. Deshalb muss sich Ganser auch von offizieller amerikanischer Seite immer wieder vorwerfen lassen, ein „Verschwörungstheoretiker“ zu sein. Doch der junge Wissenschaftler lässt nicht locker und reist seit Jahren mit einer knalligen Botschaft durch die Vortragssäle der Welt: Die USA seien nichts weiter als „eine imperialistische Macht“, was sie bei zahllosen Konflikten auf allen Kontinenten immer wieder beweise. Und Deutschland, ansonsten von seinen Nachbarn „mit dem Hitler-Vorwurf politisch klein gehalten“, spiele dabei regelmäßig die Rolle eines willigen Helfers. Kultur Regional, KREISSEITE

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