Kaiserslautern
Kaiserslautern: Der Rheinland-Pfalz International Choir pflegt beim Konzert in der Pauluskirche einen eigenen Klang

Eigentlich haben nur bedeutende Klangkörper einen einzigartigen Klang, der sie von anderen abhebt, etwa die Wiener Philharmoniker mit ihren historischen Instrumenten aus einer bestimmten Instrumentenbaudynastie mit tieferer Stimmung. Dass sich ausgerechnet der Rheinland-Pfalz International Choir ein solch maßgeschneidertes Klanggewand zulegt hat, überrascht seit Jahren. Am Samstag präsentierte er es mit berechtigtem Stolz in der Pauluskirche .
Der Chor wurde 1986 als Ramstein Community Choir gegründet, dann 1988 in Rheinland-Pfalz International Choir umbenannt. Inzwischen steht er für eine „zur Chormusik gewordene Internationalität“. Sänger aus fünf Nationen: an der Airbase stationierte musikalisch vielfach Interessierte aus Militäreinrichtungen und Zivilisten sowie ein hoher Anteil von regionalen Lehrern. Das erklärt das mehrsprachige Repertoire. Damit setzte der Chor bislang eigene Akzente und bewahrte sich mit relativ häufigem Dirigentenwechsel auch eine durch alle Vorträge wehenden Geist, der in der Pauluskirche beim Themenkonzert „Preisen und Prosten“ spürbar und lebendig war. Fluktuation bei den Choristen und Rotation bei den Chorleitern, für viele Laienmusiziervereinigungen wäre dies ein Hemmschuh. Hier wirkt das beflügelnd, was eigentlich absurd ist. Es macht diesen Liebhaberchor zu etwas Besonderem, hat er doch klassische Konzertsätze, traditionelle Chormusik und Unterhaltungsmusik in seinem Repertoire.
Der eindrucksvolle Chorklang lebte von einer spürbaren Emphase und ist getragen von einem schwärmerischen Enthusiasmus, er ist beseelt von lebhafter Musizierfreude und dem ausgeprägten Wille zur eindringlichen Charakterisierung von Textinhalten und musikalischen Finessen. Er wirkt bisweilen im romantischen Sinn und Kunstverständnis schwärmerisch und hat dabei zumindest die auftrumpfende Note von klassischen Opernchören. Auch als Frauenchor, bei französischen Klangbeispielen von Hector Berlioz etwa, war diese Innigkeit und Intensität spürbar.
In gesangstechnischer Hinsicht wirkt der Chor durch die Probenarbeit von Jennifer Hsiung insgesamt überzeugend, wenn auch zwischendurch mal kurzzeitig Ermüdungserscheinungen – beim Brahms’ Chorsatz in der Diktion und bei der abgesunkenen Schlusskadenz von Rheinbergers Abendlied – erkennbar waren.
Insgesamt faszinierte aber, wie pathetische Steigerungen, kraftvolle Akzente und das Angehen von Höhe- und Ruhepunkten ausgereizt wurden. Lothar Bendel begleitete die Chorabteilungen ebenfalls im großen Stil, flexibel auf alle Zäsuren und Fermaten reagierend und vermittelte den rhythmischen Impuls zwingend und immer stilistisch angemessen. Die Dirigentin Jennifer Hsiung vermittelte klare Werkvorstellungen, leitete souverän über alle Klippen wie Takt- und Tonartwechsel hinweg und führte zu fließenden Übergängen. Hsiung stammt aus Philadelphia in Pennsylvania, war als musikalische Leiterin für das Ramstein High School-Musical verantwortlich, wirkte zuvor an ihrer Heimatuniversität in ihrer Fakultät im Fach Gesang und profitierte von ihrem Studium in den Fächern Klavier, Gesang und Dirigieren an der Universität Palo Alto.