Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Deutsch-amerikanisches Freundschaftskonzert ein großer Erfolg

Keine Spur von militärischer Steifheit: der Auftritt der US Army Europe Band mit dem Heeresmusikkorps Koblenz.
Keine Spur von militärischer Steifheit: der Auftritt der US Army Europe Band mit dem Heeresmusikkorps Koblenz. Foto: VIEW

„An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.“ So sangen und spielten die US Army Europe Band und Chorus gemeinsam mit dem Heeresmusikkorps Koblenz am Donnerstagabend in der ausverkauften Fruchthalle zum Schluss eines höchst abwechslungsreichen Konzerts. Das deutsch-amerikanische Freundschaftskonzert war ein Volltreffer.

Militärmusik ist behäbig und betulich? Pustekuchen! Die Musiker der in Sembach stationierten United States Army Europe Band unter Leitung von Randall Bartel sowie des Heeresmusikkorps Koblenz (Wolfgang Dietrich) räumten mit diesem Vorurteil in Windeseile auf. Das Lied von den Toten Hosen spielten sie so fröhlich, rasant und verrückt, wie man es hierzulande kaum kennt. Das hatte keine Spur von militärischer Steifheit. Und die elf Sängerinnen und Sänger des Chors sangen und tanzten dazu, dass die 600 Besucher vor Begeisterung schier ausrasteten.

Schon der eingangs gespielte Marsch „Colossus of Columbia“ von Russell Alexander begeisterte. Mit empathischer Verve und zugleich exakter Treue zur Dynamik trieb Bartel das Orchester an. Seine Interpretation blieb nichts schuldig. Ein Musterbeispiel für ausgelebte Dynamik war das Stück „Firefly“ von Ryan George. Die Töne der quirligen, poetisch aufspielenden Holzbläser steigerten sich zu einem mitreißenden Fortissimo der Blechbläser. Die Formation spielte mit leidenschaftlicher Perfektion und lebte von Randall Bartels sehr genau gesetzten Schattierungen.

Klarinettistinnen tanzen auf der Tonleiter auf und ab

Sieben Klarinettisten waren die Stars des Stückes „Dizzy Fingers“ von Edward Confrey. Sie entpuppten sich als Virtuosenschlangen, die sich auch auf Experimente einließen. Wie verspielte, flinke Eichhörnchen tanzten sie auf der Tonleiter auf und ab. Das Publikum war begeistert. Mit drahtiger Energie erstürmte Wolfgang Dietrich in dem Marsch „Hoch Heidecksburg!“ von R. Herzert das ganze Binnengeflecht zwischen den unterschiedlichsten Instrumenten. Trotz ruhigem Tempo und Pianissimo konnten sich die Posaunen und Trompeten sowie die Holzbläser im „Abendmond“ von Thiemo Kraas voll entfalten. Ihre konzertante Ornamentik fand in den sorgsam ausgeleuchteten Orchesterpartien ihre Entsprechung und schuf dabei eine besinnliche, poetische Stimmung. Alles war Klang, bis das herrliche Decrescendo am Ende schier im Nichts verklang.

Jazzig wurde es mit „Swing, Swing, Swing“ von John Williams, das mit seinem virtuosen Trommelwirbel zu Beginn an den Djunglestyle Duke Ellingtons erinnerte. Bartel benutzte dabei ein ganzes Arsenal an Klangeffekten, wie Dämpfer oder Growl, und vom rauen, drohenden Hornissenklang bis zu einer samtigen Melodik erschloss er fast alle Möglichkeiten des Orchesters. Hervor stach dabei der Solo-Klarinettist mit seinem kraftvollen Stil, während das Orchester in Serpentinen auf und ab glitt. Noch mitreißender wurde es nach der Pause mit „Berry Gordy's Motown“, einem Medley aus rockig-poppigen Titeln. Die Überraschung war der Auftritt der elf Sängerinnen und Sänger des USAREUR Soldiers' Chorus, die höchst expressiv und fetzig intonierten und gleichzeitig fast artistische Tanzeinlagen dazu zeigten. Jede Bewegung der Gruppe war synchron und auf den Rhythmus des Orchesters abgestimmt. Mit mehrstimmigem Harmoniegesang wusste der A-Cappella-Chor in Elvis Presleys „Can't Help Falling in Love“ zu begeistern. Das mit einer verblüffenden Natürlichkeit, als seien diese klanglichen Jungstilgirlanden, die sich quer durch die Oktaven und Stimmregister zogen, das Selbstverständlichste der Welt.

Die Toten Hosen waren noch nie so lebendig

Berührend war der Gesang von Kayla Winslow in „Gabriellas Song“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“, makellos war ihre Stimme, stimmgewaltig, von großem Stimmenumfang. Das ging total unter die Haut. Da wollten die Instrumentalisten nicht hinten anstehen. Mit außergewöhnlicher rhythmischer Komplexität blies der Solo-Tubist in „Crescebt City“ von Nat Mc Intosh. Die Trompeten und Posaunen gesellten sich mit vitalem, überschäumendem Temperament dazu, dass es brodelte. Expressiv spielte der Solo-Saxofonist, und die Trompeter traten mit lupenreinem High-Note-Blowing und schneidenden Riffs hervor. War da die Stimmung noch zu steigern? Sie tat es. Und die Toten Hosen waren wohl noch nie so quirlig lebendig wie in dem abschließenden Song, als sich Orchester, Solisten und Chor in einem stetig anwachsenden Crescendo zu übereinander geschichteten Klängen steigerten. Da hielt es keinen mehr auf den Sitzen. Alles stand, klatschte und sang vor Begeisterung mit. Als Zugabe spielte das Orchester „Alte Kameraden“ und „Stars and Stripes“. An Tagen wie diesen wünschte man sich, die Bands würden immer weiter spielen.

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